Kreis Heinsberg - „Verrücktes Blut“ ist beeindruckend

„Verrücktes Blut“ ist beeindruckend

Von: mabie
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Wild geht es her in der Schulklasse, die im Theaterstück „Verrücktes Blut“ vom Berufskolleg Ernährung – Sozialwesen – Technik in Geilenkirchen gezeigt wurde. Foto: Markus Bienwald

Kreis Heinsberg. Sonia Kelich ist Lehrerin. Ein Job, der ihr täglich die Hölle auf Erden bereitet. Sie will die Kinder davon überzeugen, dass es gut ist, etwas zu lernen, aber keiner hört ihr zu. Bis zu jenem Tag im Literaturunterricht, als ihr bei einem Handgemenge in der Klasse eine Pistole in die Hand fällt.

Plötzlich zeigt die eigentlich zurückhaltende junge Frau, was alles hinter ihrer Fassade steckt. Sie dreht den Spieß um, hat die Zügel in der Hand und lässt die Schüler nach ihrem Willen tanzen. So zeigte es der Literaturkurs vom Berufskolleg Ernährung – Sozialwesen – Technik in Geilenkirchen am Berliner Ring in seinen Aufführungen des Theaterstücks „Verrücktes Blut“.

In einer szenischen Vorstellung wurden die Akteure dieses ganz besonderen Kammerspiels vorgestellt. Deftig, mit ausgestrecktem Mittelfinger und obzönen Gesten, zeichneten sie ein Bild dessen, was sich wohl täglich in einer multikulturell zusammengewürfelten Klasse abspielen könnte. Da gibt es Mariam (Sarina Zillgens), die mit einem Tuch ihren Leib verhüllt, sonst aber eine lose Zunge hat.

Oder Latifa (Gina Bräuer), die rosa gewandete Queen der Klasse, und Bastian (Arndt Vinken) den Oberclown der Klasse, deren Lehrerin Sonia Kelich (Elena Donners), am Rande der Verzweiflung stehend, versucht, ihren Stoff durchzukriegen. Das ändert sich schlagartig, als ihr die Waffe in die Hände fällt. Ein paar Schüsse hallen durch den Raum, und die Schüler beginnen, zu lernen.

Auf dem Boden kauernd und vor Angst zitternd, lernen die Kinder mit Migrationshintergrund, warum Schillers „Die Räuber“ oder „Kabale und Liebe“ immer noch hochaktuell sind. Und sie lernen, was es heißt, täglich mit Mut und Kraft gegen Menschen aufzustehen, denen Respekt und Lernfähigkeit abhanden gekommen sind. Umgekehrt findet die Lehrerin aber auch den Zugang zu ihren Schülern, zu dem Leben, das sie zu dem werden ließ, was sie in der Schule darstellen.

Dank der energiegeladenen Jugendsprache lebte das vom türkischen Autor Nurkan Erpulat geschriebene Stück von der Dynamik schneller Schnitte und dem Dahingleiten klassischer Texte. Steffi Claßen und Leonhard Delnui sorgten mit ruhiger Hand für eine tolle Regie in diesem teils wilden Stück. Und so konnten sich die Schüler, wie auch ihre großartige Crew im Hintergrund, sicher sein, dass sie bei den beiden Aufführungen in der Aula der Schule nicht nur den Menschen, seinen Sozialraum und den unverstellten Blick auf Vorgespieltes und Wahres dargestellt, sondern ein beeindruckendes Stück auf der Bühne umgesetzt hatten.

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