Kreis Heinsberg - Westermann kriegt auch mit 65 die Kurve

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Westermann kriegt auch mit 65 die Kurve

Von: Anna Petra Thomas
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„Sie haben mir aus der Seele gesprochen“: Viele Zuhörer ließen sich am Ende ihr Buch durch Christine Westermann signieren. Foto: Anna Petra Thomas
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Ihr Wesen und das, was sie zu sagen hat, fasziniert die Menschen. Bei ihrer Lesung aus dem neuen Buch war die Heinsberger Buchhandlung Gollenstede jedenfalls mit 200 Zuschauern bis auf den letzten Platz besetzt. Fotos. Anna Petra Thomas Foto: Anna Petra Thomas

Kreis Heinsberg. Standmikrofon oder Headset? Die Entscheidung ist für Christine Westermann in der kleinen Küche der Buchhandlung Gollenstede schnell gefällt. Sie will ein ganz normales Mikrofon. „Das sieht sonst so aus wie große Show“. Und die will sie gar nicht.

Auch wenn das Ladenlokal nebenan, in dem sie gleich ihr neues Buch vorstellen wird, so voll ist, wie es voller gar nicht sein kann: 200 Stühle haben Reiner Gollenstede und Markus Mesche mit einem Team fleißiger Helfer hier hinein bugsiert, dazu Beleuchtung und Tontechnik.

Am kommenden Montag wird die Journalistin, Moderatorin und Autorin 65 Jahre alt. Da kommt der druckfrische Titel „Da geht noch was - Mit 65 in die Kurve“ genau richtig. Ein ernstes Thema eigentlich, das Älterwerden. Christine Westermann sieht das auch so, und doch versprüht sie alles, was sich für sie darum rankt, mit so viel positiver Sympathie, ja mit Humor. In ihrem neuen Buch hat sie nicht nur aufgeschrieben, was sie macht und sagt, nein auch das, was sie denkt und was sie fühlt. Das macht sie so ehrlich in ihren Ansichten.

Und das spürt ihr Publikum, noch bevor sie angefangen hat zu lesen. Zu früh ist sie hinter Marcus Mesche hergelaufen, so dass er sie gar nicht mehr hereinbitten kann. „Soll ich noch mal rausgehen?“, fragt sie. Nein, sie bleibt, denn das Publikum ist schon bei ihr und applaudiert. „So ist es total bequem für mich“, befindet sie gleich danach im schwarzen Ledersessel und winkt bis weit nach hinten zur Eingangstür. „Sehen Sie mich? Guten Abend Heinsberg!“

Sie freue sich sehr, hier zu sein, erklärt sie. „Das sagt die bestimmt überall, denken Sie. Ja, das sage ich überall. Aber es stimmt nicht überall“. 200 lachende Gäste hat sie damit schon jetzt vollends für sich gewonnen. Seit zwei Wochen erst sei ihr Buch auf dem Markt. „Sie gehören noch zum Premierenpublikum. Köln, Berlin, Heinsberg, das ist doch was!“

Bevor es dann wirklich los geht mit der Lesung, blickt Christina Westermann noch kurz zurück nach Wassenberg, wo sie im Sommer zusammen mit ihrem Zimmer-frei-Partner Götz Alsmann die Goldene Schlemmer-Ente erhielt. Von Stand zu Stand sei es da gegangen, ohne was zu essen, aber immer was zu trinken. „An die Rückfahrt kann ich mich nicht mehr erinnern“, erklärt sie. Das Publikum lacht.

Nun aber zum Buch: Als sie auf die 65 „zugelaufen“ sei, habe sie ein Gefühl der Endlichkeit gespürt, gewusst: „Das Stück, das jetzt kommt, ist kürzer.“ Zweieinhalb, ja fast drei Jahre lägen zwischen Seite 1 und Seite 191. „Wo will ich hin, und wo will das Leben mit mir hin?“, seien die Fragen gewesen, die sie sich gestellt habe, als das Alter mit offenen Armen auf sie zugekommen sei - nicht nur äußerlich. „Eigentlich müsste man einen anderen Begriff finden für Alter“, sagt sie.

Blättern im Buch. „Ich kenn mich in meinem Buch noch nicht ganz so gut aus.“ Wieder ganz offen, ganz ehrlich, wahrhaft. Dann liest sie vom Entstehen des Titelfotos für das Buch, das eigentlich „Umbruch“ heißen sollte. „Nach fünf Stunden haben wir zweihundert Fotos gemacht. Ich sehe eine strahlende, fröhliche Frau, die 65 ist. So richtig nach Umbruch sieht keines der Fotos aus. Wir werden das Buch wohl anders nennen müssen“, heißt es am Ende von Kapitel 21.

Sie liest weiter. Die Geschichten sind ganz unterschiedlich, das Thema gleich: ihre Begegnung mit dem Alter. Da ist der Versuch, in einem Basar in Istanbul zitronengelbe Turnschuhe zu kaufen, zu dem der Verkäufer ihr erklärt: „Frauen in ihrem Alter tragen keine Turnschuhe mehr“. Da ist die Erinnerung an „Oma Mannheim“ mit ihren fleischfarbenen Stützstrümpfen und ihren Schuhen aus der orthopädischen Abteilung oder an die Bochholter Oma mit geblümter Kittelschürze und Hüfthalter.

Früher habe sie gedacht, mit 65 habe sie alles, erzählt Christine Westermann, Buch und Brille auf dem Schoß. „Aber ich habe immer noch kein zwölfteiliges Besteck.“ Sie erzählt von ihrer verfilmten Auszeit in einem Schweigekloster und davon, wie sie es schließlich geschafft hat, sich mit dem Älterwerden anzufreunden. Genau darum dreht sich alles in ihrem Buch. Ein Ratgeber ist es nicht. Nein.

„Sie haben mir aus der Seele gesprochen“, sagt ihr dann beim Signieren eine Zuhörerin. Ja, das ist es. Und doch hat Christine Westermann zum Schluss für alle einen ganz wichtigen Tipp: „Nicht warten, sondern leben! Einfach atmen!“

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