Widerstand gegen das DDR-Regime als Pflicht

Von: hewi
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Hartmut Richter beendete seine
Hartmut Richter beendete seinen Besuch mit einem Vortrag in Erkelenz. Foto: Koenigs

Kreis Heinsberg. Hartmut Richter hat eine Mission. Er will dazu beitragen, dass das Unrecht des DDR-Regimes auch über 20 Jahre nach dem Fall der Mauer nicht vergessen wird.

Deshalb arbeitet der ehemalige Fluchthelfer und Häftling der Stasi in der Berliner Gedenkstätte Hohenschönhausen und informiert die Besucher über die Hintergründe einer deutsch-deutschen Beziehung, die droht, in Vergessenheit zu geraten, oder langsam folkloristische Elemente annimmt. Denn „es war kein Spaß, in der DDR zu leben”, hebt er hervor. Deshalb floh er 1966 als junger Mann in den Westen, indem er durch den Treptower Kanal schwamm.

Doch seine eigene Freiheit genügte ihm nicht. Vielmehr begann er, andere DDR-Bürger in den Westen zu schmuggeln, denn „Widerstand gegen das Regime empfand ich als Pflicht”, erinnert er sich und bezeichnet sich als „Überzeugungstäter”. In den Augen der DDR-Oberen war er ein Verbrecher, den es mit allen Mitteln auszuschalten galt.

Auf Einladung des VdK Selfkant kommt Richter seit sieben Jahren auch in den westlichsten Kreis der Bundesrepublik. Bei diesem Besuch standen neben dem Alten Rathaus in Erkelenz wieder einige Schulen auf dem Programm. „Bei den Schülern muss ich weiter ausholen und ihnen viele Zusammenhänge erklären”, weiß er aus Erfahrung. Im Alten Rathaus war auf Einladung der VHS vor allem ein politisch und zeitgeschichtlich interessiertes Publikum gekommen, um Richters Ausführungen über die „stille Diplomatie” zu lauschen, die zwischen den beiden deutschen Staaten herrschte. Ein weiteres Thema im Alten Rathaus war die Infiltration des Westens durch den Osten.

Auch wenn seine Kritik der damaligen westdeutschen Ostpolitik galt, hat er dem Westen seine Freiheit zu verdanken. Fünf Jahre und sieben Monate saß Richter wegen Fluchthilfe im Gefängnis. Verurteilt worden war er zu 15 Jahren, nachdem er 1975 an der Grenze mit seiner Schwester im Fluchtauto verhaftet wurde. 1980 wurde er von der Bundesrepublik freigekauft. Doch mit seiner Rückkehr nach Westberlin war er noch lange nicht aus dem Visier der Stasi verschwunden. Vielmehr wurde ein Lockvogel auf ihn angesetzt, der Richter an die Zonengrenze locken sollte. Dort sollte er erschossen werden. Der Plan misslang und der „Kundschafter des Friedens” landete vor einem westdeutschen Gericht. „Heute lebt er in Hamburg von Hartz IV”, so Richter. So lässt ihn die Geschichte seines Lebens auch nach so vielen Jahren nicht ruhen. Im Gefängnis Bautzen hatte er Privilegien, denn er wurde als Westdeutscher auch konsularisch betreut. Während seiner Haft trat er in einen Hungerstreik, um auf die Isolationshaft und andere menschenunwürdige Themen hinzuweisen.

2007 trat ein Rehabilitierungsgesetz in Kraft, das zu Unrecht verurteilten Strafgefangenen der DDR eine bescheidene Rente zusprach - wenn sie ihre Bedürftigkeit nachweisen konnten. Richter bekommt 250 Euro Rente. „Im Gegensatz zu dem, was die alten Genossen bekommen, ist das ein Witz”, betonte er. Die arbeiteten heute an der verklärenden Legendenbildung zur Realität in der DDR und verharmlosten nach seiner Ansicht nachträglich das Unrecht. Damit es nicht vergessen wird, arbeitet Richter weiter.
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