Warnung vor dramatischem Wandel in der Bestattungskultur

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Kreis Heinsberg. „Das war nur ein kleiner Einblick, um zu zeigen, dass jeden von uns das Thema eine ganze Menge angeht.” Dies war das Fazit von Dr. Kerstin Gernig am Ende ihres Vortrags „Bestattungskultur - was geht mich das an?”.

Das Referat der Geschäftsführerin des Kuratoriums Deutsche Bestattungskultur bildete den Impuls einer Informationsveranstaltung „Bestattungskultur im Wandel” des Runden Tisches Trauer im Kreis Heinsberg im evangelischen Gemeindezentrum Hückelhoven.

Bärbel Windelen, Gemeindesozialarbeiterin des Caritasverbandes für die Region Heinsberg und Leiterin des Runden Tisches Trauer, hatte bereits eingangs betont, dass Trauerarbeit auch viel Bestattungskultur zu tun habe, vor allem da diese in den vergangenen Jahre ihr Gesicht gewandelt habe.

Dr. Kerstin Gernig sprach gar von einem „dramatischen Wandel der Bestattungskultur”. Dies sah sie anhand vieler Veränderungen belegt. Als Beispiel nannte sie unter anderem, dass früher bei der Trauerrede der Auferstehungsgedanke im Vordergrund gestanden habe, heute hingegen die Biographie des Verstorbenen.

Auch werde heute bei einem Todesfall in der Regel als erstes der Bestatter und nicht wie früher der Pfarrer gerufen. In dem Zusammenhang erklärte sie, dass das Erfahrungswissen im Umgang mit Verstorbenen verloren gegangen sei und sprach von einem unglaublich anspruchsvollen Beruf des „Bestatters”, der nichts mit dem Totengräberimage der damaligen Zeit zu tun habe. Der Bestatter sei der erste, der die Trauer auffange, so Dr. Gernig.

Den Wandel in der Bestattungskultur machte sie auch anhand der Zunahme an Feuerbestattungen fest, deren Anteil bundesweit bei fünfzig Prozent liegt und der zunehmenden Tendenz, den Tod nicht wie früher öffentlich durch schwarze Kleidung, Witwenkleidung und Trauerfloren an den Haustüren anzuzeigen.

„Uns geht heute wirklich viel verloren”, betonte sie in dem Zusammenhang. „Warum scheuen wir uns so, die Trauer zum Ausdruck zu bringen?”, stellte sie als Frage in den Raum. Um gleichzeitig festzustellen, dass das Bedürfnis sich mit dem Tod auseinanderzusetzen in unserer Gesellschaft immens groß sei, gerade weil es verdrängt werde.

Öffentlich sei der Tod heute da noch, wo es große Staatsakte gebe. Bei Medienpersönlichkeiten sei gar eine kollektive Trauer zu beobachten, betonte Dr. Gernig. In einem weiteren Schritt sprach die Fachfrau von einer „dramatischen Veränderung der Friedhöfe”. Nur noch 50 Prozent der Menschen würden sich für einen Grabstein entscheiden. Andere Formen seien anonyme Bestattungen, Friedwälder und Seebestattungen.

Überspitzt sprach sie von einer Event- und Spektakelkultur, die wir suchen würden, um uns nicht mit dem Tod auseinander setzen zu müssen. Und gab zu bedenken, dass die Bestattungskultur Teil der Trauerarbeit sei. Die im Referat angeschnittenen Thematiken wurden schließlich in kleineren Gruppen unter den Titeln „Bestattungsvorsorge” mit Bestatter Rudi Dohmen, „Zwischen Trost und Niederschlag” mit Ehe-, Familien- und Lebensberater Theo Sommer vom Katholischen Beratungszentrum und „Rituale” mit Bärbel Windelen vertieft.
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