Wenn Bollywood auf Karneval trifft

Von: Sonja Essers
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Bunt geschmückt ist das Haus von Jaskaran, Mohinder, Jessica und Manjit Singh (von links). Foto: Sonja Essers
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Auf der Bühne sind die Prinzenpaare der KG „Würmer Wenk“ natürlich kostümiert und begeistern die Jecken. Foto: Josef Lohmann

Geilenkirchen/Brachelen. Wer in diesen Tagen auf der Hauptstraße in Brachelen unterwegs ist, der wird ein Haus ganz bestimmt nicht übersehen: das von Familie Singh. Der Gartenzaun ist mit rot-weißen Narrenkappen geschmückt, vor dem weiß verklinkerten Haus sind zwei rot-weiße Wachhäuser aufgebaut. Kein Wunder: Schließlich wohnt hier eine besonders blaublütige Familie.

Mohinder und Manjit Singh sind das diesjährige Prinzenpaar der Karnevalsgesellschaft „Würmer Wenk“. Und damit nicht genug. Ihre Kinder Jaskaran und Jessica ziehen als Kinderprinzenpaar der KG durch die Säle. Eine ganze Familie ist mit dem Karnevalsvirus infiziert und steckt damit nicht nur die eigene Gesellschaft an, sondern sorgt auch außerhalb des Kreises Heinsberg für viel Aufsehen.

Nicht alle Akteure begeistert

Die Idee, einmal Karnevalsprinz zu werden, trägt Mohinder Singh bereits seit zehn Jahren mit sich rum. In seinem indischen Restaurant hielt die KG „Würmer Wenk“ regelmäßig ihre Versammlungen ab. „Ich habe ihnen gesagt, dass ich auch mal Prinz werden möchte, aber sie haben mir nur geantwortet, dass meine Zeit noch kommen wird“, sagt der Familienvater rückblickend. Im Mai des vergangenen Jahres war es dann soweit. Der Vorstand der Gesellschaft bat Mohinder Singh um ein Gespräch. Dieser wiederum dachte, es ginge dabei um Werbung für das Vereinsheft. Fehlanzeige!

Die Verantwortlichen fragten Mohinder Singh, ob er und seine Frau Manjit nicht das nächste Prinzenpaar werden wollten. Während Mohinder Singh sofort Feuer und Flamme war, zeigte sich seine Frau nicht begeistert. „Sie kannte den Karneval fast gar nicht, aber ich habe ihr gesagt, dass das für uns ein einmaliges Erlebnis sein wird und da hat sie eingewilligt“, sagt Mohinder Singh.

Was der 55-Jährige zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnte: Auch seine Kinder sollten noch eine wichtige Rolle übernehmen. Beim nächsten Gespräch mit dem Vereinsvorstand fragten die Verantwortlichen Mohinder Singh, ob sein Nachwuchs sich vorstellen könnte, als Kinderprinzenpaar durch die Säle zu ziehen. Lange nachdenken mussten die 13-jährige Jessica und der 14-jährige Jaskaran nicht. „Nun ist unsere komplette Familie im Karnevalsrausch“, sagt Mohinder Singh.

Nach der ersten Euphorie ging es an die Planung. Kostüme mussten her und für Mohinder und Majit Singh stand schnell fest, dass sie in traditionellen indischen Gewändern durch die Session ziehen werden. Natürlich wurde dieser Vorschlag auch von den Mitgliedern des „Würmer Wenk“ unterstützt. In Indien wurden die Kostüme angefertigt. Das rief schnell die dort ansässige Familie auf den Plan. „Meine Mutter hat mich angerufen und gefragt, ob ich nochmal heiraten würde, weil ich die Kostüme bestellt habe. Ich habe ihr dann erklärt, dass wir Prinzenpaar werden“, sagt Mohinder Singh.

Eine Aufgabe, die sich im Nachhinein als gar nicht so einfach herausstellte. „Wie sollte ich meiner Mutter erklären, was Karneval ist? Das kennt sie ja gar nicht“, sagt Singh. Mittlerweile hat er allerdings eine Lösung gefunden. Regelmäßig erhalten die Verwandten Bilder und Videos vom bunten Treiben. „Jetzt wissen sie, was hier los ist“, sagt Mohinder Singh und lacht.

Mit ihren Gewändern sorgen die Singhs fast überall für Aufsehen und müssen für Fotos posieren. „Besonders gut kommen meine spitzen Schuhe an“, sagt Mohinder Singh und fügt schnell hinzu: „Aber die sind so unbequem. Da hat man abends richtige Plattfüße.“

In ihrer KG fühlt sich die Familie pudelwohl. „Das ist ein toller Verein. Dort halten alle zusammen“, sagt Mohinder Singh. Und auch von anderen Vereinen werde man stets herzlich empfangen. „Es ist schön, dass wir nirgendwo fremd sind. Wir haben viele neue Freunde gewonnen.“

Seine Verbundenheit zu den Prinzenpaaren drückt der Verein nicht nur durch das Schmücken des Hauses aus, sondern auch musikalisch. So nahm das Fanfarenkorps in dieser Session den Karnevalsklassiker der Bläck Fööss „Unsere Stammbaum“ in sein Programm auf. Das zweite karnevalistische Lieblingslied der Familie hinter dem Titel „Pizza wunderbar“ von der Formation Höhner.

Besonders freuen sich die Singhs natürlich auf den karnevalistischen Höhepunkt der Session: den Rosenmontagszug. „Normalerweise stehen wir immer am Rand und jetzt stehen wir selbst auf dem Wagen“, sagen Jaskaran und Jessica.

Bis dahin haben sie noch einen straffen Terminplan vor sich. Und im kommenden Jahr?

Da soll natürlich fleißig gefeiert werden. Sogar Mutter Manjit ist zum Karnevalsfan geworden und auf die Frage, ob sie nun jedes Jahr die jecke Jahreszeit feiern möchte, sagt sie laut und deutlich: „Na klar!“

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