Umsiedler: Artenschutz beeinträchtigt Standortsuche

Von: hewi
Letzte Aktualisierung:
Auf der Suche nach einer neuen
Auf der Suche nach einer neuen Heimat: Die von der Umsiedlung betroffenen Bürger von Keyenberg, Kuckum, Unter- und Oberwestrich sowie Berverath schauten sich zunächst bei Venrath um. Dort könnte ihr neuer Ort liegen. Foto: Kerkhoff

Erkelenz-Keyenberg. Die Suche des Standortes der fünf Ortschaften, die in der nächsten Phase dem Braunkohletagebau Garzweiler II weichen müssen, ist im vollen Gange.

Am Samstag starteten interessierte Umsiedler aus Keyenberg, Kuckum, Unter- und Oberwestrich sowie Berverath von der Keyenberger Grundschule aus in drei Bussen, um die beiden bei Venrath liegenden Umsiedlungsstandorte vor Ort in Augenschein zu nehmen. Obwohl es um die zukünftige Heimat von über 1100 Bürgern geht, waren nur knapp 80 Interessenten zu der Exkursion und anschließenden Diskussion erschienen.

Der Leitbildprozess wird von den beiden Städteplanern Uli Wildschütz und Professor Rolf Westerheide von der RWTH Aachen begleitet. Insgesamt werden bis zur Entscheidung über den zukünftigen Standort sieben Suchräume ins Auge gefasst und nach ihren standortspezifischen Vor- und Nachteilen untersucht. Zunächst standen die Varianten Venrath West und Venrath Ost auf der Tagesordnung. Beide Varianten sehen eine Anbindung der Umsiedlungsstandorte an den Ort Venrath vor. Dabei solle aber der individuelle Charakter der Ortschaften weitestgehend erhalten bleiben, wie Wildschütz hervorhob. Auf rund 62 Hektar würden insgesamt 1130 Umsiedler Platz finden. Dabei spielen die Natur und das Element Wasser eine wichtige Rolle. Ein großzügiger Grünbereich, der in Richtung des Baumschulparks offen sei, komme dabei dem Bedürfnis nach Grün entgegen.

Zu klären wären jedoch eine notwendige Umlegung der K 30, die sonst durch den neuen Ort führen würde, sowie das Thema Lärmschutz in Richtung der Autobahn, die am neuen Siedlungsstandort vorbeiführt. Östlich von Venrath wird es schon knapper, denn sowohl die Kommunalgrenze nach Mönchengladbach als auch der Golfplatz und die Nähe zum Tagebauloch engen den möglichen Siedlungsraum ein.

Der Tagebau soll von 2024 bis 2030 nur wenige hundert Meter an den neuen Ortschaften vorbeiführen. Eine Aussicht, die bei den meisten Teilnehmern der anschließenden Diskussion in der Keyenberger Mehrzweckhalle auf wenig Gegenliebe stieß.

Dass bestimmte Voraussetzungen wie Lärmschutz- und Umweltverträglichkeitsgutachten erst nach der Entscheidung über den Standort in Auftrag gegeben werden könnten, betonte Professor Rolf Westerheide. Er erklärte auch, dass jeder der noch zu besuchenden Standorte im Stadtgebiet individuelle Vor- und Nachteile habe, über die man noch zu diskutieren habe. In Venrath seien dies neben einer Hochspannungsleitung und der K 30 auch die Nähe zur Autobahn und zum Tagebau mit den zu erwartenden Belastungen. Derzeit seien noch keine befriedigenden Antworten möglich, erklärte Westerheide. Seitens der Umsiedler kam daher Skepsis auf, denn auf „vage Aussagen hin” könne man sich nicht entscheiden.

Die Resonanz war dementsprechend durchaus geteilt. Während einige der zukünftigen Umsiedler durchaus Gefallen am Standort und der Nähe zum Golfplatz und zu Mönchengladbach zeigten, wurden auch Stimmen laut, die beide Venrather Standorte als „indiskutabel” bezeichneten. Ausschlaggebend waren die Nähe zum Loch und der Segelflugplatz Wanlo, der eine Erweiterung auf Ultraleichtflugbetrieb anstrebt.

Dass jede Planung nur schöne Theorie ist, wurde klar, als Westerheide und der technische Beigeordnete Ansgar Lurweg erklärten, dass der Artenschutz alle Überlegungen aushebeln könnte. Denn wo Feldhamster oder andere schützenswerte Arten leben, kann nicht gesiedelt werden. Diese Aussage rief den betroffenen Ratsherrn der Grünen, Hans-Josef Dederichs, auf den Plan: „Wenn wir schon von Artenschutz sprechen, dürfte diese Umsiedlung gar nicht stattfinden.”

Kritik der Umsiedler wurde auch angesichts der Tatsache laut, dass sich RWE-Mitarbeiter in die Busse „eingeschlichen” hatten, von denen man sich bespitzelt fühlte. Ungestört diskutieren werden die Umsiedler am Dienstag, 20 März, ab 19.30 Uhr beim Umsiedlerstammtisch im „Ziegenstall” in Kuckum. Der soll nun einmal im Monat abwechselnd in Kuckum und Keyenberg stattfinden und den Betroffenen zur Meinungsfindung dienen.

Bei Kückhoven geht die Suche weiter

Am 31. März findet in der Keyenberger Mehrzweckhalle das dritte Forum mit Busexkursion statt, in dem es um den Suchraum Kückhoven und seine beiden Standorte geht.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert