Gangelt - Urig-mittelalterlicher Empfang an den Toren Gangelts

Urig-mittelalterlicher Empfang an den Toren Gangelts

Von: Karl-Heinz Hamacher
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Aus dem Rittergeschlecht derer
Aus dem Rittergeschlecht derer von Zeise stammen die, die für Monika Tholen (rechts) und ihre Gäste den Einzug ins Dorf erschweren.

Gangelt. Ob es den Gästen aus Spanien wohl ganz geheuer war, als ihnen da am hereinbrechenden Abend der Zugang ins Dorf am Bruchtor von einem Haufen lautstark lamentierender Ritter versperrt wurde?

Die Familie Balleroteros war aus Talavera del la Reina nach Gangelt gekommen und damit einer Einladung von Frauke Fiedler gefolgt, die wiederum im Juli 2011 mit rund zwei Millionen Menschen aus der ganzen Welt beim Weltjugendtag in Madrid war, um dort unter anderem mit Papst Benedikt eine Messe zu feiern. Von den verschiedenen Gastfamilien, in denen Frauke Fiedler gewohnt hat, war sie bei den Balleroteros besonders herzlich aufgenommen worden.

Auf dem Programm für die fünfköpfige Familie stand dann unter anderem eine Stadtführung mit Monika Tholen, bei der es zu der besagten Szene am Bruchtor kam. Die Sprachbarriere - die Balleroteros sprechen ausschließlich Spanisch - hatte Frauke Fiedler umschifft, in dem sie den Tholen-Vortrag ins Spanische übersetzen ließ und so den Gästen zumindest in groben Zügen die Geschichte des alten Städtchens näher zu bringen.

Für Monika Tholen ist das ein blendendes Beispiel dafür, wie sich Freundschaften über Ländergrenzen entwickeln und letztlich ja so auch dem Europagedanken Rechnung getragen wird. Waren die Spanier begeistert von den alten Gemäuern, so kann die Gangelter Stadtführerin davon erzählen, wie gerne sich Osteuropäer in den historischen Kostümen fotografieren lassen.

Beim Verifikationsamt in Geilenkirchen sind immer wieder solche Gruppen zu Gast, die dann auch schon mal den Weg nach Gangelt finden und an den Touren von Monika Tholen teilnehmen.

„Das ist alles in allem so gut angekommen, dass man das den Gästen, die oft zu Sprachkursen anreisen, regelmäßig anbieten will”, so Monika Tholen. Sie hat die Informationen zu ihrer Tour zwar auch in englischer Sprache vorliegen. Damit kann man allerdings kaum jemanden aus dem Osten erreichen. Dann ist es eben der Deutschlehrer, der den Tholen-Text entsprechend übersetzt.

In den Jahren, die Monika Tholen jetzt als Stadtführerin durch die Historie des Ortes führt, war ihr bei den vielen tausend Menschen, die ihr in der Zeit gefolgt sind, immer ein Gedanke ganz wichtig: „Neue Menschen kennen zu lernen, die Zufallsbegegnungen auszubauen, eventuell neue Freundschaften reifen zu lassen und diese dann zu pflegen”, sei ein ganz besonderer Aspekt ihrer Arbeit. „Es ist immer ein glückliches Gefühl, wenn die Wellenlänge zwischen mir und meinem Gegenüber passt.”

Ob Mitglieder aus einem niederländischen Geschichtsverein, zu denen persönliche Bande geknüpft werden, der freie Journalist, der sich plötzlich nicht nur für die Geschichte Gangelts interessiert, sondern mehr über die Arbeit von Monika Tholen erfahren will, oder die Gruppe aus Rupelmonde, die im September in Gangelt zum Ritterfest erscheinen wird und selber in Kostümen an der Stadtführung teilnehmen möchte: „Diese Besonderheiten sind für mich ein ganz wichtiger Aspekt!”

Über den Gangelter Tellerrand hinaus blickt Monika Tholen allerdings auch regelmäßig. Viele Städte haben Stadtführer; einige bekannte, geschichtsträchtige Orte sogar gleich im Dutzend.

Ob im thüringischen Mühlhausen oder in Rothenburg ob der Tauber: Kontakt zu den dortigen geschichtskundigen Führern ist immer schnell hergestellt, und dann beginnt oft ein reger Gedankenaustausch.

Die aktuelle Hellebarde, die Monika Tholen bei ihren Führungen seit Neustem trägt, ist ein Souvenir aus Rothenburg ob der Tauber. Die kam allerdings nicht bei der Rodebachführung in der vergangenen Woche zum Einsatz.

Dabei ging es um den herrlichen Naturpark und die Wassermühlen, die einst das Bild dieser Region prägten.

Ach ja, unnötig zu erwähnen, dass zwischen den Mühlengedichten von Peter Staas, dem Naturerlebnis und dem herrlichen Sonnenuntergang auch wieder vorerst zarte Bande der Freundschaft geknüpft wurden.
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