Kreis Heinsberg - Viele werdende Mütter kennen ihre Rechte nicht

Viele werdende Mütter kennen ihre Rechte nicht

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Ein Blick auf einen sogenannten Säuglingssimulator: Mit der Baby-Puppe können Jugendliche ausprobieren, was es heißt, Mutter zu sein. Das Baby hat einen eingebauten Computer und registriert Zuneigung, fehlende Aufmerksamkeit oder grobe Behandlung. Foto: ddp

Kreis Heinsberg. 497 Ratsuchende, darunter 161 Frauen, die einen Schwangerschaftsabbruch erwogen, haben sich im vergangenen Jahr mit Fragen rund um Schwangerschaft, Geburt und Sexualität an das Team der AWO-Beratungsstelle für Schwangerschaftskonflikte, Familienplanung und Sexualität in Hückelhoven gewandt. Insgesamt gab es 1144 Beratungskontakte.

182 Schwangeren in finanziellen Notsituationen konnte aus der Bundesstiftung „Mutter und Kind - Schutz des ungeborenen Lebens” Unterstützung gewährt werden. Dies berichtete jetzt die Arbeiterwohlfahrt im Kreis Heinsberg.

„Bei den Beratungen merken wir immer wieder, dass viele werdende Mütter ihre Rechte nicht kennen”, hat Diplom-Sozialarbeiterin Birgit Goertz festgestellt. „Die Regelungen des Mutterschutzgesetzes sind oft unbekannt, viele geringfügig Beschäftigte befürchten sogar, wegen der Schwangerschaft ihre Arbeit zu verlieren, da sie nicht wissen, dass der Kündigungsschutz für Schwangere auch für sie gilt.”

Die 161 Frauen, die wegen einer ungeplanten Schwangerschaft Rat suchten, gaben eine bereits abgeschlossene Familienplanung und ihre berufliche Situation, mit der ein (weiteres) Kind nicht zu vereinbaren sei, als häufigste Ursachen für ihren Konflikt an. Dies geht aus der Jahresbilanz der Beratungsstelle hervor.

Auch das Thema Verhütung wird bei der Schwangerschaftskonflikt-Beratung angesprochen, denn „beispielsweise sind Anwendungsfehler im Umgang mit Kondomen nicht selten Ursache für die ungeplante Schwangerschaft”, so Birgit Goertz. Frauen beziehungsweise Paare im Hartz-IV-Bezug geben aber auch häufig an, dass ihnen das Geld für sichere Verhütungsmittel fehle.

Auch in der Prävention waren die Mitarbeiter der AWO-Beratungsstelle aktiv: In 40 Gruppenveranstaltungen konnten etwa 668 Kinder, Jugendliche und Erwachsene erreicht werden. Die sexualpädagogische Arbeit in Kitas, Schulen und Einrichtungen der Jugend- und Behindertenhilfe drehte sich unter anderem um die Themen Verhütung, Pubertät, Sexualität und Behinderung, Gewalt und sexuelle Übergriffe sowie körperliches Selbstbestimmungsrecht.

„Besonders hervorzuheben ist die intensive Zusammenarbeit mit der Rurtalschule und der Lebenshilfe”, freute sich Birgit Goertz darüber, dass die Beratungsstelle dort als kompetenter Ansprechpartner zum Thema Sexualität und Behinderung betrachtet werde und wieder eine wöchentliche Mädchen-AG zu „Freundschaft, Liebe, Sexualität” anbieten konnte.

Ein besonderes Instrument, um Jugendliche das Leben mit einem Baby rund um die Uhr realistisch erleben zu lassen und dadurch die Verantwortung für die eigene Sexualität zu fördern, ist die Babysimulationspuppe.

Sie wurde im vergangenen Jahr angeschafft und entspricht in Größe und Gewicht einem Neugeborenen. In individuell programmierbaren Intervallen verlangt sie, dass man sie füttert und aufstoßen lässt, Windeln wechselt, sie beruhigt und im Arm wiegt.

Jugendliche, die ein „Elternpraktikum” durchführen, haben ein Armband mit einem Chip am Handgelenk, wodurch das „Baby” die Pflegeperson erkennt. Der Babysimulator kann also nicht einfach an Freunde oder Eltern abgegeben werden, sondern muss von der verantwortlichen Person gepflegt und betreut werden.

Nach Ende des zwei- bis dreitägigen Elternpraktikums kann die Versorgung des „Babys” mit Hilfe eines Steuergeräts ausgelesen werden.

Die AWO-Beratungsstelle für Schwangerschaftskonflikte, Familienplanung und Sexualität in Hückelhoven, Bauerstraße 38, ist telefonisch von montags bis freitags von 8 bis 16 Uhr unter Telefon 02433/901701 zu erreichen.
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