Weihnachtsoratorium: Die Strahlkraft der Bachschen Töne

Von: hl
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Erkelenz. „Jauchzet, frohlocket! Auf, preiset die Tage! Rühmet, was heute der Höchste getan!” Auch mehr als 270 Jahre nach ihrer Erstaufführung haben diese Eingangsworte aus dem Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach nichts von ihrer Strahlkraft eingebüßt, wie in der Stadthalle eindrucksvoll bestätigt wurde.

Das Weihnachtsoratorium ist kein von Bach seinerzeit eigens komponiertes Werk. Vielmehr griff der Kantor des Leipziger Thomanerchors auf bereits vorhandene Musik zurück, die zum Teil auch weltlichen Charakter hatte und mit neuen Texten versehen nun die Geburt Jesu und die darum erzählten Ereignisse thematisierte.

Von den an sich sechs Teilen des Oratoriums waren die ersten drei zu hören: „Jauchzet, frohlocket”, „Und es waren Hirten in derselben Gegend” und „Herrscher des Himmels”. Um die Erzählung aus dem Lukas-Evangelium herum wurde in Arien, Rezitativen und Chören das an sich unerhörte Ereignis gläubig und theologisch gewissermaßen umkreist, nämlich dass Gott Mensch geworden ist.

Wurde in früheren Zeiten dieses Oratorium liturgisch korrekt zu den entsprechenden Festen des Weihnachtsfestkreises aufgeführt, so ging diese Bedeutung im Laufe der Zeit allmählich verloren. Heutzutage ist es meist in der Adventszeit zu hören. Der Konzertsaal als Kirche? Oder der Konzertsaal anstatt Kirche?

Jedenfalls brachte der Eröffnungschor mit seinen Pauken und Trompeten, den jubilierenden Flöten und Geigen schon eine weihnachtliche Stimmung in den Saal, die bis zum Schluss erhalten blieb, wenn der fromme protestantischen Komponist in der damals üblichen Sprache darum bittet, dass das „Lallen” dem Herrn gefallen haben möge.

Sowieso war der eine oder andere Text für den modernen Zuhörer etwas gewöhnungsbedürftig, wenn zum Beispiel der Alt, der im Weihnachtsoratorium traditionell Maria verkörpert als Urbild des Glaubens, nicht nur als Mutter Jesu auftritt, sondern auch ihren Sohn als „mein liebster Bräutigam” anspricht.

Als einziges Instrumentalstück leitet eine Sinfonia (Hirtenmusik) den zweiten Teil des Oratoriums ein. Hier zeigt sich auch besonders die Meisterschaft des jungen Orchesters, wenn sich auf den Feldern von Bethlehem die Instrumente im Wechselgesang als Hirten und Engel zum Lobe des neugeborenen Kindes vereinen. Da schienen sich sogar die Schafe mitzufreuen.

Das Weihnachtsoratorium war eine Veranstaltung der Kultur GmbH der Stadt Erkelenz in Kooperation mit dem Cornelius-Burgh-Chor des Heimatvereins der Erkelenzer Lande. Und die Mitwirkenden waren eben der Chor, der unter Leitung seines Dirigenten Professor Brendt auf dieses Konzert bestens vorbereitet worden war, und Solisten und Orchester der Karol-Lipinski-Musikakademie Breslau unter deren Leiter Professor Urbanek, der auch die Gesamtleitung hatte und von Anfang bis Ende die große Spannung und Dichte der Bach´schen Musik aufrecht zu erhalten verstand. Nur dem einen oder anderen Solisten hätte man etwas mehr stimmliche und musikalische Präsenz gewünscht.

Mancher Zuhörer war etwas unglücklich darüber, dass das vorweihnachtliche Halbdunkeln im größten Teil der Stadthalle ihn daran hinderte, die Texte im Programmheft mitzuverfolgen. Denn bei Bach ist nicht nur die geniale Musik wichtig, sondern deren Begleitung und Ergänzung in den Texten. Aber diese kleinen Mängel schränkten nicht die Gesamtleistung ein, die das Publikum mit lang anhaltendem Beifall honorierte. Und so gab es dann als Zugabe noch einmal die Eingangsmusik „Jauchzet, frohlocket”; diesmal vielleicht noch strahlender als zu Beginn, war doch die Anspannung vor dem Konzert der Erleichterung für das Gelingen gewichen.

Übrigens hatte der Chor vor dem Konzert zu Ehren der polnischen Gäste deren Nationalhymne gesungen.
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