Von der Rennstrecke in die Einbahnstraße?

Von: Verena Müller
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Die Ringstraße in Birgelen zw
Die Ringstraße in Birgelen zwischen Elsumer Weg und Lambertusstraße: Mit dem Ausbau sind - trotz hoher finanzieller Beteiligung - alle einverstanden. Aber die Frage, wie eine Verkehrsberuhigung herbeigeführt werden kann, beschäftigt Anwohner, Politik und Verwaltung. Foto: V. Müller

Wassenberg-Birgelen. Der Ausbau von ein paar hundert Metern Straße sorgt in Birgelen an allen Fronten für Unmut: Anwohner fordern eine Verkehrsberuhigung, ein Landwirt will keine Umwege in Kauf nehmen und die Stadt Wassenberg will erstens keinen Präzedenzfall schaffen und hält zweitens das Durchkommen des Schulbusses für entscheidend.

Jeder hat irgendwie Verständnis für den Ärger der jeweils anderen, trotzdem ist inzwischen die Landwirtschaftskammer eingeschaltet, der Kreis Heinsberg ist eh längst involviert und einzelne Parteien drohen mit juristischen Schritten. Was war passiert?

Der Teil der Ringstraße, um den es geht, zwischen dem Elsumer Weg und der Lambertusstraße, war früher ein Feldweg. Mitte der 80er wurden auf der rechten Seite Häuser gebaut - obwohl offiziell kein Baurecht erteilt wurde. „Da wurde vor vielen Jahren getrickst”, sagt Bürgermeister Manfred Winkens. Einer, der das von Anfang an verfolgt hat, ist Landwirt Peter Jennissen. Als in seiner Nachbarschaft begonnen wurde zu bauen, habe „die Landwirtschaft die Feldwege kostenlos zur Verfügung gestellt”, wie das damals so üblich war. „Und jetzt sagen die Anwohner: ,Schluss, aus! und ich soll dort nicht mehr fahren”, sagt Jennissen.

Ursprünglich sollte die Ringstraße ein Zubringer für die L 117 werden - und so wird die Straße in der Praxis auch genutzt, obwohl sie der Form nach eine Anliegerstraße ist, die an einer Stelle nicht mehr als ein drei Meter breiter besserer Feldweg ist.

Vor zwei Jahren hatten Anwohner deshalb angefragt, ob man den schmalen Abschnitt befestigen und eine Birgdener Schwelle zur Tempodrosselung anlegen könnte. Das sei damals abgelehnt worden, sagt Aad van der Krogt, einer der frühen Anwohner der Ringstraße. Dass die Straße in diesem Zustand nicht für Großverkehr geeignet ist, darüber war man sich aber auch einig.

Mit 15.000 Euro beteiligt

Inzwischen ist auch die linke Straßenseite bebaut, „jeder versteht, dass es allerhöchste Zeit wird, dass die Straße ausgebaut werden muss”, sagt van der Krogt. 173.000 Euro sind veranschlagt. Die Notwendigkeit sieht auch Nachbar Robert Winkens. „Das kann so nicht bleiben”, sagt er. Und dann folgen zwei „aber”: Die Anwohner dieses Abschnittes müssen 90 Prozent der Kosten tragen und haben aus ihrer Sicht kaum Mitspracherechte. „Wir müssen zahlen, werden aber fast nicht informiert und offenbar zählen die Stimmen des Landwirts und des Busunternehmens mehr”, sagt van der Krogt. Im Falle von Robert Winkens fallen rund 15.000 Euro an, 2700 Euro alleine schon für die Straßenlaterne, die vor seinem Haus aufgestellt werden soll. Er kann nicht nachvollziehen, warum die Anwohner ein paar Meter weiter, im Abschnitt zwischen Lambertusstraße und Mittlerer Weg, nur 55 Prozent der anfallenden Kosten (gesamt: 135.000 Euro) tragen müssen.

Bürgermeister Manfred Winkens verweist auf die geltende Gesetzeslage und erklärt, dass mehr Fläche auf die Anwohner umgelegt werde, da die Wiese, die Landwirt Jennissen gepachtet habe, miteinbezogen werde. Die Verwaltung prüfe aber, ob der Straßenabschnitt anders kategorisiert werden könne.

Den schmalen Abschnitt direkt an der Lambertusstraße sähen die Anwohner gerne als Einbahnstraße, um den Verkehrsfluss zu verringern. „Das ist eine Rennstrecke”, sagt Robert Winkens. Zusätzlich möchten er und seine Nachbarn Pflanzbeete, so dass die Fahrzeuge das Tempo drosseln müssen.

Landwirt Jennissen würde die Beete sogar akzeptieren, solange er mit seinen landwirtschaftlichen Geräten drumherumkommt. „Ich will die Leute nicht auf die Palme bringen, aber eine Einbahnstraße lehne ich zu hundert Prozent ab. Wo soll ich denn noch fahren? Ich müsste mit dem Futter oder dem Mist quer durchs ganze Dorf”, sagt er.

Was ihn besonders ärgert, ist, dass er zu der Bürgerinformationsveranstaltung, die Mitte September stattfand, nicht eingeladen war, obwohl eine von ihm gepachtete Wiese direkt an den strittigen Abschnitt angrenzt und sich sein Hof nur ein paar Meter weiter an der Lambertusstraße befindet. „Die Autos waren übrigens schon vor den Anwohnern da”, gibt er zu bedenken. Er wandte sich an die Landwirtschaftskammer und erwägt, rechtliche Schritte einzuleiten, falls er die Straße nicht mehr wie gewohnt nutzen kann.

Zu viele offene Fragen

Laut Bürgermeister wird es dazu vermutlich nicht kommen. Der Bauausschuss hat die Beschlussfassung über den Abschnitt vertagt, da noch zu viele Fragen offen sind. Dass der Rat am 25. Oktober einer Einbahnstraßenregelung zustimmt, hält Winkens für unwahrscheinlich. „Wenn wir solchen Wünschen immer stattgeben würden, könnte nirgends mehr einer fahren”, sagt Winkens. „Wie sollen außerdem die Kinder zur Schule kommen?” Die Chancen für die Anwohner stehen also schlecht. Sie hoffen nun, dass ein weiteres Gespräch mit ihnen anberaumt wird.
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