Wasserschutz: Grüner tritt ein für „ambitionierte Düngeverordnung“

Von: jwb
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Hans Christian Markert, umweltpolitischer Sprecher der Grünen Landtagsfraktion, sprach in Heinsberg über Wasser.

Kreis Heinsberg. „Wasser ist unsere Zukunft“ lautete das Thema von von Hans Christian Markert, Jurist und Landtagsabgeordneter, als Gastredner bei der Kreismitgliederversammlung von Bündnis 90 / Die Grünen im Heinsberger Hotel Corsten. Er ist Sprecher für Umwelt-, Verbraucher- und Anti-Atompolitik der Landtagsfraktion der Grünen.

Mit ihm hatte der Kreisvorstand um Regina Schaaf und Christoph Stolzenberger einen Referenten eingeladen, der zu den Ursachen der Wasserbelastungen und deren Folgen für die Zukunft Stellung nahm. Ein Schwerpunkt betraf auch das Thema „Gülletourismus“ und die möglichen Folgen der dadurch bedingten Nitratüberbelastung des Grundwassers.

„Ohne Wasser kann der Mensch nicht überleben. Und nur 2,5 Prozent des globalen Wassers sind süß“, verwies Markert auf die knappe Ressource Trinkwasser. Umso wichtiger sei die Verantwortung für den Umgang damit.

Die Gefährdungen für das Wasser nähmen zu. Gefährdungsursachen seien – neben der Verschwendung durch westliche Lebensweisen – die Nährstoffeinträge durch die intensiv-industrielle Landwirtschaft, chemische Rückstände und Gifte von Pflanzenschutzmitteln, Mikroplastikeinträge in Kosmetika, Zahnpasta und Duschgels und Medikamenteneinträge ins Abwasser oder ins Grundwasser.

Als Beispiele für die Verschwendung benannte Markert Konsumprodukte, für deren Herstellung enorme Mengen Wasser benötigt würden. Für die Herstellung von Kunstschnee fielen pro Hektar 1000 Kubikmeter Wasser an, dies entspreche dem Jahresverbrauch von 20 Personen. Für die gesamte Jahresproduktion an Kunstschnee werde die Wassermenge des Bodensees benötigt.

Eine enorme Belastung des Grundwassers erfolge über die Nährstoffeinbringung mit Nitrat in Form von Gülle durch die industrielle Landwirtschaft. Das gelte auch für den Kreis Heinsberg.

Seit mehr als 20 Jahren sei die Belastung durch Nitrat in Nordrhein-Westfalen nicht mehr gesunken. Auf einen Bericht des Agrarfachmagazins „top agrar“ verweisend, stellte er fest, dass alleine im Jahr 2009 zwei Millionen Tonnen Gülle aus den Niederlanden nach Deutschland verbracht worden seien. Aktuell seien es noch immer 1,4 Millionen Tonnen. 80 Prozent dieses niederländischen Gülle-Exports würden nach NRW gebracht – auch weil Gülle noch immer als Wirtschaftsgut eingestuft werde, anstatt es als Abfallprodukt zu deklarieren, für dessen Entsorgung oder Weiterverwertung die Kosten durch den Verursacher zu übernehmen seien.

Um Nachhaltigkeit beim Schutz des Grundwassers zu erreichen, forderte Markert eine „ambitionierte Düngeverordnung“. Die bestehe unter anderem aus der stärkeren Kontrolle der Einhaltung der jahreszeitlichen Ausbringung der Gülle und einer unabhängigen ständigen Bodenanalyse. Ebenso gehöre dazu eine Stickstoff/Gülle- Abgabe. Die Einbeziehung der Landwirtschaft beim Wasserentnahmeentgelt dürfe nicht länger ein Tabu bleiben. Insgesamt sei mehr in geschlossenen Kreislaufsystemen zu denken. Dies betreffe die Medikamentenrückstände und Einleitungen von Krankenhäusern in die Abwässer.

So gelängen laut einem Monitoring in NRW circa 600 Tonnen Antibiotika pro Jahr aus diesem Bereich und nochmals 1600 Tonnen aus der Tiermedizin in die Oberflächengewässer, da sie durch die bisherigen öffentlichen Kläranlagen nicht gefiltert würden. Mikroplastikrückstände in den Hygienemittel wie Shampoo, Duschgels oder Zahnpasten würden ebenso eine Belastung darstellen.

Eine Lösung zur Entlastung des Wassers durch Ausfilterung dieser Rückstände gelänge nur dadurch, dass in allen Kläranlagen die vierte Klärstufe mit Ozonfilter- und Aktivkohlefilteranlagen installiert würden. Für NRW bedeute dies mindestens Investitionen von 1,4 Milliarden Euro. „Wasser ist ein Gemeingut – kein Privatgut“. Ihm gehöre mindestens die gleiche politische Aufmerksamkeit wie dem Thema Energie.

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