Wege aus dem Teufelskreis

Von: hewi
Letzte Aktualisierung:
hück-suchtforum-bu
Beim fünften Hückelhovener Suchtforum begrüßte Diplom-Psychologin Marlies Trapp (r.) als Leiterin der Beratungsstelle für Alkohol-, Medikamenten- und Drogenfragen besonders die beiden Referentinnen Helga Mattheß (l.) und Sybille Teunißen. Foto: Koenigs

Hückelhoven. Das fünfte Hückelhovener Suchtforum beschäftigte sich mit Wegen aus dem Teufelskreis Trauma und Suchtverhalten.

Denn oftmals liegen einem Alkohol- oder Drogenmissbrauch traumatische Erlebnisse zugrunde. Ein Zusammenhang, der langsam in den Fokus der Betrachtungen rückt.

Nach neuesten Schätzungen wird davon ausgegangen, dass rund ein Drittel der Drogenpatienten und rund jeder sechste Alkoholpatient an posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) leiden. Der Anteil der Frauen ist dabei besonders hoch. „Das sind wahre Drehtürpatienten”, wie Marlies Trapp, die Leiterin der Beratungsstelle Hückelhoven betonte. Kaum aus der Kur entlassen, greifen sie oftmals wieder zu den Rauschmitteln, denn sie sehen oftmals keine andere Möglichkeit, mit dem Leben klar zu kommen.

„Für die Patienten ist das Rauschmittel eine Art Selbstmedikation”, so Trapp. Daher müsse die Suchttherapie einher gehen mit einer Traumabehandlung. Diese werde jedoch oftmals erst begonnen, wenn der Patient gesundheitlich stabil ist, also keine Rauschmittel mehr konsumiert. Dies bedeutet: monatelang „clean” zu sein bei gleichzeitiger Gefahr, dass PTBS einen Rückfall hervorrufen könne, was wiederum den Beginn der Traumatherapie in weite Ferne rücken ließe.

Die Fachreferentinnen Helga Mattheß und Sybille Teunißen klärten in ihren Vorträgen über die Grundlagen und praktischen Aspekte dieses Themas.

Eingeladen hatte die Beratungsstelle für Alkohol-, Medikamenten- und Drogenfragen Hückelhoven.

Die Beratungsstelle steht in der Trägerschaft des Caritasverbandes für die Region Heinsberg. Zum Suchtforum hatte der Caritasverband in Kooperation mit dem Diakonischen Werk des Kirchenkreises Jülich in das evangelische Gemeindezentrum an der Haagstraße eingeladen.

Helga Mattheß ist Fachärztin für psychosomatische Medizin und Psychotherapie in Duisburg. Sie betonte, dass man vor allem Zeit bräuchte, um sich dem Thema anzunähern und die innere Haltung des Patienten zum Erlebten dauerhaft zu ändern. Viele der Patienten wüssten nicht einmal von den traumatischen Erlebnissen, die oftmals in früher Kindheit stattgefunden hätten. „Eine Traumatisierung ist ein Risikofaktor für eine spätere Suchterkrankung”, erklärte sie. So werde Suchtverhalten oftmals als Bewältigungsversuch eingesetzt.

Ihre Kollegin Sybille Theunißen aus Bad Sassendorf berichtete über konkrete Schritte der Arbeit mit traumatisierten Suchtpatienten. Die Institutsleiterin des Psychotraumatology Institute betonte, dass viele der Patienten nicht über ihre Erlebnisse sprechen wollten, „weil sie das ihren Therapeuten nicht antun” wollten.

Zu schrecklich seien oftmals die Erlebnisse, die sie jahrelang durch Rauschmittel zu verdrängen gesucht haben. Diese Erinnerungen hätten aber Muster und Netzwerke im Gehirn geschaffen, die es zu brechen gelte. Auf das Trauma an sich müsse eingegangen werden, ebenso auf die bisherigen Bewältigungsstrategien, die durch neue ersetzt werden müssten. Nur so könne der „Teufelskreis der Drehtürpatienten” durchbrochen und ihr Leben dauerhaft stabilisiert werden.

Mit rund 130 Teilnehmern hatte sich die Teilnehmerzahl gegenüber den Vorjahren nahezu verdoppelt.

Sie wertete dies als Zeichen dafür, dass das Thema „Trauma und Sucht” bei den Kollegen vor Ort angekommen sei.

Die Beratungsstelle für Alkohol-, Medikamenten- und Drogenfragen ist unter 02433/86238 oder per Mail an drogenberatung@caritas-heinsberg.de zu erreichen.

Die Beratungsgespräche finden in den Räumen an der Parkhofstraße 93a dienstags von 16 bis 19 Uhr sowie donnerstags von 9 bis 12Uhr statt.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert