Wie aus Krimskrams eine Sammlung wird

Von: Dettmar Fischer
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Der Heinsberger Kunstsammler K
Der Heinsberger Kunstsammler Klaus Mülstroh hat seine Sammlungen von Grafik und künstlerisch gestaltetem Glas an Museen übergeben. Einige wenige Arbeiten wie die von Francesco Clemente verwahrt er noch in seinem eigenen Archiv. Foto: defi

Heinsberg. „Von A bis Z - Ein Einblick in die Sammlung Mülstroh” heißt eine Grafik-Ausstellung, die jetzt im LVR-Landesmuseum Bonn eröffnet wurde. Nur 18 Kilometer entfernt von der Bonner Innenstadt liegt Rheinbach.

Im dortigen Glasmuseum Rheinbach wurde kurz zuvor die Vernissage der Ausstellung „Internationales Studioglas - Sammlung Mülstroh” gefeiert.

Der Heinsberger Kunstsammler Klaus Mülstroh hat in 40 Jahren die Kunstwerke zusammengetragen, die nun die Sammlungen der beiden renommierten Museen bereichern. Dr. Ruth Fabritius, Museumsleiterin des Glasmuseums Rheinbach, das die Glassammlung Mülstroh als Dauerleihgabe erhalten hat: „Die Gefäße, Gefäßobjekte und Skulpturen der Sammlung Mülstroh stellen ein großes Potenzial für ganz verschiedene Anknüpfungspunkte - Technik, Themen, künstlerische Konzepte - dar. Mit diesem Material ergeben sich auch viele neue Brücken in die vorhandene Sammlung des Glasmuseums und damit gewissermaßen Stoff für viele künftige Ausstellungen.”

Jutta Eckenbach ist stellvertretende Vorsitzende der Landschaftsversammlung Rheinland und mitverantwortlich für das größte Museum des Landschaftsverbandes Rheinland, das LandesMuseum Bonn. Eckenbach sagte in ihrer Rede zur Ausstellungseröffnung vor 140 Vernissagegästen: „In den 1960er Jahren entdeckte der Heinsberger Architekt Klaus Mülstroh im Schaufenster einer Galerie eine Grafik, die ihm so außerordentlich gefiel, dass er sie erwarb. Mit diesem Blatt begann, das darf man wohl so sagen, eine Leidenschaft, und aus diesem ersten Stück wurde eine Sammlung, die heute auf über 3000 Blätter gewachsen ist. Sie ist ein Kaleidoskop, eine Schatztruhe, der grafischen Kunst des 20. Jahrhunderts geworden.”

Die grafische Sammlung Mülstroh geht für 30 Jahre als Dauerleihgabe an das LVR-Landesmuseum Bonn mit der Option ,nach diesen 30 Jahren als Schenkung dem Haus überlassen zu werden.

So zufrieden wie die Leitungen der beiden Museen sind, ist auch Sammler Klaus Mülstroh. Sein Ziel war es, die Sammlungen Mülstroh für die Zukunft zu erhalten. Kontakte zu größeren Museen im Rheinland spitzten sich zu auf Bonn und Rheinbach. Da stimmte die Chemie zwischen dem Sammler und den Museumsverantwortlichen.

Im Glasmuseum Rheinbach war es der Förderverein des Museums „Freunde edlen Glases”, dem Klaus Mülstroh seit zehn Jahren angehört, der den Stein ins Rollen brachte mit den Worten: „Mensch Klaus, haste nich auch mal wat für uns?” „Wat für uns” heißt, dass 230 Studioglas-Objekte aus Europa und den USA aus der Sammlung Mülstroh dem Glasmuseum Rheinbach, das bisher seinen Schwerpunkt in der nordböhmischen Glaskunst hatte, eine neue Ausrichtung geben werden. Im Landesmuseum Bonn war die jahrelange Bekanntschaft zwischen Mülstroh und der neuen Museumsleiterin Dr. Gabriele Uelsberg, einst am Suermondt-Museum Aachen aktiv, entscheidend dafür war, dass die grafische Sammlung Mülstroh nach Bonn ging.

„Von jedem bedeutenden grafisch tätigen Künstler des 20. Jahrhunderts mindestens ein Blatt zu besitzen - kann dieses große Ziel der ,Vollständigkeit eine Privatsammlung erreichen? Es ist wohl unmöglich, aber man kann es auf großartige Weise versuchen und über ein Leben lang verfolgen.” Besser kann man die Intention, eine Kunstsammlung zu schaffen nicht in Worte fassen, wie es die Leiterin des LVR-Landesmuseums tat.

Wie wird man zum Kunstsammler? Klaus Mülstroh: „Anfang der 60er Jahre war die Zeit der ersten Urlaubsreisen. Irgendwann stand der ganze Krimskrams an Mitbringseln zu Hause rum. Da haben wir begonnen, uns zu spezialisieren.” „Wir” das waren in diesen Jahren Klaus Mülstrohs erste, 1986 verstorbene Ehefrau Luise und Klaus Mülstroh, der gerade beruflich gefestigt und mit ein paar extra D-Mark in der Kasse ausgestattet war.

Luise liebte das Glas und Klaus die Grafik. Klaus Mülstrohs Interesse für die grafische Kunst hatte ihren Ursprung im ehemaligen Jungengymnasium Heinsberg bei seinem Kunstlehrer August Lentz; mit dem saß er einst zusammen vor dem Motiv im Kirchhovener Bruch den Blick auf Werlo mit Wasserfarben auf Aquarellpapier malend.

Das Bild hängt heute noch in seinem Arbeitszimmer und Klaus Mülstroh bekennt: „Das ist natürlich keine Kunst, so was kann man lernen.” Den Unterschied zwischen Kunst und dem, was man persönlich als schön empfindet, lernten Luise und Karl Mülstroh schnell. Dazu gehörte eine umfangreiche Bibliothek von 1700 Kunstbüchern, die heute in der Bibliothek des Bonner Landesmuseums zur Freude der dortigen Bibliothekarin ihren Platz gefunden hat.

Sein Auge für die Qualität einer Grafik verdankt Klaus Mülstroh seinen Lehrern - nach August Lentz waren das an der Aachener Hochschule Professor Brandes in den ersten Nachkriegsjahren und dessen Nachfolger Professor Anton Wendling, der seinen Assistenten Mülstroh auch schon mal mit einer Grafik entlohnte.

Hilfsdienste für den Gestalter von Kirchenfenstern, Wendling, leistete in den 50er Jahren gemeinsam mit Mülstroh der später für seine Glasmalerei weltberühmt gewordene Professor Ludwig Schaffrath. Auch von seinen Lehrern und seinem Duzfreund Ludwig Schaffrath gingen Arbeiten aus der Sammlung Mülstroh zusammen mit allen großen Namen der Künstlerischen Grafik von A bis Z aus allen Kunstrichtungen der Jahre 1950 bis 2000 bis hin zur kurzlebigen Pattern-Art aus der Mitte der 70er Jahre nach Bonn.

In seiner Rede zur Ausstellungseröffnung in den Museen Rheinbach und Bonn bat Karl Mülstroh auch um ein kleines Angedenken an seine erste Frau Luise, die maßgeblich die Glassammlung Mül-stroh mitprägte.
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