Wie generationengerecht ist der Kreis Heinsberg?

Von: anna
Letzte Aktualisierung:
7662538.jpg
Die Arbeitsgemeinschaft der Senioreninitiativen hatte zur Diskussion ins Heinsberger Kreishaus eingeladen. Heinz-Peter Benetreu (rechts) moderierte die Runde mit Ralf Derichs von der SPD, Maria Meurer von den Grünen, Stephan Pusch von der CDU, Walter Leo Schreinemacher von den Freien Wählern und Dr. Klaus J. Wagner von der FDP (von links nach rechts). Foto: Anna Petra Thomas

Kreis Heinsberg. Wie reagiert die Kreispolitik auf die älter werdende Gesellschaft? Wie generationengerecht ist der Kreis? Mit dieser Fragestellung hatte die Arbeitsgemeinschaft der Senioreninitiativen im Kreis Heinsberg im Vorfeld der am 25. Mai stattfindenden Kommunalwahlen eine Podiumsdiskussion überschrieben.

Zu der konnte sie fünf Kommunalpolitiker begrüßen: die Landratskandidaten Stephan Pusch (CDU), Ralf Derichs (SPD), Maria Meurer (Bündnis 90/Die Grünen) und Dr. Klaus J. Wagner (FDP) sowie den Spitzenkandidaten der Freien Wähler, Walter Leo Schreinemacher. Silke Müller von der Partei Die Linke hatte ihre Teilnahme aus gesundheitlichen Gründen abgesagt.

Moderator Heinz-Peter Benetreu malte im großen Sitzungssaal des Kreishauses zunächst ein provozierend düsteres Bild von der Zukunft des Kreises – mit leeren Kindertagesstätten und hoffnungslos überfüllten Altenheimen, mit arbeitslosen Hebammen und überfordertem Pflegepersonal sowie mit einer großen Landflucht, ehe er die Kommunalpolitiker zur persönlichen Stellungnahme aufforderte.

„Wir werden älter, weniger und bunter“, versuchte zunächst Pusch die Entwicklung der Demografie auf den Punkt zu bringen und fügte gleich hinzu: „Der Kreis Heinsberg ist ein lebens- und liebenswerter Kreis, in dem es sich lohnt, alt zu werden.“ Damit dies auch so bleiben könne, gelte es, im Rahmen der Quartiersentwicklung den vielfältigen Anforderungen so zu entsprechen, dass die Menschen in ihrer gewohnten Umgebung alt werden könnten. In den vergangenen Jahren sei schon viel auf den Weg gebracht worden, mit einem Seniorenbeauftragten, mit einer Stabsstelle Demografischer Wandel und Sozialplanung sowie mit einem Beirat für Senioren und Generationenfragen. „Aber wir können auch noch viel tun.“

Derichs sah weiteres Potenzial in einer Verbesserung des Serviceangebotes, etwa im Ausbau der unabhängigen Pflegeberatung. Auch eine Verbraucherberatung könnte nach seiner Ansicht auf Kreisebene organisiert werden. Weiter gelte es, das Ehrenamt zu stärken, zum Beispiel mit einer Ehrenamtskarte, die den Inhabern auf Kreisebene Vergünstigungen ermögliche. Zudem sei ihm die weitere Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf wichtig, etwa mit Blick auf die Öffnungszeiten der Kindertagesstätten.

Im Vergleich mit anderen Bevölkerungsgruppen habe man doch für die Senioren im Kreis Heinsberg schon einiges geschafft, befand Meurer und verwies auf die Generationengerechtigkeit. Wichtig sei ihr eine „Inklusion aller gesellschaftlichen Gruppen“. Die Barrierefreiheit komme dem älteren Menschen mit Rollator ebenso zugute wie jungen Eltern mit Kinderwagen. Mehr getan werden müsste in puncto Öffentlicher Personennahverkehr. In der Vergangenheit sei die Politik zu sehr auf den Ausbau von Straßen ausgerichtet gewesen.

„Älter werden im Kreis Heinsberg“ müsse als Programm verstanden werden, stimmte Wagner den Ausführungen von Pusch zu. Auch wenn die finanziellen Mittel knapp blieben, gelte es, die Infrastruktur im Quartier insgesamt weiter zu verbessern. Als Beispiele nannte er Einkaufsmöglichkeiten, die ärztliche Versorgung, aber auch das kulturelle Angebot. Was das Ehrenamt betreffe, werde eine Ehrenamtskarte nicht ausreichen, zu einem Zusammenhalt in der Gesellschaft zurückzufinden, so seine Befürchtung.

Auf das Thema Wohnraum ging Schreinemacher detaillierter ein. Es gelte, mehr davon zu schaffen für ältere Menschen, die länger selbstbestimmt leben wollten. Alten- und Pflegeheime wie in seinem Heimatort Waldenrath, die „schon fast Industriebetriebe“ seien, gelte es zu entzerren. Dort lebende Menschen seien doch zu einem Großteil am öffentlichen Leben gar nicht mehr beteiligt. Sein Vorschlag lautete, Senioren wieder verstärkt in ein Familienleben über mehrere Generationen einzubeziehen und eine kreiseigene Wohnungsbaugesellschaft zu gründen, die marktregulierend eingreifen könne.

In der offenen Diskussion war die Gestaltung von Wohnraum für ältere Menschen ein Schwerpunkt. Appelliert wurde aber auch daran, beim Blick auf die Senioren die jüngeren Generationen nicht aus dem Blick zu verlieren.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert