Wo der Bürgermeister mit dem Golf vorfährt

Von: Franz Windelen
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Zuversichtlich: Bürgermeister
Zuversichtlich: Bürgermeister Bernhard Tholen (r.) und Kämmerer Gerd Dahlmanns wollen Gangelt bis 2015 schuldenfrei machen. Foto: hama

Gangelt. Gangelts Bürgermeister fährt noch einen zehn Jahre alten Golf als Dienstwagen. Nicht unbedingt, weil er ihn so lieb gewonnen hat und ihm eine Trennung so schwer fiele. Wer angesichts der betagten Amts-Karosse nörgelt oder schmunzelt, dem erwidert Bernhard Tholen: „Ein neuer Wagen würde die Gemeinde wieder einige Tausend Euro kosten!”

Recht hat er, und Recht gibt ihm der schrumpfende Schuldenberg, den die kleine Westkommune im Jahr 2015 komplett abgetragen haben will. Dann wäre Gangelt die wohl einzige Gemeinde im Kreis Heinsberg, die schuldenfrei dastünde. Unnötige Anschaffungen, siehe Dienstwagen, will die Gemeinde nicht mehr schultern.

Sparen, sparen, sparen und nochmal sparen - das ist das eherne Gesetz. „Wir sind nun mal eine einkommensschwache Kommune. Wir können uns nur entschulden - zum einen über Einsparungen bei den Ausgaben und zum anderen mit einer Verbesserung der Einnahmen”, erläutert Kämmerer Gerd Dahlmanns die Situation. Das letzte Darlehen hat Gangelt im Jahr 2004 aufgenommen. Der Schuldenstand damals: 3,5 Millionen Euro.

Durch eine konsequente ordentliche wie außerordentliche Tilgung des Kapitaldienstes wird man Ende 2012 nur noch mit 1,3 Millionen Euro in der Kreide stehen - oder anders ausgedrückt: die Pro-Kopf-Verschuldung bewegt sich mit 112 Euro auf einem niedrigen Niveau. Dafür sind allerdings auch unpopuläre Maßnahmen erforderlich: So wurden die Grundsteuer B, die Gewerbesteuer und die Friedhofsgebühren zum Teil drastisch erhöht; und des Nachts wird die Straßenbeleuchtung ausgeschaltet.

Im Jahr 2015, so hat Kassenwart Dahlmanns errechnet, wird die 11.000-Einwohner-Gemeinde die letzten 570.000 Euro abzahlen.

Manche vom Nothaushalt gebeutelte Stadt darf von solch rosigen Perspektiven nur träumen. Gangelt ist und kann nicht Maßstab für andere Kommunen sein, betont Bürgermeister Tholen: „Wir sind eine kleine Kommune. Hier ist das Sparen überschaubarer, und hier ist ein Controlling in kleineren Einheiten möglich.” Während in den großen Rathäusern eine Sparmaschinerie nur über Dienstanweisungen funktionieren kann, will der Gangelter Verwaltungschef auf derlei „abstraktes Verwaltungshandeln” verzichten und setzt auf eine eigene „Unternehmensphilosophie”, die er als Bürgermeister auch selbst vorleben müsse.

Und Tholen erinnert an den alten Golf. „Beim Sparen muss ich bei mir selber anfangen, dann erst kann ich das seriös auch von anderen verlangen.” Kämmerer Gerd Dahlmanns lässt das Stichwort „verantwortungsvolle Politik” fallen und meint: „Wir müssen bewusst und zurückhaltend mit dem Geld umgehen, damit wir den nachfolgenden Generationen keine finanzielle Erblast hinterlassen. Diese Prämisse haben wir bei unserem Konsolidierungskurs der letzten 15 Jahre immer im Auge behalten.”

Auch der Blick auf die sogenannte Eigenkapitalquote - eine betriebswirtschaftliche Kennzahl - lässt die Gangelter Verantwortlichen sicher ruhiger schlafen: Im Ranking der zehn kreisangehörigen Städte und Gemeinden rangiert nur Erkelenz mit 52 Prozent vor Gangelt mit 48 Prozent. „Wir versuchen mit dem auszukommen, was wir haben”, sagt Bernhard Tholen. Über genügend Liquidität seiner Gemeinde kann er sich wahrlich nicht beklagen.

Wäre Gangelt in drei Jahren aus den roten Zahlen, könnte es sich in den erlauchten Chor jener 15 Kommunen in NRW einreihen, die ebenfalls schuldenfrei sind.

Was aber hat so viele Kommunen in das finanzielle Desaster getrieben? „Die Politik hat damals, ebenso wie viele Privatleute, offensichtlich den Bezug zur Wirklichkeit verloren. Dass eine öffentliche Körperschaft einmal Pleite gehen würde, konnte sich keiner vorstellen. Erst mit der Euro-Krise und dem Kollaps Griechenlands kam das böse Erwachen”, denkt Tholen. Viele Kommunen seien dramatisch an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit und Finanzkraft gestoßen und hätten gar über ihre Verhältnisse gelebt.

An dieser Stelle kramt Gerd Dahlmanns sein Kämmerer-Motto heraus: „Nicht immer das Wünschenswerte, sondern das Machbare im Auge haben!”
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