Wassenberg-Effeld - Wachwechsel am Waldsee?

Wachwechsel am Waldsee?

Von: Stefan Herrmann
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Wohin führt der Weg am Effeld
Wohin führt der Weg am Effelder Waldsee? Die ambitionierten Pläne der Stadt stoßen bei Heike Krause, Geschäftsführerin der Josef Geurtz KG, die das Areal derzeit komplett betreibt, auf Skepsis. Sie sagt: „Viele Sachen, die sich Bürgermeister Winkens hier vorstellt, sind nicht zu realisieren.” Foto: Stefan Herrmann

Wassenberg-Effeld. Wachwechsel am Waldsee? „Von Wachwechsel kann keine Rede sein”, widerspricht Heike Krause. Die 42-jährige ist Geschäftsführerin der Josef Geurtz Kommanditgesellschaft (KG), die den Effelder Waldsee samt Schwimmbad, Campingplatz und Strandbar betreibt.

Ende 2012 fällt das Areal zurück an die Stadt. Die plant, mit Bürgermeister Manfred Winkens an der Spitze, im Rahmen des Tourismuskonzepts ein neues Gesamtkonzept für das Erholungsgebiet vorzulegen. Dabei scheint die Verwaltung den seit Jahrzehnten vor Ort präsenten Familienbetrieb Geurtz/Krause aus den Augen verloren zu haben. Und das ärgert Geschäftsführerin Heike Krause ungemein.

Fünf Grundstücke

Sie stellt den Plänen der Stadtverwaltung die ihr vorliegenden Fakten gegenüber: „Es geht hier letztlich um fünf Grundstücke”, sagt sie. Dass somit in eineinhalb Jahren das komplette Areal an die Stadt Wassenberg zurückfalle, sei falsch. Denn zwei Grundstücke sind Eigentum der Familie Geurtz/Krause. Neben einem kleineren Stück in der Nähe der Bootsstege gehört dazu auch das große Eingangsareal, auf dem nicht nur das Wohnhaus der Familie steht, sondern zu dem auch große Teile der Liegewiese, das Toilettenhaus und auch ein Stück der Wasserfläche des Schwimmbads gehört. Und das bleibt auch so nach dem Stichtag 31. Dezember 2012. „Von einer Übernahme des Betriebes kann also keine Rede sein”, stellt die Geschäftsführerin fest.

Für Heike Krause ist das Verhalten der Stadt in der Causa „Effelder Waldsee” seit Jahren ein Rätsel. Seit 2004 ist sie alleinige Geschäftsführerin. Ihre Mutter Edith Geurtz ist alleinhaftende Gesellschafterin der Josef Geurtz KG. Wenige Monate nach der Geschäftsübernahme verstarb Krauses Vater im September 2004. „Anstatt eines Kondolenzschreibens haben wir von der Stadt die Kündigung bekommen”, ärgert sich die 42-Jährige noch heute. Schon vorher habe es „Rechtsstreitigkeiten ohne Ende” mit der Stadt gegeben. Was Krause und vorher ihr Vater am Waldsee mit viel Herzblut aufgebaut haben und betreiben, bezeichnet sie als „klassischen Familienbetrieb”. Doch mit der Kündigung der Stadt ging der Trubel so richtig los. Im Mittelpunkt stand der Erbpachtvertrag, den die KG mit der Stadt hat.

Am Ende langer Gerichtsverhandlungen, die durch mehrere Instanzen gingen, stand ein Vergleich. „Die Stadt hat nicht vor Gericht gewonnen”, stellt Krause klar. Das Ergebnis, so formuliert sie es, sei eher eine „Pattsituation gewesen. Der Vergleich besagte: Die KG kann bis Ende 2012 die Anlage wie gewohnt betreiben, dafür verzichtet sie auf ein in den Originalverträgen zugesichertes Vorverkaufsrecht für die städtischen Grundstücke, zudem werde die Stadt einen Schadensersatz zahlen. „Wir wollten es in vernünftiger Art und Weise zu Ende bringen”, sagt Krause. Seitdem ist viel Wasser die Rur runtergeflossen. Aus Krauses Sicht verstrich dabei wertvolle Zeit, ohne dass von Seiten der Stadt handfeste Pläne zur Zukunft des Sees vorgelegt wurden.

„Was mich ärgert”, betont die Geschäftsführerin, „ist, dass die Stadt immer wieder versucht, den Eindruck zu vermitteln, dass wir nicht wollen. Das stimmt aber nicht. Wir wollen immer.” Für Krause sei letztlich die Verwaltung dafür verantwortlich, dass in einigen Punkten seit Jahren Stillstand herrsche. Sie selber habe geplant, weiter zu investieren, doch mit der unsicheren Rechtslage ab Ende 2004 musste sie provisorische Lösungen finden. Trotzdem: Von 200 Campingplätzen seien 150 über all die Zeit an Dauercamper vermietet, erläutert Krause.

„Fakt ist: Die Stadt macht es kaputt”, glaubt Krause. Bis heute sei man nicht ernsthaft an sie herangetreten, obwohl ihr versichert worden sei, dass man von Seiten der Stadt bereits im März dieses Jahres mit konkreten Plänen auch den Familienbetrieb am Waldsee informieren wollte. Sie sagt: „Viele Sachen, die sich Bürgermeister Winkens hier vorstellt, sind nicht zu realisieren.” Ferienhäuschen mit Seeblick - Krause bezweifelt, dass dies unter Berücksichtigung der Umstände umsetzbar ist. Vieles habe man selbst versucht, nur wenige Ideen wurden letztlich von den entsprechenden Behörden genehmigt. Auch einen größeren Gastronomiebetrieb kann sich die Geschäftsführerin schwer vorstellen. Das habe es alles vor Ort bereits gegeben. „Gastronomie lohnt sich hier nicht”, sagt Krause.

Und so bleibt hinter der Zukunft des Waldsee weiterhin ein großes Fragezeichen stehen. Genauso wie hinter dem Fortgang des Familienbetriebs Geurtz/Krause. Was am 1. Januar 2013, dem Tag des „Wachwechsels”, geschehen wird? „Ich weiß es nicht”, sagt Heike Krause nur und zuckt mit den Schultern.
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