Wahl-Nachlese: „Wir müssen gucken, wo der Zug hinfährt“

Von: disch
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Zeitungsleser wissen mehr: Sichtlich zufrieden genoss der neue Landtagsabgeordnete Thomas Schnelle von der CDU am Montagvormittag gemeinsam mit seiner Ehefrau Sandra im heimischen Hückelhoven die Lektüre der Wahlberichterstattung. Foto: defi
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Bernd Krückel, Kreisvorsitzender der CDU, studierte am Montag mit Ehefrau Anja Wahlergebnisse.

Kreis Heinsberg. Auch am Tag nach der Landtagswahl herrschte bei den Christdemokraten, die im Kreis Heinsberg beide Wahlkreise souverän gewonnen haben, Freude über einen „absolut erfolgreichen Tag für die CDU“, so der Kreisvorsitzende und Landtagsabgeordnete Bernd Krückel aus Heinsberg-Waldenrath.

Die Tatsache, dass er sein selbst gestecktes Ziel, das Mandat im Südkreis mit mindestens 50 Prozent der Erststimmen zu erreichen, mit 49,12 Prozent knapp verfehlt hatte, sei da „kein Wermutstropfen“. Der Erfolg der CDU in NRW war für Krückel „eine innere Befriedigung“, denn nach dem „Schulz-Hype“ hätten sich die Christdemokraten im Düsseldorfer Landtag von den SPD-Kollegen – gemeint sind die Sozialdemokraten im Parlament, nicht die Mitbewerber vor Ort im Kreis Heinsberg – viel Häme gefallen lassen müssen.

Nun hätten die SPD-Abgeordneten die Quittung dafür erhalten. Krückel bekräftigte noch einmal seine bereits am Wahlabend artikulierte Haltung: „Angesichts der Aufgaben, die wir stemmen müssen, würde ich eine größere Mehrheit und damit eine große Koalition begrüßen.“

Das sieht auch sein neuer Fraktionskollege Thomas Schnelle aus Hückelhoven so: Eine große Koalition wäre nach seiner Einschätzung sinnvoller, „damit könnte man besser agieren“. Zudem gebe es in dem Themenfeld, das ihm als Polizeibeamten besonders wichtig sei, sprich beim Thema Sicherheit, mehr Schnittpunkte mit der SPD als mit den Freien Demokraten, mit denen es aber andererseits – zum Beispiel in der Wirtschaftspolitik– auch Schnittmengen gibt.

„Wir müssen gucken, wo der Zug hinfährt“, so Schnelle am Montag eher zurückhaltend. Für den 49-Jährigen, der bei der Kriminalpolizei in Mönchengladbach tätig ist, steht jetzt der Abschied vom Polizistendasein an. „Ich bin mit Leidenschaft Polizist gewesen“, so Schnelle. Das Landtagsmandat sei jetzt eine neue große Herausforderung. „Nun beginnt für mich ein neuer Lebensabschnitt, auf den ich mich freue.“

Und seine Kollegen von der Polizei hätten ihm „Hausaufgaben“ mit auf den Weg gegeben. Mit Thomas Schnelle freuen sich seine Ehefrau Sandra und seine beiden Kinder (Sohn Henry ist 16, Tochter Maya zwölf Jahre alt): „Die Familie steht voll dahinter!“

Die sozialdemokratischen Kandidaten Ralf Derichs aus Erkelenz und Christoph Grundmann aus Geilenkirchen waren am Montag immer noch enttäuscht angesichts der SPD-Niederlage bei dieser Landtagswahl. „Die SPD in NRW muss sich nun neu organisieren“, sagte Derichs. Er selbst werde als Mitglied des Landesparteirates an diesem Prozess beteiligt sein. Auch wenn die genaue Ursachenforschung für die Wahlniederlage noch zu erfolgen habe, sagte Derichs, er habe es im Wahlkampf als Defizit empfunden, dass sich die SPD weitgehend auf die Popularität des Spitzenpersonals verlassen und Themen nicht in den Vordergrund gestellt habe.

Im Nord-Wahlkreis hat sich der Abstand zwischen CDU und SPD bei den Erststimmen, der 2012 von 15 auf fünf Prozentpunkte geschmolzen war, wieder auf rund 15 vergrößert. Doch Derichs erinnerte am Montag daran, dass die SPD 2012 im Nordkreis sogar mehr Zweitstimmen als die CDU geholt habe. Wenn der Landestrend mitspiele und es gelänge, eine solche Zweitstimmen-Mehrheit auch für die Erststimmen zu aktivieren, dann sei der Wahlkreis für die SPD zu gewinnen.

Zu der Frage einer weiteren Kandidatur in fünf Jahren wollte sich Derichs noch nicht äußern. Sein Parteifreund Christoph Grundmann hält es sogar für nicht unmöglich, den Süd-Wahlkreis für die SPD zu gewinnen, „wenn man langfristig gute Arbeit leistet und nicht nur dann auftaucht, wenn Wahlen sind“.

So ließ Grundmann am Montag erkennen: „Ich würde es in fünf Jahren gerne noch mal machen“ – wenn die Delegierten ihn erneut aufstellen sollten. Er habe jetzt beim ersten Mal noch einen „Bekanntheitsnachteil“ gehabt. Und was ist die Ursache für die SPD-Niederlage im Land? Es seien zu wenig Inhalte transportiert worden, „zu wenig von dem, was wir tatsächlich geleistet haben“.

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