Vor allem alleinerziehende Frauen im Kreis von Armut betroffen

Von: anna
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Infomierten für die Regionale Armuts- und Arbeitsmarktkonferenz über die Situation im Kreis Heinsberg: Thomas Hartmann, Gertrud Grotthaus, Kirstin Fuss und Johannes Eschweiler (v. l. n. r.). Foto: Anna Petra Thomas

Kreis Heinsberg. Einen Blick auf die aktuelle Situation rund um Arbeitslosigkeit und Armut im Kreis Heinsberg sowie einen Blick speziell auf die Situation von alleinstehenden und alleinerziehenden Frauen hatten die vier Vertreter der Regionalen Armuts- und Arbeitsmarktkonferenz (RAAK) bei ihrem halbjährlichen Pressegespräch im Arbeitslosenzentrum des Vereins Amos in Oberbruch.

Die offizielle Arbeitslosenquote von 5,6 Prozent bedeute, dass jeder 18. Erwerbsfähige arbeitslos sei, insgesamt mehr als 7500 Personen, so Thomas Hartmann, DGB-Organisationssekretär für den Kreis Heinsberg. Fatal an der Gesamtsituation in der Region sei jedoch, dass die Quote der Unterbeschäftigung bei 7,3 Prozent liege, also jeder 13. unterbeschäftigt sei, und das seien fast 9800 Personen, ergänzte er.

Laut offizieller Statistik sei der Kreis Heinsberg einer von sechs Kreisen in Nordrhein-Westfalen, der eine bessere Quote von Langzeitarbeitslosigkeit zur Arbeitslosigkeit habe als im Bundesschnitt, derzeit also unter 37,2 Prozent, fuhr Hartmann fort. „Viel ehrlicher wäre jedoch die Erfassung der Unterbeschäftigung“, betonte Hartmann. In dieser Zahl seien alle erwerbsfähigen Erwachsenen enthalten, die unfreiwillig unterbeschäftigt oder gar nicht beschäftigt seien, auch für die Zeit von Fördermaßnahmen oder Mini-Beschäftigung.

Jeder vierte Hartz-IV-Empfänger (27,1 Prozent) sei trotz Arbeit arm, hatte Hartmann ausgerechnet. Damit liege der Kreis Heinsberg über dem NRW-Durchschnitt. 17,1 Prozent dieser „Aufstocker“ seien sogar in Vollzeit beschäftigt, betonte er. Der Landesdurchschnitt liege bei 14 Prozent.

Hinzu komme die Entwicklung, dass bald jede zweite Neueinstellung befristet erfolge. Auch die gute Konjunktur komme bei den Menschen nicht an. Vielmehr erfolge eine weitere „Verteilzeitung“ des Arbeitsmarktes. Schließlich prangerte Hartmann die „im Kreis Heinsberg grassierende Schwarz- und Schattenarbeit“ an, vor allem bei Erntehelfern, Bauarbeitern und in der häuslichen Pflege.

Kirstin Fuss, Geschäftsführerin der Kreisgruppe Heinsberg vom Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband, und Gertrud Grotthaus, Sprecherin der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) im Bezirks Heinsberg, warfen in diesem Zusammenhang einen Blick auf die Situation der Frau. Vor allem alleinerziehende Frauen seien von Armut betroffen, erklärte Fuss.

Laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung würden knapp 35 Prozent aller Alleinerziehenden in Armut leben. Frauen hätten die Jobs mit der schlechteren Bezahlung und stünden so im Alter mit wenig Rente da, ergänzte sie. Vor allem aber sei alle unbezahlte Arbeit im Haushalt, für Kinder oder in der Pflege von Angehörigen eher weiblich. „Höchste Zeit also für eine etwas andere Gerechtigkeitsdebatte“, so Kirstin Fuss.

Gertrud Gotthaus hatte sich darüber hinaus die Mühe gemacht, gemeinsam mit einer 69-jährigen Rentnerin in der Grundrente einmal auszurechnen, was ihr derzeit tatsächlich pro Monat zum Leben bleibe: 270 Euro. Da sei es schwierig, soziale Kontakte zu pflegen, und da sei das Leben immer geprägt von der Sorge, unvorhergesehene Kosten wie etwa für die Reparatur von Kühlschrank oder Waschmaschine könnten anfallen. Und schwierig sei vor Feiertagen wie Weihnachten sogar der Kauf von Geschenken für die Enkelkinder.

Als Fazit ihrer aktuellen Beobachtungen forderten die vier Gesprächsteilnehmer mehr Ehrlichkeit in der Statistik, weniger Niedriglohn-Beschäftigungen, dazu Förderprogramme, um Menschen in „echte“ Arbeit zu bringen, und mehr Kontrolle der Arbeitsstandards. Hinzukommen müsse eine Verbandsklagerecht, das nicht mehr dem einzelnen Beschäftigten den Kampf gegen eine systematische Unterwanderung des Arbeitsrechts überlasse, und ein Ausbau der sozialen Sicherungssysteme, der diese armutsfest mache.

Die betroffenen Frauen bräuchten da sicherlich auch noch eine Portion mehr Selbstbewusstsein, fügte Kirstin Fuss: „Tut Euch zusammen und werdet laut“, so ihre Empfehlung.

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