Vor Schulbeginn zwei Stunden unterwegs: Busfahrt soll besser werden

Von: Rainer Herwartz
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Oh Mann, wo bleibt er denn, der Bus. Die I-Dötzchen aus Tüddern und Millen sind oft schon recht müde, bevor sie die Schule erreichen.

Selfkant. Die Schultüten sind wahrscheinlich schon leergefuttert und die I-Dötze haben sich in ihrer neuen Klasse gegenseitig bereits ein wenig beschnuppert. Alles läuft in geordneten Bahnen, halt so wie jedes Jahr. Sollte man meinen.

Doch für die Erstklässler aus Tüddern und Millen hat der Satz „der Weg ist das Ziel” in diesem Jahr eine ganz besondere Bedeutung erlangt.

„Durch den Wegfall der Eingangsklasse an der Grundschule in Tüddern hat sich für die Schüler eine katastrophale Schulbussituation ergeben”, beklagt Frank Hülden, dessen Zwillinge Carl und Julius nur zwei von sieben betroffenen Kindern sind. „Erstklässler aus Tüddern und Millen sind täglich bis zu zwei Stunden unterwegs, um die nächstgelegene Grundschule in Süsterseel zu erreichen”, sagt er.

Auch den Bürgermeister von Selfkant setzte der Familienvater über den Missstand in Kenntnis. Um in Süsterseel zum Schulbeginn pünktlich zu erscheinen, müssten die Kinder mit der Linie 439 um 7.13 Uhr ab Millen über Tüddern, Hillensberg und Wehr nach Süsterseel fahren. „Das bedeutet, dass die Kinder gegen 6 Uhr aufstehen müssen, um sich spätestens um 6.50 Uhr auf den Weg zur Haltestelle am Ortsrand zu machen.” Die anschließende Fahrt in das etwa drei Kilometer entfernte Süsterseel dauere etwa 30 Minuten.

„Wenn für meine Söhne dort um 8 Uhr der Unterricht beginnt, sind sie also bereits zwei Stunden auf den Beinen”, erklärt Hülden. Von der Schule nach Hause sehe es nicht besser aus. Über eine Stunde benötigten die Kinder. „Ich bin der Meinung, dass man Sechsjährigen diese Strapazen nicht zumuten sollte.”

Dirk Schwartzmanns, Leiter des Haupt- und Personalamtes bei der Gemeinde Selfkant, wurde in den letzten Tagen mehrfach von Eltern auf das Problem angesprochen, wie er gegenüber unserer Zeitung bestätigt. Er verweist in diesem Zusammenhang auf die Schülerfahrkostenverordnung, die die Frage der „Zumutbarkeit” regele. Danach wäre die Belastung für die Erstklässler nicht zumutbar, wenn die Dauer der Hin- und Rückfahrt zusammengerechnet mehr als eine Stunde betrage, erklärt er. Die Linie 439 befördere die Schüler aber innerhalb dieser Zeiten. Insofern liege die Voraussetzung für einen Schülerspezialverkehr nicht vor.

Frank Hülden sieht das anders. Schließlich stehe ja in Paragraf 13 Abs. 3 der Verordnung: „Für Schülerinnen und Schüler der Grundschule soll eine Schulwegdauer von insgesamt mehr als einer Stunde nicht überschritten werden; regelmäßige Wartezeiten in der Schule vor und nach dem Unterricht sollen für diese Schülerinnen und Schüler nicht mehr als 45 Minuten insgesamt betragen.”

Wie Schwartzmanns einräumt, sei in Zusammenarbeit mit der West Energie und Verkehr versucht worden, den Linienverkehr und die Unterrichtszeiten besser anzugleichen, „um die Fahrzeiten zu verringern”. Das sei jedoch nicht möglich gewesen.

Und jetzt? „Insofern bleibt hier doch nur die Einrichtung eines Schülerspezialverkehrs. Ich war und bin weiterhin bemüht, den verständlichen Elternwünschen soweit möglich und auch rechtlich vertretbar entgegen zu kommen.”

Laut Schwartzmanns liegt schon ein Angebot der West vor, das für einen Gegenwert von 11.000 Euro im Jahr das Problem beheben könnte. Dann würden die Kinder morgens nicht mehr um 7.13 Uhr, sondern erst um 7.30 Uhr abgeholt.

„Da dies eine rein freiwillige Leistung der Gemeinde ist und die Verwaltung hierüber nicht entscheiden darf, wird der Schulausschuss in seiner Sitzung am 25. September zu diesem Thema entscheiden.” Immerhin ein Lichtblick für die I-Dötze und ihre Eltern.
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