Geilenkirchen - Von Kroatien nach Geilenkirchen: „Meine neue Heimat”

Von Kroatien nach Geilenkirchen: „Meine neue Heimat”

Von: Udo Stüßer
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Für den bosnischen Kroaten Nico Blajic ist Geilenkirchen zur Heimat geworden. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. Wenn ich das Schild Kroatien sehe, geht mein Herz auf. Aber Geilenkirchen ist meine neue Heimat.” Vor wenigen Tagen ist Nico Blajic, Leiter des Restaurants im Sportpark Loherhof, aus seinem Urlaub in Istrien zurückgekehrt. Dort hat er mit seiner Familie nicht nur reichlich Sonne am weitläufigen Strand getankt, sondern auch Freunde und ehemalige Weggefährten besucht.

Aber auch nach diesem Urlaub und nach einem Abstecher zu seiner in Zenica in Bosnien lebenden Mutter Lucija bereut er heute keinesfalls, dass er als 25-Jähriger das Urlaubsparadies verlassen hat und nach Geilenkirchen gezogen ist.

Wenn Nico Blajic heute mit seinen Kindern Morena (15) und Marin (13) im Garten seines Hauses spielt, denkt er gerne an seine eigene Kindheit zurück, an eine „glückliche Kindheit”, wie er versichert. Der 1964 geborene Nico wuchs im bosnischen Zenica als Kind kroatischer Eltern mit den beiden jüngeren Brüdern Slavko und Zoran auf. „Wir lebten in bescheidenen Verhältnissen. Wir waren nicht reich, auch nicht arm. Aber wir waren zufrieden”, blickt er zurück und erinnert sich an ein „gesundes Umfeld”: „Nach der Schule spielten wir im Wald oder Fußball. Sport war immer ganz wichtig für uns. Und unsere Eltern legten Wert auf eine gute Ausbildung.”

Nach der Schule erlernte der junge Nico den Beruf des Restaurantfachmannes. In seiner Heimatstadt gab es allerdings nur fünf bis sechs Mittelklassehotels. „Da wäre schnell Endstation gewesen. Ich wollte weiterkommen, ich suchte die Herausforderung.” Die fand er schließlich an der kroatischen Adria. Nach seiner Ausbildung zog er in das 300 Kilometer entfernte Pula, dann nach Umag. Sieben Jahre lang arbeitete Blajic in den ganz großen Hotels der Urlaubsorte. „Hier habe ich viel gelernt. Hier war ich nicht nur der Kellner, hier war ich auch bei großen Veranstaltungen dabei.”

In jungen Jahren schon war Blajic sehr zielstrebig. Er wollte Sprachen lernen und sich beruflich weiter verbessern. 1990 wollte er schhließlich nach Deutschland. Sein Cousin Anto Rosic hatte Kontakte nach Geilenkirchen. Und so kam Nico Blajic als 25-Jähriger in die „Dohlenklause” von Slavko Rosic. „Anfänglich hatte ich das Problem, dass ich nur geringe Deutschkenntnisse hatte. Für professionellen Unterricht hatte ich keine Zeit. Aber wenn es haperte, haben mein Chef und seine Familie übersetzt”, blickt der 47-Jährige zurück.

Hier wurde der Geilenkirchener Franz Davids, der später den Sportpark Loherhof errichtete, auf ihn aufmerksam. „In der Dohlenklause waren wir jeden Freitag zum Dämmerschoppen. Nico ist mir damals als angenehm und tüchtig aufgefallen. Ich habe damals scherzhaft zu ihm gesagt. ?Wenn ich einmal eine Kneipe aufmache, wirst Du der Boss”, lacht Davids heute rückblickend. Im Frühjahr 1994 war es dann so weit. Davids hatte den Sportpark Loherhof mit angeschlossenem Restaurant gebaut. „Ich traf Nico zufällig in der Stadt und sagte ihm: ,Wenn Du willst, kannst Du sofort anfangen.” Nico Blajic überlegte nicht lange und sagte sofort zu.

In diesem Jahr heiratete Nico seine große Liebe Ankica. Die Krankenschwester und OP-Assistentin hatte er 1991 in Kroatien kennengelernt und Ende 1992 nach Geilenkirchen geholt. Das war auch die Zeit, in der er täglich mit bangen Blicken auf sein Heimatland blickte. Der Krieg war im ehemaligen Jugoslawien ausgebrochen. „Die Front war nur 20 Kilometer von Zenica entfernt. Die Granaten und Flugzeuge waren auch dort noch zu hören. Ich habe mich jeden Morgen auf die neuesten Nachrichten gestürzt, weil das Telefon in Jugoslawien nicht immer funktionierte. Ich hatte Angst um meine Mutter.”

Den Krieg an sich bezeichnet der bosnische Kroate als „größten Blödsinn”: „Die Völker hätten sich ohne Krieg, ohne Blutvergießen trennen können. So mussten viele Unschuldige leiden.” Nico Blajic freut sich riesig, wenn er wieder einmal in Bosnien weilt. „Dann sehe ich meine Mutter und alte Freunde und Bekannte. Aber ich stelle auch fest, dass Geilenkirchen mein Zuhause ist. Hier habe ich meine Familie, meinen Job und mein Haus.”

Nicht zu vergessen die vielen neuen Freunde, die er hier gefunden hat. Am liebsten trifft er sich mit ihnen sonntags zu einem Fußballspiel auf dem Sportplatz. So, wie in seiner Jugend. So, wie im bosnischen Zenica.
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