Wassenberger baut die größten Passivhäuser der Welt

Von: Anna Petra Thomas
Letzte Aktualisierung:
10546469.jpg
So soll es am Ende einmal aussehen, das von Ludwig Rongen geplante „Technical Experience Center“ in Qingdao in China, dessen Baukosten sich auf rund 35 Millionen Euro belaufen werden. Foto: Anna Petra Thomas
10546495.jpg
Große Pläne im wahrsten Sinne des Wortes: Ludwig Rongen und sein chinesischer Kollege Li Junthao.
10546484.jpg
Ludwig Rongen (links) gehörte zur Delegation von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (rechts). Gemeinsam flogen sie nach China.

Wassenberg. Der Begriff Passivhaus ist mittlerweile eigentlich zu klein, um all das zu beschreiben, was der Wassenberger Architekt Ludwig Rongen nicht mehr nur in Deutschland an Plänen für Gebäude umsetzt, die dem Standard eines Passivhauses entsprechen.

Auch große Bauprojekte in China realisiert er derzeit so, dass sie dank guter Wärmedämmung ohne klassische Gebäudeheizung auskommen können. Dabei, so sagt er, sei auch der wohl größte Passivhaus-Bau der Welt. Im Kreis Heinsberg trägt die evangelische Christuskirche die Handschrift Rongens, als weltweit erstes Gotteshaus, das im Bestand in ein Passivhaus verwandelt wurde.

Das hat in diesem Frühjahr bereits NRW-Umweltminister Johannes Remmel besichtigt. Mit Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel hat sich Rongen jetzt auf den Weg nach China gemacht. Dort ist er nicht nur an mehreren Universitäten gern gesehener Dozent, sondern zugleich auch Planer großer energieeffizienter Bauprojekte.

So entsteht zum Beispiel in Harbin im Norden Chinas gerade eine von Rongen geplante Fabrik für Holzfenster, die wiederum in Passivhäusern Verwendung finden. Da diene es der „Imagepflege“, dass auch die Fabrik selbst Passivhaus-Standard habe, sagt Rongen zu dem Projekt mit einer Investi- tionssumme von rund 40 Millionen Euro. Damit ist diese Fabrik seinen Aussagen zufolge der derzeit weltweit größte Passivhaus-Bau. Er hat eine Fläche von 55.000 Quadratmetern, das dazugehörige Bürogebäude noch einmal 5000 Quadratmeter.

Mindestens alle zwei Monate fliegt Rongen derzeit nach China. Zusammen mit zwei Kollegen aus Bozen und aus München hat er in Qingdao im Osten des Landes sogar ein eigenes Büro. Überwacht werden die Arbeiten in Harbin aber täglich auch von Wassenberg, dank Kameras auf der Baustelle. Mit Li Junthao ist hier ein chinesischer Architekt im Team Rongen aktiv.

Ein junger chinesischer Architekt war es auch, der Rongen Anfang des Jahrtausends die ersten Kontakte in sein Heimatland ermöglichte. Auf Vermittlung des NRW-Bauministeriums war dieser nicht nur ein Jahr lang im Wassenberger Büro von Rongen tätig, sondern lebte auch in seiner Familie. „Er ist heute ein bekannter Architekt in China in einem Büro mit 400 Mitarbeitern“, so Rongen.

Beteiligt ist der Wassenberger aber auch noch an einem weiteren großen Projekt in China. So entsteht in Qingdao derzeit mit einer Fläche von 15.000 Quadratmetern das „Technical Experience Center“, natürlich auch als Passivhaus. „Das ist ein Multifunktionsgebäude, und da kann man sogar zur Probe wohnen“, erklärt Rongen. Dieses Gebäude, dessen Baukosten sich auf rund 35 Millionen Euro belaufen, soll nicht nur durch seine Energieeffizienz, sondern auch durch sein Aussehen bestechen. So hat Rongen es in seiner Planung einem großen Findling nachempfunden, wie sie in dieser Region zuhauf zu finden seien.

„Dieses Bauwerk hat eine hohe ästhetische Qualität“, erklärt Rongen und verhehlt nicht seinen großen Wunsch, dass es vielleicht in Zukunft eines der Postkartenmotive aus Qingdao werden möge. In der Tat ist die Ansicht dieses Gebäudes eindrucksvoll, mehr noch, wenn man erfährt, dass die in vielen unterschiedlichen Rundungen gebogenen Glasbrüstungen aufgesprühte Photovoltaik-Technik tragen. Im September werde Bundeskanzlerin Angela Merkel Qingdao besuchen, und er sei sehr zuversichtlich, dass sie auch diese Baustelle besichtigen werde.

„Dann ist der Rohbau fertig“, sagt Rongen. Bei all dem wundert es nicht, das Rongen nicht nur zu den großen Passivhaus-Planern in Europa gehört, sondern in China derzeit auf der Liste der Top Ten bei den Architekten im Land geführt wird, „ziemlich weit oben“, gesteht er.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert