Wer schlug wen? Hallenturnier wird zum Fall für die Polizei

Von: Thorsten Pracht und Holger Bubel
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Beim Hallenturnier des SV Marienberg ist es zu einer Schlägerei gekommen. Symbolbild: Shutterstock

Übach-Palenberg. Erst rollte der Ball, dann flogen die Fäuste. Beim Hallenturnier des SV Marienberg in der Sporthalle des Übach-Palenberger Gymnasiums am vergangenen Samstag wurde das sportliche Geschehen schnell zur Nebensache.

Im Viertelfinale zwischen dem SC Kellersberg II und dem SV 09 Scherpenseel-Grotenrath kam es zu einer Massenkeilerei zwischen Spielern, Trainern und Zuschauern. Traurige Bilanz der Schlägerei: drei Verletzte und fünf Strafanzeigen. So viel steht fest, über den Hergang gibt es allerdings unterschiedliche Ansichten.

„So etwas habe ich noch nicht erlebt“, sagt Horst Spitz. Der Vorsitzende des SV Marienberg berichtet von einem eigentlich gut verlaufenden Hallenturnier. Gerade ist das Einlagespiel der Bambini vorbei, im ersten Viertelfinale stehen sich der C-Ligist SC Kellersberg II und der SV 09 Scherpenseel-Grotenrath gegenüber. Auf der Tribüne sitzen 100 bis 150 Menschen, viele Kinder mit ihren Eltern sind darunter. Plötzlich kippt die friedliche Stimmung: „Nach einem Zweikampf hat ein Kellersberger Spieler seinem Gegenspieler eine Kopfnuss verpasst“, erinnert sich Spitz an den Ursprung des Ungemachs.

Der Regel entsprechend sei der Akteur daraufhin vom Schiedsrichter für den Rest des Turniers ausgeschlossen worden. Den Ausschluss habe der Mann mit einer Attacke auf den Schiedsrichter quittiert, berichtet Spitz. Es bleibt aber nicht beim Duell „Mann gegen Mann“. Auch die übrigen Kellersberger Spieler seien zum Tatort gestürmt, Zuschauer und Marienberger Verantwortliche haben schlichten wollen. „Trainer und Betreuer der Kellersberger waren mitten im Geschehen dabei. Das kann nicht im Sinne des Fairplay-Gedankens sein“, beklagt Horst Spitz.

Als Veranstalter sieht er sich gezwungen, die Polizei zu rufen. Und wo er gerade am Telefon ist, wählt er auch die Nummer des Rettungsdienstes. Ein Spieler des SV Marienberg, dessen Team zu diesem Zeitpunkt gar nicht in Aktion war, muss nach einem Schlag an den Kopf im Krankenhaus behandelt werden, zieht sich eine schwere Prellung zu. Die Polizei meldet zudem zwei weitere Leichtverletzte.

Während auf dem Parkett die Fetzen fliegen, bringen auf der Tribüne Eltern ihre Kinder in Sicherheit und verlassen die Halle. „Das Turnier war praktisch gelaufen. Für uns war das der Genickbruch“, sagt Spitz. Als die Polizei eintrifft, hat sich die Situation weitgehend beruhigt. Der SC Kellersberg wird vom restlichen Turnier ausgeschlossen, die Vernehmung der Spieler durch die Beamten findet vor der Halle statt. Der SV Marienberg stellt sofort Strafanzeige. „Im Moment richten sich die Ermittlungen gegen fünf Spieler“, bestätigt Polizeisprecher Jürgen Heitzer, allesamt von „einem Gastverein“.

Klarer Fall also? Nicht ganz. Der Erste Vorsitzende des SC Kellersberg, Frank Dohmen, war am Samstag nicht selbst in der Halle. Er habe erst am folgenden Tag von den Vorkommnissen erfahren. „Ich kenne bislang nur die Version unserer Spieler. Ich war doch sehr verwundert, was da geschehen sein soll“, sagt Dohmen. „Was ich nicht begreife ist, dass von der Polizei wohl nur die Personalien unserer Spieler aufgenommen wurden. So wie die aber die Vorfälle schildern, sei man über sie hergefallen. Tatsächlich habe ich einen Videoausschnitt gesehen, in dem unser Trainer als Unbeteiligter von hinten von einem Gegner mit dem Ellbogen umgestoßen wird.“

In der Tat existiert auf „Facebook“ eine Video-Sequenz der Schlägerei, allerdings in minderwertiger Qualität. So weit erkennbar, lautet das Motto aber „Jeder gegen Jeden“. Die Bilder dürften bei den weiteren Ermittlungen eine Rolle spielen. Vereinsintern werde es in Kellersberg zunächst keine Schnellschüsse geben, erklärt Dohmen. Der Verein werde Konsequenzen ziehen, „aber erst wenn wir den genauen Sachverhalt kennen“. In Marienberg prüfen sie nun weitere rechtliche Schritte. „Wir werden auf jeden Fall etwas unternehmen“, kündigt Horst Spitz an.

Kurzfristig stand am Samstag der Abbruch des gesamten Turniers zur Diskussion. Die für das Viertelfinale qualifizierten Mannschaften sprachen sich dann jedoch dafür aus, den Wettbewerb im Sinne des Sports fortzusetzen. Nur der FSV Kraudorf-Uetterath entschied sich dafür, die Heimreise anzutreten. Am Ende gewann übrigens der SV 09 Scherpenseel-Grotenrath – aber das war am Samstag nur eine Randnotiz. Haften bleibt, dass einige Heißsporne mal wieder ihre Nerven nicht im Griff hatten.

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