Kreis Heinsberg - Wenn die Psyche streikt: Ursachen, Folgen und Lösungen

Wenn die Psyche streikt: Ursachen, Folgen und Lösungen

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„Wenn die Psyche streikt”: Das Interesse an dieser Veranstaltung im Saal der Heinsberger Stadthalle war groß. Rund 100 Teilnehmer verzeichnete die AOK-Regionaldirektion.­ Foto: Petra Wolters

Kreis Heinsberg. „Wenn die Psyche streikt”: Unter diesem Titel hatten die AOK und ihr Institut für Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) Unternehmen in die Heinsberger Stadthalle eingeladen.

Der Zeitungsverlag Aachen fungierte als Medienpartner bei dieser Informationsveranstaltung, die von Regionalredakteur Dieter Schuhmachers moderiert wurde. Landrat Stephan Pusch dankte im Grußwort für das Engagement, dieses unter den Nägeln brennende Thema zu erhellen.

Rund 100 Interessenten waren der Einladung gefolgt: Unternehmer und Geschäftsführer, Führungskräfte und Personalleiter, Betriebsräte und Gesundheitsfachkräfte. „Wir wollen Ihnen Ursachen aufzeigen, Folgen verdeutlichen, insbesondere Folgen, wenn Sie nichts unternehmen, und auch schon über erste Lösungsansätze nachdenken”, so AOK-Regionaldirektor Herbert Löscher.

Die Brisanz verdeutlichte Heinz Kowalski, Geschäftsführer des BGF-Instituts, an Statistiken: Die Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund psychischer Erkrankungen schnellte in den vergangenen Jahren nach oben - auch im Kreis Heinsberg von 2006 bis 2010 um 45 Prozent. Die Zahl verordneter Psychopharmaka habe sich in den letzten drei Jahren verdoppelt, was Kowalski als „Wahnsinn” bezeichnete.

Es sei eine Zunahme psychischer Belastungen unter anderem durch Globalisierung, Wettbewerb, Arbeitsverdichtung, Freizeit- und Leistungsdruck oder Arbeitsplatzunsicherheit festzustellen. Kowalski riet Unternehmen, auf psychisch auffällige Mitarbeiter zu reagieren. In einem gesunden Betrieb sei auch Lob von Bedeutung. Für den Einzelnen sei es wichtig, Stressvermeidung, -reduzierung und -bewältigung zu erlernen und im Falle eines Falles zielgerichtete Behandlung auch anzunehmen.

Im Best-Practice-Beispiel nannte Marcel Ballas, Geschäftsführer der Alten- und Pflegeheime St. Josef, als Erfolgsbausteine gegenseitigen Respekt („Hierarchie wird klein geschrieben”) und offene Kommunikation. Die Mitarbeiter könnten Ideen einbringen, Projekte würden realisiert, Krisenintervention werde im Team organisiert. „Information, Dokumentation, Motivation”: Auf diese Formel brachte es Ballas, der einräumte: „Auch bei uns ist nicht alles Gold, was glänzt.” Auch er mache Fehler und lerne dazu.

Bei der Gesundheitsförderung setzt St. Josef auf Arbeitsplatzanalysen, Seminare zu rückenschonendem Arbeiten oder Raucherentwöhnungskurse, aber auch auf Angebote für Mitarbeiter zu Massagen oder zu Besuchen im Fitnessstudio. Ballas betonte Wertschätzung, Kollegialität und die Bedeutung der Ehrenamtler: „Ohne Ehrenamt geht es nicht. Sie sind Teil meines Teams.”

Work-Life-Balance, worunter ein Zustand verstanden wird, bei dem Arbeit und Privatleben miteinander in Einklang stehen, rückte Universitätsprofessor Dr. Dr. Michael Kastner in den Blickpunkt. Nach Ansicht des Arbeitspsychologen fördere zunehmende Dynaxität, womit eine Zunahme von Komplexität und Dynamik in der globalisierten Arbeitswelt gemeint ist, psychosoziale Beeinträchtigungen. Sie führe vermehrt zu psychisch bedingten Ausfällen - bis hin zum Burn Out - oder zu einem „Down-Shifting”, einer bewussten, schonenden Leistungsreduzierung.

„Attraktive Firmen bieten Work-Life-Balance”, riet Kastner den Unternehmen dazu, auch mit Programmen für betriebliches Gesundheitsmanagement für Lebensqualität zu sorgen - nicht zuletzt mit Blick auf die Tatsache, dass qualifiziertes Personal immer knapper werde. „Jeder investierte Euro lohnt sich”, so der Professor.
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