Von Kriegen, Epidemien und einem abtrünnigen Pfarrer

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Heinsberg-Dremmen. „Dremmen - Wann war das?” So lautet der als Frage formulierte Titel einer jetzt vom Verein der Heimatfreunde Dremmen herausgegebenen Veröffentlichung.

In Chronik-Form und mit leicht verständlichen kleinen Texten beantwortet sie Fragen nach bemerkenswerten lokalgeschichtlichen Daten von den überschaubaren Anfängen bis zum Jahre 2000.

Die Daten schließen Dremmen, Eschweiler, Grebben, Horst, Hülhoven, Oberbruch, Porselen und Uetterath ein - und damit alle Orte, die bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts zur alten Pfarre Dremmen gehört haben.

Autor Leo Gillessen, früherer Leiter des Kreismuseums Heinsberg, hat für diesen Überblick eine Vielzahl von Originalquellen ausgewertet und daraus 540 Einzeldaten zusammengestellt. Sie stehen exemplarisch für je zeittypische Verhältnisse oder auch für Einzelschicksale.

Über Jahrhunderte prägte die Landwirtschaft - lange in Abhängigkeit von der Grundherrschaft - den Alltag der Bevölkerung wie auch die Strukturen der Dörfer, deren früheste schriftlich überlieferte Namen hier ebenso erfasst sind wie die alter Straßen- und Flurbezeichnungen.

Gewerblich-handwerkliche Elemente, insbesondere Korb-, Holzschuh- und Schuhmacher, gewannen hier mit unterschiedlichen örtlichen Schwerpunkten erst seit der frühen Neuzeit an Bedeutung. Von der Notwendigkeit einer elementaren Schulbildung sprechen die schriftlichen Quellen erstmals im 16. Jahrhundert. Sie ist aber erst im folgenden als Kirchspielschule verwirklicht worden.

Große Bedeutung kam der Tätigkeit des bis zur napoleonischen Zeit über vier Jahrhunderte bestehenden Dremmener Schöffengerichts zu Das Gericht, die „Schöffenbank”, war mit Schöffen aus den einzelnen zugehörigen Orten besetzt. Zentrum des religiösen Lebens war die bis ins 9. Jahrhundert zurück verfolgbare Pfarrkirche St. Lambertus, die während der Reformation durch die Tätigkeit eines abtrünnigen Pfarrers für kurze Zeit Mittelpunkt wiedertäuferischer Bevölkerungselemente aus der weiteren Umgebung wurde.

Folgeerscheinungen von Kriegen, verheerende Brände und Epidemien haben in den Quellen und damit in der Chronik vor allem seit der frühen Neuzeit Niederschlag gefunden. In diese Zeit geht außer den Dremmener Sebastianus-Schützen von den heute bestehenden Vereinen keiner zurück, vielmehr gehören diese älteren Zusammenschlüsse der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert an. Gegen dessen Wende setzten hier mit dem Oberbrucher Glanzstoffwerk und mit Schuhfabriken erste industrielle Aktivitäten ein.

Die inzwischen allgemein gefestigte Schriftlichkeit, zu der auch im ländlichen Bereich die Schulpflicht wesentlich beitrug, sowie das Aufkommen der Lokalpresse liefern dann eine so große Fülle von Einzelheiten, dass für die Chronik die Auswahl der Daten enger gezogen werden musste.

Dies gilt besonders für die Kriegs- und frühe Nachkriegszeit, aus der heute manche Einzelheiten lokalen Geschehens auch älteren Einwohnern nicht mehr in Erinnerung sind. Stichworte wie Bombenalarm und Evakuierung, Schwarzhandel und Währungsreform erinnern an diese Zeit des Mangels und des Ersatzes kriegsbedingter Verluste im privaten und öffentlichen Leben.

Es folgten Jahrzehnte einer Anpassung an neue, allgemein gestiegene Ansprüche im gesellschaftlichen und infrastrukturellen Bereich, die zur Gegenwart überleiten.
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