Wenn Jugendliche radikalisiert werden

Von: jwb
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Herbert Busch (r.) und Dr. Günter Arnolds bei der Vorstellung der Arbeit des Fachbereiches Religions- und Weltanschauungsfragen im Geistlichen Zentrum in Heinsberg. Foto: Johannes Bindels

Kreis Heinsberg. Das katholische Beratungszentrum für Ehe-, Familien-, Lebens- und Glaubensfragen in Mönchengladbach ist auch Sitz vom Fachbereich für Religions- und Weltanschauungsfragen des Bistums Aachen. Herbert Busch, Verantwortlicher des Fachbereichs, und Dr. Günter Arnolds, langjähriger ehrenamtlicher Mitarbeiter, haben jetzt Arbeitsschwerpunkte des Fachbereichs vorgestellt und Fallbeispiele für den Kreis Heinsberg präsentiert.

„Eine gute Religion und Weltanschauung fördert die persönliche Entwicklung und die sozialen Fähigkeiten und dient dazu, dem eigenen Leben Ausrichtung und Sinn zu geben“, so die Referenten zu der Frage, wann Religion den Menschen nütze. Sie leite den Menschen an, Verantwortung für die Gemeinschaft zu übernehmen und in Beziehung zu Gott zu treten. Schaden würde eine Religion und Weltanschauung, wenn diese die persönliche Entwicklung verhindere, soziale Fähigkeiten unterdrücke und verlange, dass die Verantwortung für das eigene Leben an andere abgegeben werde. Auch ein strafendes und entmündigendes Gottesbild erzeuge Angst und schade den Menschen.

Mit einem Team aus Diplom-Psychologen, Diplom-Sozialpädagogen, Diplom-Sozialarbeitern, Eheberatern, Diplom-Theologen und Priestern sowie Verwaltungsfachkräften würden im Beratungszentrum interdisziplinäre Hilfen angeboten und Fallberatungen vorgenommen für Menschen, die freiwillig die Beratungsstelle aufsuchten.

Vom Fachbereich für Religions-und Weltanschauungsfragen seien bistumsweit 864 Anfragen im vergangenen Jahr bearbeitet worden. Dabei gab es 80 Fälle mit intensiver Begleitung über einen Zeitraum von bis zu vier Jahren; 18 davon waren im Kreis Heinsberg verortet.

Zur Situation für den Kreis Heinsberg gehörten Fallbeispiele aus dem Bereich des religiösen Extremismus und des Fundamentalismus, rechtsextremistischer Gewalt, esoterischer Anbieter und spiritueller Heilungsangebote. Herbert Busch berichtete von der Radikalisierung und Vereinnahmung eines 16-jährigen Jugendlichen durch die rechtsradikale Szene, aber auch über die Radikalisierung eines 14-jährigen Jugendlichen durch Kontakte zu Salafisten insbesondere über Internetkontakte.

Weitere genannte Beispiele für Interventionen und begleitende Hilfen waren Reaktionen auf esoterische und spirituelle Angebote, die verhindert hätten, dass Ärzte sich um Krankheiten und Psychotherapeuten sich um seelische Verletzungen hätten kümmern können.

Es gehe nicht um Missionierung, betonten die beiden Referenten, es gehe jedoch darum, die Sensibilisierung für Sekten, falsche Heilsbringer und politische wie religiöse Extremisten zu steigern und Hilfsangebote für Betroffene zu machen.

Von der Krisenintervention über Ausstiegsberatung von Angehörigen und direkt Betroffenen bis zur langjährigen fachlichen und interdisziplinären Begleitung reiche das Hilfsangebot. „Wir kümmern uns um die Sorgen, Wünsche und Ausrichtungen der Menschen, die im Mittelpunkt unserer Hilfen stehen“, formulierte Dr. Günter Arnolds einen Grundansatz des katholischen Beratungszentrums. Fehlende Selbstsicherheit und ­Unsicherheit in der Beurteilung schädlicher Angebote aus Religion und Weltanschauung würden zu Abhängigkeiten führen.

Aufklärung in Form von Informationen und Beratungen erhalte, wer mehr über religiöse Gruppen, Psychokulte und esoterische Angebote wissen wolle, mit sogenannten Sekten, problematischen Gruppen oder okkulten Praktiken Kontakt habe oder Hilfe im Umgang mit extremen weltanschaulichen und religiösen Angeboten suche.

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