Wirbel um Abwasser-Einleitungen

Von: Nalini Dias
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Süße Ware: Speiseeis am Stiel. Foto: imago

Waldfeucht. Wo gehobelt wird, fallen Späne - Sie kennen das! So ist es nicht weiter verwunderlich, dass auch ein großer Lebensmittelbetrieb in Waldfeucht-Haaren Unrat verursacht. Die Rede ist von der Firma Rosen Eiskrem, die in der Gemeinde seit Jahrzehnten massenweise Speiseeis produziert.

Und bei der Produktion von Speiseeis kann es vorkommen, dass Reste von Milch, Zucker und Fetten über das Abwasser in die Kanalisation gelangen und die Kläranlage strapazieren. Die Frage ist: Wurde in den letzten Jahren zu viel dieser sogenannten CSB-Fracht von Rosen eingeleitet? Und: Resultiert daraus womöglich eine erhöhte Gebührenbelastung für die Bürger der Gemeinde?

Das zumindest vermutet die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen im Waldfeuchter Rat. Im Oktober hatte deren Fraktionsvorsitzender Jörg van den Dolder eine Anfrage zum Thema gestellt. Bürgermeister Heinz-Josef Schrammen gab im Rat jetzt eine Antwort.

Die Anfrage der Grünen befasst sich mit der Einleitung von Abwässern aus den Haarener Werken ins öffentliche Kanalsystem. Demnach entsprächen die Rosen-Abwässer nicht der gültigen Abwassersatzung. Zudem fehle eine „angemessene Berechnungsgrundlage”, was zu „erheblichen Problemen bei der verursachergerechten Berechnung der Abwassergebühren” führe.

Beantwortet wissen wollte die Fraktion unter anderem folgende Fragen: Wer wurde mit der Messung der Abwasserwerte am Kanal des Lebensmittelbetriebes beauftragt? Wann erfolgten die Messungen und mit welchem Ergebnis? Ist es auch im Jahr 2011 (wie in 2003) zu kritischen Konzentrationen von Stoffen in der Kläranlage gekommen? Zudem geht es darum, ob gegebenenfalls mit Neuberechnungen oder gar Rückerstattungen für die Gebührenzahler zu rechnen sei.

Weder die Antwort von Bürgermeister Schrammen, noch die Erklärung des Wasserverbandes Eifel-Rur (WVER) als Betreiber der Kläranlage oder die Stellungnahme der Rosen Eiskrem GmbH lassen auf eine Gebührenerstattung schließen.

Wie Schrammen im Rat erläuterte, habe es viele Gespräche mit dem WVER und dem Unternehmen gegeben. Demnach sei es in 2011 nicht zu kritischen Konzentrationen in der Kläranlage Haaren gekommen. Die Reinigungsleistung der Kläranlage sei „gut”. Und die „Überwachungswerte werden sicher eingehalten”, bestätigte der Wasserverband in mehreren Schreiben. In den letzten Jahren sei die mittlere Belastung der Kläranlage gesunken. Durch die kontinuierliche Zufuhr der biologischen Schmutzwasserfracht durch Rosen seien die Stickstoffwerte sogar gesunken, was zu einer Kostenentlastung führe, erklärte Schrammen.

Gegenüber unserer Zeitung bekräftigte Schrammen seine Haltung, vorerst keine weiteren Schritte in Sachen Abwasser bei der Firma Rosen Eiskrem zu unternehmen. Schließlich zahle Rosen bereits einen zusätzlichen, 30-prozentigen Abschlag. Seit dem Jahr 2003, in dem es tatsächlich zu Überschreitungen der zulässigen Mengen gekommen sei, habe die Firma kontinuierlich für die Verbesserung der internen Produktionsabläufe und damit der Abwasserwerte gesorgt.

Das bestätigt auch die Firma Rosen Eiskrem auf Nachfrage. Das Haarener Familienunternehmen sei sich seiner ökologischen Verantwortung bewusst, unterstreicht Rosen-Geschäftsführer Michael Müller. Abfälle würden soweit möglich vermieden, getrennt und separat entsorgt. Im Juli 2010 sei die Messtechnik in den Werken erneuert und mit den gleichen Messgeräten ausgestattet worden, die auch in der Kläranlage eingesetzt werden.

Die Messungen bei Rosen sowie in der Anlage würden verglichen und der Gemeinde vorgelegt. Es habe nie Differenzen gegeben, so Müller. Zudem gebe es Planungen für weitere technische Maßnahmen zur Reduzierung des Abwassers. Müller: „Im neuen Jahr werden wir in enger Abstimmung mit dem WVER unsere Technik weiter modifizieren, so dass wir genaue, mengenproportionale Messungen durchführen können, die zur einer exakten Bestimmung der eingeleiteten Abwässer führen.”

Dadurch gewinne Rosen die Möglichkeit, genau festzustellen, inwieweit die derzeit gezahlte Schmutzfrachtzulage in Höhe von 30 Prozent auf die „normalen” Abwassergebühren den industriellen Zusatzbedarf abdeckt oder ob möglicherweise gar zu viel gezahlt wurde.
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