Selfkant/Geilenkirchen - Vermisste Dorota: Leichenhunde suchen auf leerem Gehöft

Vermisste Dorota: Leichenhunde suchen auf leerem Gehöft

Von: Daniel Gerhards
Letzte Aktualisierung:
15572064.jpg
Leichenspürhunde aus Belgien suchen derzeit in Süsterseel und Geilenkirchen nach der vermissten Dorota Galuszka-Granieczny. Die Tiere der der beiden Belgier Michele Carbone (Bild) ... Foto: Daniel Gerhards
15571977.jpg
... und Patrick De Cock (Bild) blieben am Wochenende aber zunächst erfolglos. Foto: Daniel Gerhards
15571980.jpg
Mehr als ein Jahr nach dem Verschwinden der damals 29-jährigen Frau ... Foto: Daniel Gerhards
15571982.jpg
... geht die privat organisierte Suche weiter. Foto: Daniel Gerhards
15571979.jpg
Agata Galuszka, die Zwillingsschwester der Vermissten, hatte die Spezialisten gebeten, auf dem Gelände eines leerstehenden Hofes in Geilenkirchen zu suchen. Foto: Daniel Gerhards

Selfkant/Geilenkirchen. Die Hunde stecken ihre Nase überall hinein. Sie schnüffeln zwischen Sträuchern, in offenstehenden Garagen unter Wassertanks. Patrick De Cock und Michele Carbone folgen den Tieren auf Schritt und Tritt. Schlagen die Hunde an, könnte das eine neue Spur in einem Fall sein, in dem die offiziellen Ermittlungen zum Stillstand gekommen sind.

De Cock und Carbone kommen aus dem belgischen Diepenbeek. Sie sind keine Polizisten. Aber sie und ihre Hunde von der Such- und Rettungshundevereinigung „Luky“ sind darauf spezialisiert, Vermisste zu finden. Am Samstag haben sie erneut nach der Leiche von Dorota Galuszka-Granieczny aus Süsterseel gesucht.

Komplizierter Fall

Für die Staatsanwaltschaft und die Mordkommission ist die Akte Dorota vorerst geschlossen. Es gibt keine heiße Spur. Keine neuen Hinweise. Solange das so bleibt, bleibt das Verfahren eingestellt. Damit will sich weder die Familie der Vermissten noch eine Gruppe polnischstämmiger Menschen aus dem Kreis Heinsberg abfinden.

Agata Galuszka, die Zwillingsschwester von Dorota, und Johanna Balla, die sich dafür einsetzt, dass die Suche weitergeht, hatten De Cock und Carbone gebeten, mit ihren Hunden nach Süsterseel zu kommen. Sie wollen endlich wissen, was am Abend des 18. Oktober 2016 passiert ist. Seitdem ist Dorota Galuszka-Granieczny verschwunden. Ob sie umgebracht wurde oder einfach auf Nimmerwiedersehen gegangen ist, kann derzeit niemand mit Sicherheit sagen.

Am Samstagmorgen wird erst einmal geredet. Welche Erkenntnisse gibt es? Wie kann man herausfinden, was in den Polizeiakten steht? Und wenn Dorota umgebracht wurde – wie könnte man das Verbrechen aufklären? Informationen sind für Patrick De Cock das Wichtigste in diesem komplizierten Fall. Er möchte seine Hunde nicht auf gut Glück suchen lassen. „Das bringt nichts. Man kann nicht ganz Deutschland absuchen“, sagt er.

Und dann erzählt Agata Galuszka von diesem leerstehenden Hof in Geilenkirchen. Dort habe ihr Mutter gearbeitet. Dorota habe sie dort regelmäßig besucht. Und ihr Ehemann, der von der Polizei verdächtigt wurde, die Vermisste getötet zu haben, kenne diesen Hof. Galuszka untermauert ihren Verdacht mit Hinweisen, die sie von einem Hellseher bekommen hat. Das blendet De Cock aus. Aber bei allem, was sie über den Hof sagt, hört er genau hin. Ein paar Minuten später sitzen De Cock, Carbone, Galuszka und Balla in ihren Autos. Ziel: Geilenkirchen.

Dieser Hof ist so etwas wie ein Strohhalm, an den sich Agata Galuszka und Johanna Balla nun klammern. Es muss vor allem die Hoffnung sein, die sie antreibt. Denn abgesehen davon gibt es in diesem Fall nur ein paar Indizien und eine Menge Vermutungen.

Deshalb muss wohl auch die Mordkommission ihre Arbeit eingestellt haben. Im September war sie noch einmal aktiv geworden, als die Leichenspürhunde von De Cock und Carbone auf einem verwilderten Grundstück in Süsterseel anschlugen. Die Polizei kam mit einem Durchsuchungsbeschluss und einem eigenen Hund. Fand aber nichts.

Ein Jahr voller Ungewissheit

Dass die Ermittler dann wieder gingen, kann Agata Galuszka nicht verstehen. Der Polizeihund schlug nicht an, also gruben die Ermittler nicht. Dabei hätte man das auf diesem Grundstück tun können – ohne viel Schaden anzurichten, sagt De Cock. In anderen Ländern, zum Beispiel in Italien, hätte die Polizei das auch getan, sagt er.

In Geilenkirchen angekommen, starten De Cock und Carbone mit ihrer Arbeit. In das Gebäude kommen sie nicht. Es ist verschlossen. Also suchen sie das Grundstück ab. Dort gibt es einen tiefen Schacht, eine kleine Überdachung, unter der ein Sofa steht, eine Garagentür, die im Wind aufschwingt. Aber keine Spur von einer Leiche. „Wenn hier etwas wäre, hätten die Hunde das gemerkt“, sagt De Cock.

Agata Galuszka schaut sich all das aus der Nähe an. Das macht sie nervös. Aber sie wirkt gefasst. Mehr als ein Jahr lebt sie nun schon mit der Ungewissheit, was mit ihrer Zwillingsschwester passiert ist.

Dabei ist sie sich sicher, dass die damals 29-Jährige umgebracht wurde. Dorota habe mit ihrem Ehemann gestritten. Habe ihn verlassen wollen. Sie habe Geld gespart, um nach Bayern zu ziehen. Habe Pläne für ein Weihnachtsfest in Polen gehabt. Einfach davongelaufen wäre sie niemals. Und deshalb verzweifelt Galuszka daran, dass die Behörden nun nichts mehr tun.

Patrick De Cock und Michele Carbone haben dagegen angekündigt, sich auf weitere Suchaktionen vorzubereiten.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert