Wenn die Mofas besser frisiert sind als Frauen

Von: anna
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Zunächst aber begrüßte Marc
Zunächst aber begrüßte Marc Breuer gannz schlicht in Jeans und Strickjacke sein Publikum „im großen Lesesaal mitten im Amüsierviertel von Heinsberg”. Foto: Anna-Petra Thomas

Heinsberg. Es war eine Lesung, aber anders als sonst in der Buchhandlung Gollenstede gab es anschließend keine Bücher, die der Autor hätte signieren können. Denn das, was Marc Breuer, hierzulande noch besser bekannt als Feuerwehrmann Josef Jackels aus dem nicht mehr bestehenden Rurtal-Trio, mitgebracht hatte, fand sich allein auf eng beschriebenen, weißen Blättern.

„Comedy-Speziallesung” nannte er das, was er unter dem Motto „Ich glaube, es hackt” den rund 120 Zuhörern präsentierte: eine Mischung aus tatsächlich Vorgelesenem sowie aus freier Erzählung, die noch besser ankam und die Lachmuskeln seiner Gäste zum Teil ganz schön heftig strapazierte. Und zwischendrin, nach der Pause, war sogar kurz noch einmal Josef Jackels zu Besuch.

Zunächst aber begrüßte Breuer ganz schlicht in Jeans und Strickjacke sein Publikum „im großen Lesesaal mitten im Amüsierviertel von Heinsberg”, stehend an einem ebenso schlichten Pult aus Aluminium und Acrylglas. „Ich komme mir vor wie der Bürgermeister”, schmunzelte er. „Aber eigentlich ganz schön.” Er erläuterte, was es mit dem Motto seiner Lesung auf sich hatte. Es hackt komme vom sogenannten Hackwetter, das in der Seefahrt dann vorherrsche, wenn der Besatzung der Regen seitwärts ins Gesicht prassele.

Nach einem ersten Ausflug in die Privatsphäre mit Berichten über Haut- und Zahnarztbesuche forderte er seinen Applaus mit einem „Würd hier gut hinpassen” noch selbst ein. Das war dann im weiteren Verlauf des Abends nicht mehr nötig. Er hatte den Spaß schon auf seiner Seite, als er seine Strickjacke lüftete, darunter ein auffälliges rot-gemustertes Westernhemd zum Vorschein kam und sich Breuer als „Testkäufer für Freizeitmode” vorstellte. „Brüh”, wie schon seit Schulzeiten, werde er übrigens viel lieber genannt, verriet er, weil er in München einen Namensvetter habe, seines Zeichens Dressman und Fotomodell. Er dagegen sei da schon eher ein Sensationsdarsteller, wenn er spät abends aus seiner Heimat Brachelen noch nach Übach-Palenberg reise oder vor 250 beschwipsten Friseurinnen auftrete, die immer nur nach einem Künstler namens „Ausziehn” rufen würden.

Weiter ging die Comedy-Reise nach Köln-Ehrenfeld, der neuen Wahlheimat Breuers, „wo in der Eckkneipe das Bier nicht nach Limette schmeckt, sondern nach einer schlecht gewarteten Zapfanlage.” Herrlich dann die Beschreibung seiner Begegnungen mit Hund Natascha, „so Typ vorbestrafter Rottweiler” oder mit dem Fahrer der Müllabfuhr.

Und wieder zurück in Brachelen mit Breuer in Jugendtagen als DJ beim runden Geburtstag einer Freundin und selbst als Freund „von Rolling Stones, Madonna und Musikverein Brachelen”: Leiser sollte er die Musik spielen, erinnerte er sich und empörte sich zugleich. „Das wäre doch so, als würde man Picasso befehlen, seine Bilder kleiner zu malen.”

Vor der Pause kündigte er den Auftritt von Jackels an: „Wäre schön, wenn ihr ihm ne Chance geben könntet.” Die brauchte der aber gar nicht, denn mit seinem „Liebe Kulturfreunde und denen ihre mitgebrachten Frauen” war sämtliches Eis schon per se dahin geschmolzen. In seiner bekannten Intonation Typ „heiße Kartoffel” stellte er sich als Träger des silbernen Ersatzschlüssels des Feuerwehrschuppens vor, berichtete er aus dem eleganten Uetterath, in dem die Mofas besser frisiert seien als die Hausfrauen, von der Mund-zu-Mund-Beatmung einer Milchkuh oder von seiner Frau Billa beim Schneckenstechen (Nordic Walking). „Man vermisst es ja schon”, erinnerte er sich ein wenig wehmütig an das alte Rurtal-Trio.

Schließlich kehrte er noch einmal zurück nach Köln. Nirgendwo sei es so schön wie in Köln, da seien sich alle Urkölner einig, wusste er zu berichten und zeichnete dann sprachlich eindrucksvoll zwei Bilder, eins von der Hibiskusblüte auf den Malediven und eins von der Sperrmüll-Abholung in Köln-Kalk.

Die Entscheidung überließ er dem herzlich lachenden Publikum. „Ich hatte den Eindruck, dass Sie an eine Zugabe gedacht haben”, erklärte er nach großem Applaus und gab schließlich noch die Erlebnisse mit seinem Klavierlehrer preis, dem Träger eines hautfarbenen Hörgeräts. „Schon toll, wie einem hier der Spiegel vorgehalten wird”, lautete der Kommentar eines Zuschauers, der damit vielen aus der Seele sprach.
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