Versprochen und gehalten: „Konditor” Jürgen Becker in Erkelenz

Von: mb
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Erkelenz. „Dann wollen wir uns mal einen schönen Abend machen”, versprach Kabarettist Jürgen Becker beim Betreten der Bühne in der vollbesetzten Stadthalle in Erkelenz und, um es gleich vorweg zu sagen: Becker hielt Wort.

Dieses Mal wandte er sich den schönen Künsten zu und präsentierte sein Programm „Der Künstler ist anwesend.” Bereitwillig folgte ihm sein Publikum in Höhen, Tiefen und Untiefen von Kunst- und Zeitgeschichte.

Becker suchte Kunst, die zu einem braunen Ecksofa passt, beschrieb Künstler, die Bilder malen und am Tisch riechen und versicherte, dass in seinem Flur ein röhrender Hirsch hängt. Der aufmerksame Zuhörer konnte eine Menge lernen: Das schönste und femininste Wesen in Berlin ist nicht Wowereit, sondern Nofretete, Rubens hat in Köln Trude Herr getroffen und Caspar David Friedrich hatte beim Malen immer Glück mit dem Wetter.

Erstaunliche Zusammenhänge machen Kunstverständnis ganz einfach. Becker ließ sein Publikum teilhaben an einem reichen Wissens- und Erfahrungsschatz über Kunst und Kunstgeschichte, über Kirchen und Kirchengeschichte, über Leben und Lebensgeschichten. Sein Publikum ist ihm zutiefst sympathisch und dafür liebt ihn sein Publikum.

Die meisten Zuschauer waren Wiederholungstäter und kennen auch seine anderen Live-Programme. Sie bewundern seine Intelligenz, rühmen seinen Weitblick, mögen seine Menschlichkeit und fragen sich, wie man so viel Text auswendig behalten kann. Rubens und Rembrandt, Rösler und Roth, Ägypter und Griechen, Bohlen und Bayern München, die Themen sind vielfältig und Becker beherrscht die Kunst, daraus eben keinen Eintopf zu kochen. Immer ist sein Urteil wortgewandt und messerscharf. Gepaart mit der weltmännischen Gelassenheit des gemeinen Kölners entstehen Weisheiten wie „Man muss auch mal was ignorieren können” und „Wenn der Umsatz stimmt, ist Toleranz kein Problem”.

Eine ganz wichtige Frage wurde zum Schluss geklärt. Ist das Kunst oder kann das weg? Natürlich wusste Becker die Antwort: Kunst ist es immer dann, wenn es von der renommierten Spedition Hasenkamp aus Köln transportiert wird.

Wie immer bei Jürgen Becker endete der Abend mit Freibier, Kölsch für sein Publikum. „Trinken Se schnell aus, sonst wird et Alt”, scherzte der Künstler, denn der Künstler war anwesend.

Nicht Becker, sondern Konditor sollte er heißen, denn sein Programm war ein absolutes Sahneschnittchen.
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