Wassenberg-Orsbeck - Waren die drei Heiligen Könige eigentlich vier?

Waren die drei Heiligen Könige eigentlich vier?

Von: ej
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Einen vierten König zeigt die Weihnachtskrippe in Orsbeck, den Künstlerin Simone Gärtner noch in den Händen hält. Die Idee dazu hatte Pfarrer Heinz Portz. Küsterin Silvia Schaffrath vermittelte den Kontakt. Foto: Jennes

Wassenberg-Orsbeck. Im Volksmund und in vielen Kalendern heißt der 6. Januar auch Dreikönigsfest oder Dreikönigstag, an dem die Kirche die Erscheinung des Herrn feiert. Drei Könige, Kaspar, Melchior und Balthasar, so ist überliefert, brachten dem Jesuskind einst im Stall zu Betlehem ihre Geschenke - Gold, Myrrhe und Weihrauch.

An jeder Krippe, wie auch in der Pfarrkirche St. Martin in Orsbeck stehen die Figuren ab heute ganz nahe beim Jesuskind. Doch hier gibt es einen vierten König, der in den Händen ein goldenes Kreuz trägt.

Es sei nämlich nicht überliefert, dass es wirklich Könige waren, die sich einst auf den Weg zum Jesuskind machten und auch die Anzahl drei sei wohl umstritten.

Die Bibel spreche nur von den „Weisen aus dem Morgenland”, und nach einer alten russischen Legende gab es einen vierten König, der sich neben Caspar, Melchior und Balthasar auf den Weg machte, um dem Stern zu folgen, der ihn zum göttlichen Kind führen sollte. Sein Name, so die Legende, lautete Coredan.

Dieser hatte sich drei wertvolle rote Edelsteine als Geschenk für das Jesuskind eingesteckt. Da sein Reittier lahmte, kam er zu spät zum Treffpunkt, den er mit den drei übrigen Königen vereinbart hatte und musste sich daher allein auf den Weg nach Betlehem machen.

Den ersten seiner Edelsteine gab er unterwegs ab, um einem Kind, das er weinend und blutend am Wegesrand fand, in einer Familie das weitere Leben zu sichern. Mit dem zweiten Edelstein bewahrte er auf seiner weiteren Reise eine in Schulden geratene Familie, die ihren Ernährer durch Tod verloren hatte, davor, als Sklaven verkauft zu werden,.

Selbst den letzten Edelstein gab er her, als er auf seinem Weg durch ein fremdes Land ritt, in dem der Krieg wütete, um ein Dorf freizukaufen und die Menschen vor dem Tod zu bewahren. Der Stern, der ihm den Weg weisen sollte, war inzwischen erloschen, und er suchte viele Jahre lang weiter nach dem Weg zum Jesuskind - immer wieder helfend und sich für andere aufopfernd.

Nach der Legende gingen viele Jahre ins Land, er wurde alt und grau, sein Körper war müde und zerschunden, als er den Stern wieder sah und ein nächtlicher Traum ihn zur Eile mahnte. Er fand am Ende nicht Gottes Sohn als Kind in der Grippe, das zu suchen er aufgebrochen war, sondern den sterbenden Jesus am Kreuz und erkannte, dass er all die Jahre den König der Welt nicht vergebens gesucht hatte.

Auf Anregung von Pfarrer Heinz Portz wurde diese alte russische Legende in der Pfarrgemeinde St. Martin aufgegriffen mit Bezug zur Kreuzreliquie, die seit mehr als 190 Jahren verehrt wird. Den Kontakt zur Künstlerin Simone Gärtner aus Wassenberg knüpfte Küsterin Silvia Schaffrath.

So ist Coredan, der vierte König an der Orsbecker Krippe, dem Simone Gärtner Gestalt gegeben hat, keine strahlende Figur, sondern eher genau das Gegenteil. Es ist ein alter Mann mit grauem Bart, zerfurchtem Gesicht und großen Augen, die viel Leid gesehen und erlebt haben. Sein Blick geht nach oben, so als würde er zu einem Kreuz hinaufschauen. In seinen zum Gebet gefalteten Händen hält er die Kreuzreliquie.

Mit dieser Figur des vierten Königs betrat Simone Gärtner, die bisher als Malerin arbeitete, Neuland und bekennt: „Es hat mir sehr viel Freude bereitet.” Gearbeitet hat sie die Figur des vierten Königs an der Orsbecker Krippe aus Modelliermehl, das holzähnliche Eigenschaften hat. Noch bis zum 2. Februar, dem Fest Maria Lichtmess, ist die Weihnachtskrippe in der Orsbecker Pfarrkirche, die in diesem Jahr im Seitenschiff ihren Platz gefunden hat, zu sehen.
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