Wie Tonia sich zurück auf die Piste kämpft

Von: dawin
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Die Berge sind weit weg: Im Moment bleibt Tonia Schubert nur die winterliche Kulisse an der Wand ihres Zimmers. Foto: dawin

Gangelt-Breberen. Die Wintersaison hatte noch gar nicht richtig begonnen, da war sie auch schon für Tonia Schubert vorbei. Das Skifahren ist für die Zwölfjährige aus Breberen mehr als ein Hobby; es ist Leistungssport, dem sich das Talent aus dem rheinischen Flachland – unterstützt durch die ebenso faszinierten Eltern – verschrieben hat. Um so bitterer ist es, dass die schweißtreibenden Trainingsstunden im vergangenen Sommer für die Katz waren.

Nach einer folgenschweren Verletzung kann das talentierte Ski-Mädel die alpinen Wettbewerbe derzeit nicht auf der Piste, sondern nur noch weitab von selbiger erleben.

„Gleich das erste Wertungsrennen am Pitztaler Gletscher am 20. Dezember brachte das Aus. Und das zehn Meter vor dem Ziel“, hadert Tonia im Nachhinein noch ein wenig mit dem Schicksal. Kreuzbandriss lautete die niederschmetternde Diagnose. „Eine feine vorweihnachtliche Bescherung“, bedauert Mutter Ulrike. Bei der Sportlergala unserer Zeitung am 13. Januar, bei der auch die Leistungen der kleinen Breberenerin gewürdigt wurden, war also der alpine Skiwinter für Tonia längst Vergangenheit. Zwangsläufig.

Für Köln entschieden

Tonia zeigt auf ihren beiden Krücken: „Die brauche ich nicht ständig, sie sind hin und wieder ein gutes Hilfsmittel.“ Etwa auf dem Weg zu ihrer Schule, zum St.-Ursula-Gymnasium in Geilenkirchen. Momentan erhält sie physiotherapeutische Anwendungen. Um eine Operation kommt sie jedoch nicht herum. Am Freitag vor Karneval war der Termin für die Operation in der Kölner Uniklinik. „Wir haben uns ausführlich informiert und für Köln entschieden“, erklärt Ulrike Schubert.

Krücken statt Skier also. Eher vorsichtig als wagemutig fortbewegen, so lautet aktuell die Devise. Dabei hatte sich die Zwölfjährige gerade auf diese Wintersaison gefreut. „Ich hätte zum ersten Mal in der Schülerklasse, also bei den Zwölf- bis 15-jährigen an den Start gehen können. Das wäre eine neue sportliche Herausforderung gewesen“, sagt Tonia. Überhaupt wäre es ein ereignisreiches Jahr gewesen.

Tonia war nominiert für die Kinderolympiade, die am 22. Februar in Schonach/Schwarzwald stattfindet; die für den Bonner Skiclub startende Breberenerin war außerdem als einzige Teilnehmerin aus Nordrhein-Westfalen, als Jahrgangsjüngste, für die Deutsche Schülermeisterschaft gemeldet. „Nur unterbrochen durch die Karnevalstage, wären wir bis Ostern jedes Wochenende zu irgendwelchen Wettkämpfen unterwegs gewesen“, konstatiert Vater Heinz-Josef Schubert.

Trotz der kilometerfressenden Fahrten in die näheren und weit entfernten Schneeregionen und des damit verbundenen Stresses vermisst auch er „den Skizirkus, den Schnee, die Berge und die Sportsfreunde“. Auch wenn es der skibegeisterten Familie angesichts der TV-Bilder vom Weltcup-Rennen wehmütig ums Herz wird, steht fest: Der Sportwinter 2015/16 ist für die Schuberts schon jetzt Schnee von gestern. Langeweile kommt bei Tonia dennoch nicht auf, sie hat einen Zeitvertreib entdeckt: sie näht.

Natürlich geht ihr Blick längst über die Nähmaschine hinaus, auf die nächste Saison, deren Schnee erst noch fallen muss. „Ich werde nach der OP wieder mit dem Konditionstraining wie Radfahren und Laufen beginnen“, ist sie voller Optimismus. Trockenübungen für den Sommer, die die Kraft für den Winter garantieren sollen.

Ab Herbst will die taffe Zwölfjährige wieder auf den Brettern stehen, die für sie die Welt bedeuten. Und von ihrem großen Ziel, der Teilnahme an den Olympischen Winterspielen 2022, lässt sich die Zwölfjährige auch durch einen Kreuzbandriss nicht abbringen: „Da will ich auf jeden Fall dabei sein.“

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