Wirtschaftsstruktur: „Kreis arbeitet sich aus dem Keller ans Licht vor“

Von: disch
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Er scheidet Ende August nach fast 21 Jahren aus seinem Amt als Geschäfts­führer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Kreis Heinsberg aus: Dr. Joachim Steiner. Foto: Carl Brunn

Kreis Heinsberg. Die Zahlen, die von Information und Technik Nordrhein-Westfalen, dem statistischen Landesamt, in diesem Monat vorgelegt worden sind, dürften den scheidenden Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Kreis Heinsberg (WFG), Dr. Joachim Steiner, sehr erfreut haben.

Was die Entwicklung der Erwerbstätigen- und Beschäftigtenzahlen seit dem Jahr 2000 angeht, werden für den Kreis mit Blick auf die Zuwachsraten wieder einmal Spitzenwerte in NRW ausgewiesen.

Passend zu Ihrer Marketing-Kampagne „Spitze im Westen“ ist der Kreis Heinsberg also mal wieder „Spitze in NRW“ – mit besten Werten bei der langfristigen Beschäftigungsentwicklung. Wie bewerten Sie die Zahlen?

Steiner: Vor allem stelle ich sehr zufrieden fest, dass die Statistiken der letzten Zeit sich gegenseitig bestätigen und einen klaren Trend erkennen lassen. Der Kreis steht – wie im Vorjahr – bei der langfristigen Beschäftigungsentwicklung erneut auf Spitzenplätzen in NRW. Daneben hat der Kreis Heinsberg auch die Spitzenposition in NRW bei der Entwicklung der industriellen Investitionen. In dieser Häufung können das keine statistischen Zufallstreffer mehr sein. Allerdings muss man beachten, dass die Daten nicht die wirtschaftliche Stellung des Kreises innerhalb Nordrhein-Westfalens darstellen, sondern nur die Veränderungs­dynamik. Diese zeigt aber nachhaltig, dass sich der Kreis Heinsberg aufgemacht hat, sich aus dem Keller ans Licht vorzuarbeiten.

Im kommenden Monat übergeben Sie Ihr Amt an Ihren Nachfolger Ulrich Schirowski. Wie fällt Ihr Fazit aus nach fast 21 Jahren an der Spitze der Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Kreis Heinsberg?

Steiner: Kurz vor Beendigung meiner Tätigkeit in der Wirtschaftsförderung für den Kreis Heinsberg denke ich natürlich oft an die Anfänge zurück. Der Kreis Heinsberg wurde in NRW nur als Region mit sehr weitgehenden Strukturproblemen wahrgenommen. Die Stilllegung der Zeche Sophia-Jacoba war beschlossen, aber noch nicht umgesetzt. In den Jahren zuvor war die Produktion der ehemaligen Glanzstoff in Oberbruch von Akzo ­Nobel mehr und mehr zurückgefahren und nach Fernost verlagert worden, verbunden mit massiven Arbeitsplatzverlusten am Standort. Viele mittelständische Unternehmen der Textilverarbeitung hatten geschlossen oder waren insolvent geworden. Nach und nach kam dann auch die Konversion vieler Militärflächen im Kreisgebiet hinzu. Kurz: Der Kreis Heinsberg war ein wirtschaftliches Kellerkind in NRW.

Der Kreis gehörte dann folgerichtig auch zu den Regionen mit höchstmöglicher Förderung in Westdeutschland. Und aus dieser Position hat sich der Kreis nachhaltig befreit. Es gab spektakuläre Großansiedlungen wie Siemens in Wegberg-­Wildenrath, QVC in ­Hückelhoven-Baal, die große Lidl-Investition in Übach-Palenberg, um nur einige zu nennen. Viele Neugründungen von Unternehmen, aber auch der traditionelle Unternehmensbestand haben sich hervorragend entwickelt. Und so haben wir heute einen ausgewogenen Branchenmix und eine überwiegend eigentümergeführte, mittelständische Wirtschaftsstruktur vorzuweisen. Und eben – wie die Statistik zeigt – ein im Vergleich zu anderen Regionen deutlich überdurchschnittliches Wachstum. Ich muss aber noch anbringen, dass diese erfolgreiche Entwicklung durch das Zusammenwirken vieler zustande gekommen ist. Städte und Gemeinden mit ihren Wirtschaftsförderungen, der Kreis und die WFG, die Förderung durch Land, Bund und EU, allen voran aber die Wirtschaft, die Unternehmen im Kreis sind Väter der positiven Entwicklung.

Sie werden natürlich – davon darf man wohl ausgehen – die weitere Entwicklung des Kreises Heinsberg mit großem Interesse beobachten. Was wird die Zukunft für den Kreis Ihrer Ansicht nach bringen?

Steiner: Natürlich bleibe ich interessiert, ich werde auch weiter im Kreis wohnen. Ich habe unseren Kreis immer als erfreulich wirtschaftsorientiert empfunden: Die Gesellschafter, das heißt Kreis, Kreissparkasse und die zehn Städte und Gemeinden, hatten insbesondere in den letzten zehn Jahren ein gutes, unterstützendes Verhältnis zu ihrer WFG. Die Wirtschaftsförderungsarbeit ist von Miteinander und gegenseitiger Unterstützung geprägt. Außerdem ist unser Kreis ist eine von ganz wenigen Gebietskörperschaften, die sich einen Wirtschaftsbeirat geschaffen hat, in dem Politik und Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft im Gespräch bleiben. Das heißt: Der Kreis hat ein offenes Ohr für die ­Belange der Wirtschaft, kann sich Rat holen und Zusammenarbeit organisieren. Ich gehe fest davon aus, dass diese Orientierung und geübte Praxis in Zukunft fort­gesetzt wird. Und dann traue ich dem Kreis Heinsberg noch eine weitere positive Entwicklung zu. Das Team der WFG wird seinen Beitrag hierzu auch unter neuer Führung kompetent und motiviert leisten.

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