Wenn der Prinz schnell mal eine Messe liest

Von: Anna Petra Thomas
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„Bernd, die kleine Mütze bit
„Bernd, die kleine Mütze bitte”, sagt Prinz René nach dem Auftritt. Das Zepter kommt in die Hülle von Adjutant Bernd Arntz und zusammen mit der großen Mütze und den Fasanenfedern in den Kofferraum. Foto: Thomas

Heinsberg. „Und unser Herrgott sieht von oben, wie unten Jungfrau, Prinz und Bauer toben.” Unter diesem Motto ist in dieser Session in Heinsberg Pfarrer René Mertens als Prinz René I. angetreten, um spätestens bei der Rathauserstürmung am Karnevalssamstag die Macht in der Stadt endgültig zu übernehmen.

Zusammen mit Bauer Leo (Heinz-Leo Heinrichs) und Jungfrau Henriette (Heinz Wesner) repräsentiert er dabei nicht nur den Heinsberger Karnevalsverein (HKV) anlässlich seines 9x11-jährigen Bestehens, sondern zugleich das Komitee Heinsberger Karneval als Stadtprinz.

Angetreten sei er zum Feiern und Frohsein, nicht zum Beten, hatte er schon in seiner Proklamationsrede verkündet und sich selbst mit einem Clown verglichen. Beide seien sich doch sehr ähnlich, „denn beide haben für gewöhnlich zu tun doch die gleichen Sachen, nämlich Menschen glücklich zu machen”. Er sang Bernd Stelters Lied vom Clown und erntete viel Applaus für sein Fazit: „Drum sage ich auch gern als Pastor, lieber ein Narr sein als ein Tor!”

Ob ihm das gelingen würde, Pfarrer zu sein und zugleich der oberste Narr aller Heinsberger? Bei seiner ersten großen, zweitägigen Tournee durch Säle und Zelte der Region zwischen Mönchengladbach und dem Aachener Land hat ers bewiesen, zwischendrin sogar noch Ornat gegen Priestergewand getauscht und in St. Theresia vom Kinde Jesu in Schafhausen eine Messe gelesen.

Gleich danach gings wieder los zur zweiten Tagestour. „Mit richtig großem Aufgebot heute”, freute sich der Prinz, als er nach der Messe am frühen Morgen zusammen mit Adjutant Bernd Arntz ins Stammlokal rauschte. Ein kurzer Gruß an die Kirchgänger von St. Gangolf und weiter zum Garde- und Prinzentreffen der Ehrengarde der Stadt Baesweiler im pädagogischen Zentrum des Gymnasiums, begleitet von Spielmannszug „Grün-Weiß” Kirchhoven, Elferrat, Tanzmariechen und Garden in zwei vollen Bussen.

„Bei uns wird Karneval in allen Sparten gefeiert, auch bei der Geistlichkeit. Unser Prinz ist Pfarrer”, stellte Sitzungspräsident Kalle Mohnen den Prinzen stolz dem Publikum vor. Und der machte seinem Amt dann alle Ehre, sogar ein Bützchen für die Jungfrau der Gastgesellschaft ließ er sich nicht nehmen. „Das gehört dazu”, so der Prinz. „Das ist auch ein Ausdruck von Freude und von Herzlichkeit.” Freude machte ihm und dem Publikum auch die Prinzengarde, die in diesem Jahr ganz passend zum „Halleluja” von Brings tanzt.

Beim Biwak des Geilenkirchener Karnevalsvereins (GKV) in der Luna Lounge begrüßte der Prinz die Gäste ebenso wie später beim Proklamationsfrühschoppen des KV La Strada Olé in Straeten sogar in Platt. GKV-Präsident Franz-Michael Jansen war begeistert: „Wenn der immer so predigen würde, mein Gott!”

Ganz besonders freute sich Prinz René dann auf den Auftritt in Straeten, gehört dieser Ort doch zur GdG Heinsberg-Waldfeucht, in der er als Pfarrer aktiv ist und ist er doch seiner Heimat Stahe auch ganz nah. „Ich bin zu euch gekommen, um diese schönen Stunden mit euch zu feiern und euch Freude zu schenken, damit das Brauchtum noch möglichst lang aufrecht erhalten werden kann”, erklärte er und erntete dafür viel Beifall.

Genau dieser Punkt ist Mertens in seiner Funktion ganz wichtig: die Pflege des Brauchtums und der Erhalt von Werten. Im Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften engagiert er sich dafür ebenfalls, derzeit als Präses des Diözesanverbands Aachen. „Ich finde beides gleich schön und gleich wichtig”, sagt er. „Es geht darum, in der Gemeinschaft die Werte weiterzutragen, die wichtig sind.” Und was ist der besondere Wert des Karnevals? „Anderen Menschen Freude zu machen, das ist ein ganz hoher Wert!”, ist Prinz René I. überzeugt.

Deshalb musste er sich auch gar nicht erst bitten lassen, Prinz der Heinsberger Narren zu werden. Er habe gesehen, dass hier im Jubiläumsjahr „Not am Mann” gewesen sei, „und da lässt man den Verein nicht hängen”. Neuland betrat er mit seinem Wunsch, Prinz zu werden, übrigens ganz und gar nicht. Im Karneval sei er bereits „seit Kindertagen dabei”, berichtet die aktuelle Narrenzeitung des HKV über ihn. Derzeit ist er Mitglied in gleich mehreren Kölner Gesellschaften. Ganz besonders am Herzen liegt ihm jedoch der KC „Stöher Sankhasen” in seiner Heimat Stahe. Karnevalistische Bande pflegt er zudem nach Kaldenkirchen, wo er als Kaplan tätig war. In Heinsberg ist er derzeit Senator im HKV und im Schafhausener Karnevalsverein (SKV), darüber hinaus Ehrensenator des Komitees Heinsberger Karneval.

Worauf er sich selbst noch ganz besonders freut? „Auf die Herzlichkeit, mit der wir derzeit überall empfangen werden.” Viele sicherlich ganz herzliche Empfänge stehen ihm bis Aschermittwoch noch bevor und einige ganz besondere Termine, etwa der Besuch im närrischen Landtag, die heilige Messe der Freude in St. Gangolf am 12. Februar, die Rathauserstürmung am Karnevalssamstag oder der große Karnevalszug durch die Innenstadt am Tulpensonntag.
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