Versöhnlicher Dialog mit dem Tod: Moderator Domian in Heinsberg

Von: GK
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Moderator Jürgen Domian mit G
Moderator Jürgen Domian mit Gastgeber Markus Mesche von der Buchhandlung Gollenstede. Foto: GK

Heinsberg. Dass bei den Autorenabenden in der Buchhandlung Gollenstede ein stets aufmerksames Publikum sitzt, ist man gewohnt. Doch diesmal war es anders. Schon die Anzahl der Gäste lies vermuten, dass hier ein besonderer Literat erwartet wurde.

In der Tat ein bekannter, doch weniger wegen seiner Schreibe, als vielmehr durch seinen Bekanntheitsgrad von Rundfunk und Fernsehen. Domian, der Night-Talker, der Moderator des WDR, der sich Nacht für Nacht am Telefon „live” die Geschichten, Passionen und Probleme wildfremder Menschen anhört und „behandelt”, war gekommen, sein neues Buch vorzustellen.

„Er habe in den rund 20.000 Interviews seiner Sendung seit 1995 Einen noch nicht am Mikrofon gehabt: den Tod”, so Domian. Dabei fasziniert den gelernten Journalisten und auch den Privatmann Jürgen Domian der Tod schon sein Leben lang. Und so beginnt er sein Buch mit der Beschreibung, wie es zu zu dem Buch gekommen ist. Nachvollziehbar und ausführlich legt der Autor dar, wie das Thema Tod seinen Lebensweg begleitet. Er schreibt von Ängsten und Selbstzweifeln und wie er dadurch zu einer zeitweise aufopfernden Religiosität kam.

In seinem Buch wechseln sich Beschreibungen, Passagen seines Lebens ab mit Gesprächsprotokollen der Unterhaltung mit dem Tod. Man erfährt, wie sich der jungen Jürgen Domian vom Christentum abwendet, von der Verwirrung, der Suche und dem Finden neuer Inhalte. Und von den ersten hautnahen Begegnungen mit dem Tod? Daraus resultierten Fragen. Fragen, die vermutlich vielen von uns durch den Kopf gehen. Wer aber soll sie beantworten, wenn nicht der, an den sie gerichtet sind?

So machte sich der Autor akribisch an die Arbeit zu recherchieren, über ein Jahr lang. Und er fand Antworten, etwa bei den großen Mystikern oder auch im Zen-Buddhismus. So entstand ein Buch von außergewöhnlicher Strahlkraft. Von einer Aussage, die einerseits erschreckt, andererseits durch große Klarheit verblüfft und zur Auseinandersetzung zwingt.

In der Dramaturgie seiner Lesung spricht Domian den Tod direkt an. Die Antworten kommen aus dem „Off”, dem Lautsprecher, mit der Stimme des Schauspielers Michael Mendl.

Der Autor stellt die Fragen, die Menschen schlechthin bewegen. Die Antworten, lakonisch, klar und ohne Umschweife, sind zum Teil erschreckend. Domian hakt nach. Der Tod bleibt unerbittlich. Es gibt kein Verhandeln. Dabei verbreitet die Botschaft Hoffnung, wenn man sie nur richtig versteht. Fragen nach der Zeit, nach Glück, Gott und Liebe, nach Barmherzigkeit, bei all dem Leid in der Welt. Der Tod bleibt, mit dem Jahrtausende alten Wissen der Mystiker, keine Antwort schuldig. Und wird zum Schluss doch überraschend versöhnlich.

Domians Abend, den er selbst mit einer Pause unterbrach, um sich mit dem Publikum über das Thema zu unterhalten, war zugleich eine Begegnung mit den eigenen Ängsten und Unsicherheiten, die im Verlaufe des Programms „geerdet” wurden. Ein Abend, der im Nachhinein zum Nachdenken anregt, mit einem außergewöhnlichen Gast, zu einem gar nicht so außergewöhnlichen Sujet. Man muss sich nur trauen hinzuschauen.
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