„Vergessen und Versunken“: Theaterstück über Demenz

Von: mabie
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Das Setheater aus der Region Maastricht machte im Mehrgenerationenhaus in Übach-Palenberg Station und brachte das Thema Demenz ganz nah an die Zuschauer heran. Foto: Markus Bienwald

Kreis Heinsberg. Was passiert, wenn ein Mensch nicht mehr derjenige ist, den seine Umgebung kennt? Was geschieht, wenn Depression oder Demenz die Sinne einnebeln und die nächsten Angehörigen denjenigen, der vor ihnen sitzt, nicht mehr begreifen?

Antworten auf diese Fragen gab es bei Aufführungen vom Setheater aus den Niederlanden in der Region. So gastierte es auf Einladung vom Demenz-Servicezentrum Regio ­Aachen / Eifel und mit Unterstützung der Alzheimergesellschaft des Kreises Heinsberg und des Projekts euPrevent mit dem Stück „Vergessen und Versunken“ im Übach-Palenberger Mehrgenerationenhaus.

Die zwei Schauspieler verraten nur ihre Vornamen: An und Jos. Sie brauchen nicht viele Requisiten oder gar Kostüme, um das offensichtlich durch eine demen­zielle Erkrankung des Vaters (Jos) gestörte Verhältnis zu seiner Tochter (An) zu skizzieren. Ist es aber wirklich gestört? Oder macht es die Krankheit einfach nur unmöglich, das Band zwischen den beiden zu knüpfen? Erst sprechen beide über Depressionen, dann schlägt das Vergessen, die stete, gebetsmühlenartige Wiederholung von Sätzen und ganzen Situationen erbarmungslos zu.

Trotz der Spielzeit von knapp einer halben Stunde ist das Stück sehr tiefgehend und sehr berührend; ausgesprochen emotional geht es beispielsweise zu, wenn der Vater seiner Tochter vorwirft, seinen Schlüsselbund weggenommen zu haben, obwohl sie es gar nicht gewesen sein kann. Die Szene wiederholt sich vier, fünf und sechs Mal, und immer zeigt sich in der Reaktion der Tochter und dem Mienenspiel des Vaters eine andere Facette des Lebens mit einem demenziell Erkrankten. Da reicht die Gefühlspalette von Wut und Unverständnis über Verzweiflung bis zur Milde des Wissens um den Zustand des anderen. Doch der Moment der Selbsterkenntnis, wenn der Vater einen von ihm selbst geschriebenen Brief entdeckt, den er nie abgeschickt hat, sondern beim Anblick des verschlossenen Briefes in der Wohnung freudig meint, dass er Post bekommen habe, ist unausweichlich.

So zeichnete das Setheater ein gefühlvolles Bild des täglich, ja stündlich sich ändernden Gefühlslebens von Angehörigen, ohne dabei die Sicht der Erkrankten außer Acht zu lassen. Und durch die wirklich starken Darsteller wirkte das Ganze keine Sekunde aufgesetzt, sondern immer eindringlich und schlich sich unter die Haut der beeindruckten Zuschauer.

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