Wäschewaschen war früher sehr kompliziert

Von: Willi Erdweg
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Museumswart Norbert Randerath demonstriert die Kraft zehrende Arbeit mit einem Wäschestampfer, die die Frauen in alter Zeit zu bewältigen hatten. Foto: Willi Erdweg

Wassenberg-Myhl. Zu den vielen volkskundlichen Schätzen des Heimatmuseums im Keller der Myhler Grundschule zählen auch Geräte zum Wäschewaschen, wie sie bis weit in die 50er Jahre des letzten Jahrhunderts in Gebrauch waren - vor dem Aufkommen der vollautomatischen Waschmaschinen, wie wir sie heute kennen.

An Hand dieser alten Gerätschaften demonstriert Helene Phlippen, Vorsitzende des Heimatrings Myhl-Altmyhl, wie früher gewaschen wurde.

„Das war damals ein voller Arbeitstag”, so die 74-Jährige, die selbst erst 1958 nach der Geburt ihres zweiten Kindes eine vollautomatische Waschmaschine erhielt. Zuvor war für sie wie für unzählige andere Frauen das Wäschewaschen auf mehrere Arbeitsgeräte aufgeteilt, ein mühevoller und komplizierter Vorgang.

Waschtag war meist montags. Einen Tag zuvor am Sonntag wurde die Wäsche (wir sprechen zunächst von Weißwäsche) eingeweicht. Am nächsten Tag wurde sie im mit Holz befeuerten Waschkessel gekocht. Der Kupferkessel hatte zwei Einsätze, einen für Wäsche und einen (bei Landwirten) zur Zubereitung von Viehfutter.

Vom Kessel aus wurde die heiße Wäsche mit einer Holzzange in die Bottich-Waschmaschine gehoben. Auch die Lauge wurde umgefüllt. Die hölzerne Bottich-Waschmaschine hatte ein Drehkreuz und wurde mit einem kleinen Elektromotor betrieben, ältere Modelle mussten mit der Hand über eine Kurbel gedreht werden. In der Waschmaschine wurde die Wäsche etwa fünf bis zehn Minuten geschlagen. Dann wurde sie ausgewrungen, entweder von Hand oder zwischen den Walzen einer Wringe. „Anschließend musste die Wäsche in der Bütt´ in frischem Wasser zweimal nachgespült werden”, erläutert Helene Phlippen.

Danach ging es entweder auf die Bleiche oder in die Presse. Bleiche heißt, die Wäsche wurde auf einer Wiese ausgelegt, wobei sie mit Wasser besprengt werden musste, damit sie nicht vergilbte. Oder sie kam in die Presse, die entweder mit Wasserdruck oder (modernere Geräte) mit Strom betrieben wurde. Dann erst konnte die Wäsche auf die Leine zum Trocknen aufgehängt werden. Wäsche, die auf der Bleiche gelegen hatte, musste noch einmal ausgespült werden. Buntwäsche wurde nicht gekocht, sondern kam gleich in die Bottich-Waschmaschine. Für sie wurde die Lauge der Weißwäsche wiederverwendet.

Wer keine Waschmaschine hatte, musste die Wäsche auf einem Waschbrett „rubbeln” oder mit einem Stampfer in einer Wanne walken. Insgesamt bedeutete das Waschen also früher einen großen Arbeits- und Zeitaufwand, besonders in Haushalten mit vielen Personen. Manche Frauen ließen sich auch etwas Zeit. Darauf spielt ein Sprichwort an, das Helene Philippen zitiert: „On ess die Wäschvrau noch so ful, sie hätt et samstags die Wäsch övver dr Tun”. „Faule” Waschfrauen hatten also spätestens samstags die Wäsche über den Zaun hängen.

Ein Besuch im Myhler Heimatmuseum lohnt immer. Der Interessierte findet hier auf engem Raum eine Vielzahl von Exponaten aus alter Zeit (Möbel, Haus- und landwirtschaftliche Geräte sowie vieles mehr). Darunter sind manche Kostbarkeiten. Wer kennt ihn noch, den aus Weidenzweigen geflochtenen, am Lenker eines Fahrrads befestigten Kindersitz? Leider kommen die vielen schönen Stücke, die meist aus Nachlässen stammen, wegen der Enge nicht recht zur Geltung. „Wir müssten mehr Platz haben”, bedauern die Vorsitzende des Heimatrings und der Museumswart Norbert Randerath.
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