Unabhängige Wähler stellen Fraktion mit Selbstbewusstsein

Von: Wilfried Rhein
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Die Gratulanten kamen im Sekundentakt. Bernhard Tholen (vorn rechts) wurde - wenngleich ohne Konkurrenz - mit 80,7 Prozent der Stimmen zum Bürgermeister von Gangelt bestätigt. Foto: Karl-Heinz Hamacher

Gangelt. „Damit war bei dieser niedrigen Wahlbeteiligung nicht unbedingt zu rechnen”, verwundert es auch nach einer kurzen Nacht den Fraktionssprecher Heinz Huben. Die unabhängigen Wähler (UB) sind drittstärkste Kraft im Gemeinderat geworden.

57,4 Prozent der aufgeforderten Wähler gaben ihre Stimme ab, 11 Prozent davon der UB.

Das verpflichtet. Zwei Jahre, sagt der 62-Jährige, habe man ja schon erfolgreich gearbeitet. „Die Wähler honorieren das”, ist sich Heinz Huben sicher. Deshalb soll das System bürgernaher Politik ausgebaut werden. „Wir haben drei Mandate - und setzen noch drei sachkundige Bürger für die Ausschüsse drauf”, kündigte Heinz Huben am Montag auf Anfrage an.

Die UB-Fraktion möchte für jeden Sachbereich der Gemeindepolitik kompetente Berater vorzeigen. Von den Schulen über die Finanzen bis zu Bau- und Umweltfragen. Heinz Huben glaubt mit dieser Strategie gut punkten zu können. Auch bei der Mehrheit: „Unser Einfluss wächst. Die CDU wird wissen, wie gut wir fachlich besetzt sind.”

„Gute Vorschläge anderer sollten wir durchaus akzeptieren”, kommt Karl-Heinz Milthaler mit seiner Grundhaltung als CDU-Fraktionschef zukünftigen politischen Debatten entgegen. Die Mehrheitspolitik im Gemeinderat habe sich aber schon ausgezahlt, so wolle man fortfahren. Die Wählerwanderung unter den Parteien sei eindeutig gewesen.

Dennoch war auch die CDU gespannt, räumt Karl-Heinz Milthaler ein, ob sie Verluste erleiden würde. Die waren mit 0,7 Prozent wirklich überschaubar; die Christdemokraten errangen - jetzt wieder - alle 16 Direktmandate sowie fünf Sitze aus der Reserveliste. „Damit haben wir unsere Wahlziele deutlich erreicht.”

Absolut „nicht begeistert” reagierte Tag eins nach der Wahl Freidemokrat Dieter Görtz: „Wir haben einen Fraktionssitz verloren - deutlich an die UB.” Die FDP kassierte mit 8,4 Prozent auch die wenigsten Stimmen. Über Konsequenzen daraus werde man in den nächsten Tagen reden, kündigte Dieter Görtz an.

Es bleibe bei der Richtung, Gangelt als Bildungsstandort zu stärken, Steuern und Gebühren anzupassen. „Bei den Friedhöfen haben wir Unterdeckung, beim Wasser sind die Abgaben zu hoch. Das muss geändert werden”, sieht der FDP-Sprecher Ziele. Aber auch wie die Fraktion das personell umsetzen sollte, wird Thema der Runde sein, die sich über „Konsequenzen” bespricht.

Solche stehen bei der SPD schon fest. Cornelius Formen gibt den Vorsitz der Fraktion auf. Das aber nicht in Folge des Wahlausgangs. „Natürlich war es schon überraschend für uns: Zwei Sitze sind klar an die UB gegangen.” Heißt von sieben auf fünf, weil die Stimmenausbeute von 23 auf 15,2 Prozent sank.

Wie die Sozialdemokraten mit den neuen Verhältnissen im Rat umgehen werden, soll in Kürze Inhalt einer Fraktionssitzung sein. Dann werden auch Namen für die Führungsposition genannt, so Cornelius Formen. Der 54-Jährige will Politik für seine Gemeinde und sein persönliches sozialpolitisches Engagement verquicken; Letzteres hält ihn lange auf Trab. Nun will er Prioritäten setzen.

Ein paar Stunden hatte auch Bernhard Tholen am Sonntag in der Natur zugebracht. Alle Haushalte, so ein Wahltags-Gag der CDU, sollten am frühen Morgen des 30. August frühstücksfertige Brötchen vor der Haustür finden. In vier Backstuben herrschte nächtlicher Betrieb, und die CDU-Kandidaten einschließlich Bürgermeister teilten persönlich aus. Die rund 900 Backstücke in Stahe hatte Bernhard Tholen verteilt.

Alles in allem: „Ein guter Wahlkampf, der mir aber mit einem Gegenkandidaten noch mehr Spaß gemacht hätte.” Die Bürger wären für eine kontinuierliche Politik empfänglich, erkennt der Ratsvorsitzende. „Sie wissen, dass es sinnvoll ist, regional zu denken und zu handeln.” Das auch mit den neukonstruierten Ratsgruppen umzusetzen, darin sieht Bernhard Tholen kein Problem. „Ich werde mit jeder Fraktion gut zusammenarbeiten, die es gut mit der Gemeinde meint.”
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