Weltgästeführertag: Führung durch eine Zeit der Veränderung

Von: Anna Petra Thomas
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Über mehr als 100 Besucher freute sich Therese Wasch bei ihrer Führung in Wassenberg, die sie anlässlich des Weltgästeführertages durchführte. Foto: Anna Petra Thomas
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Mit dem roten, auf dem Altar aufgestellten Buch präsentierte Therese Wasch (links) ihren Zuhörern in der Christuskirche auch die von Johann Campanus verfasste „Restitution“. Foto: Anna Petra Thomas

Kreis Heinsberg. „Wer hätte das gedacht, dass die ehemalige Synagoge noch einmal so viele Besucher haben würde.“ Therese Wasch, Gästeführerin des Vereins Westblicke, freute sich sehr über mehr als 100 Zuhörer, die ihrer Einladung anlässlich des Weltgästeführertages nach Wassenberg gefolgt waren.

„Reform – Zeit der Veränderung“ hieß das Motto des Tages in diesem Jahr. Therese Wasch hatte es ergänzt mit dem Untertitel „Wassenberg und die Prädikanten“.

Kirche im Innenhof

Von der Stelle aus, wo sich einst die Synagoge befand, konnten die Gäste einen Blick erhaschen auf die evangelische Hofkirche, wo Therese Wasch anschließend ihren eigentlichen Vortrag halten sollte. Zunächst jedoch versorgte sie die Besucher mit ein paar historischen Daten zur Kirche. Demnach wurde die Kirche erstmals als Predigthaus in einem Pachtvertrag von 1652 erwähnt. Die heutige Kirche soll ehemals die Scheune eines Bauernhofs gewesen sein. Sie liegt, bedingt durch die im 17. Jahrhundert gültigen Vorschriften des Westfälischen Friedens, von der Straße aus nicht sichtbar an einem Innenhof, daher auch der Name Hofkirche. 1773 wurde auf dem Gebäude der Dachreiter errichtet. Die kleine Glocke, die aus einem niederländischen Kloster stammt, wurde ab 1786 geläutet.

Nach einer Einführung zu Martin Luther (1483-1546) und seinem Wirken in seiner Zeit blickte Therese Wasch bei ihrem Vortrag in der Kirche in die Region. „Bei uns im Rheinland nahmen zuerst nicht viele Menschen die neue Konfession an, erklärte sie. Viele religiöse Flüchtlinge seien jedoch vor allem aus den nahen Niederlanden ins Rheinland gekommen, „und so wuchsen auch hier nach und nach protestantische Gemeinden“. Allerdings seien auch immer wieder Menschen wegen ihrer reformatorischen Ideen ausgegrenzt, verfolgt oder sogar getötet worden.

In Wassenberg habe der auf der Burg lebende Drost Werner von Palant (um 1480-1557) immer wieder die Prädikanten genannten Prediger unter seinen Schutz gestellt. Anfangs hätten sie sich in erster Linie auf Luther berufen, unter dem Einfluss von Heinrich Roll aber dann vermehrt die Ansichten des in der Schweiz aktiven Huldrych Zwingli vertreten. Eine Gruppe mit einheitlicher Theologie seien die Wassenberger Prädikanten nicht gewesen. „Geeint waren sie nur durch die Überzeugung, dass es einer neuen Lehre, einer neuen Kirche bedürfe“, so Therese Wasch. Die Gedanken Luthers und Zwinglis hätten sie weitaus radikaler verfolgt, was ihnen den Vorwurf eingebracht habe, Ketzer zu sein.

Nach Einführung der neuen Kirchenordnung von 1532 und der anschließenden Jülicher Kirchenvisitation seien sie gar für vogelfrei erklärt worden und die meisten von ihnen nach Münster geflüchtet. Alle seien als Märtyrer gestorben.

Antitrinitarier Campanus

Johann Campanus habe nicht dazu gehört. Um 1500 im belgischen Maaseik geboren, habe er in Köln und Wittenberg studiert und sei dann Pfarrer im niederländischen Roermond gewesen. Vermutlich 1521 sei er zum ersten Mal auf Einladung von Werner von Palant auf die Burg Wassenberg gekommen. Campanus habe als Einzelgänger gegolten mit eigener theologischer Ansicht. Als sogenannter Antitrinitarier habe Campanus vor allem die Lehre von der Dreifaltigkeit bekämpft und sich damit Luther zum Gegner gemacht, so Therese Wasch.

In Wassenberg soll er bis 1532 sein 160 Seiten umfassendes Werk mit dem Titel „Restitution“ geschrieben haben, was „Wiederherstellung“ heißt. Der Heimatverein sei derzeit dabei, das Buch in die Sprache unserer Zeit zu übersetzen, erklärte Therese Wasch. Campanus müsse ein guter Prediger gewesen sein, denn früher habe es über ein guten Redner geheißen: „Deä kallt so vöäl wie Campan.“ 1553 sei Campanus verhaftet und nach Kleve gebracht worden. Nach 20 Jahren Kerkerhaft sei er 1574 gestorben. Ein Bild gebe es nicht von ihm, aber die Evangelische Kirchengemeinde nenne ihr Gemeindehaus seit 1996 „Campanus-Haus“.

„Unsere Geschichte berichtet davon, dass man die Ketzer, die Hexen und die Juden verbrannt hat“, schloss Therese Wasch ihren Vortrag. „Können wir sicher sein, dass Ähnliches nicht wieder möglich wird? Lassen Sie uns wachsam sein!“

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