Überschwemmungsgebiet: Wird am Saeffelbach neu gerechnet?

Von: Karl-Heinz Hamacher und Thorsten Pracht
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Mitten zwischen der Bebauung schlängelt sich der Saeffelbach durch Schierwaldenrath und Langbroich. Meist ist er trocken und so zugewachsen wie auf unserem Foto. Foto: Karl-Heinz Hamacher

Gangelt. Unscheinbar und vor allem unauffällig fließt der Saeffelbach durch die Gangelter Ortsteile Langbroich und Schierwaldenrath – wenn er überhaupt fließt. Denn nur selten führt er Wasser. Selbst Alteingesessene können sich nicht daran erinnern, dass das Bächlein, das durch die beiden Orte in den Selfkant nach Saeffelen fließt, einmal gefährlich über die Ufer getreten wäre.

Vor etwa einem Jahr wurden aber die Anwohner der Bröker-, Quell-, Brauerei- und Mittelstraße, sowie die der Straßen Im Heggen, Schulsteg und Erlenbruch im Amtsblatt darauf aufmerksam gemacht, dass der teils unmittelbar an ihren Häusern vorbeifließende Bach ein Überschwemmungsgebiet braucht. Am 23. Dezember 2013 setzte die Bezirksregierung Köln das Überschwemmungsgebiet für den Saeffelbach mittels einer ordnungsbehördlichen Verordnung fest. Diese umfasst teilweise Flächen, die in der Zukunft bebaut werden sollen. Und genau das ist jetzt zwar nicht ganz unmöglich, zumindest aber sehr kompliziert.

„Kalte Enteignung“

Die Gangelter CDU-Fraktion, die von betroffenen Bürgern eingeschaltet wurde, befürchtet hohe Wertverluste bei den teils als Bauland erworbenen Grundstücken und spricht von „kalter Enteignung“. Die wirtschaftliche Dimension dieser Entwicklung sei für „Normalverdiener verheerend und existenzgefährdend“. Gangelts Bürgermeister Bernhard Tholen ist ein konkreter Fall bekannt, bei dem ein Bürger lediglich unter der Auflage eine Baugenehmigung erhielt, innerhalb von fünf Jahren eine Ausgleichsfläche zu schaffen. „Das wollen wir so nicht lassen“, sagt Tholen.

Die Verwaltung hat das Aachener Ingenieurbüro Hydrotec damit beauftragt, die Berechnungen der Bezirksregierung zu überprüfen, auf deren Grundlage das Überschwemmungsgebiet festgesetzt wurde. Das Ergebnis wurde im Gangelter Rat vorgestellt: „Das von der Firma Hydrotec erarbeitete Geländemodell kommt zu weitaus geringeren Überschwemmungswerten als von der Bezirksregierung festgesetzt.“

Neue Berechnungen

Tholen erläutert: „Bei den Berechnungen der Bezirksregierung wurde die B56 n nicht berücksichtigt.“ Diese verläuft südlich der Ortschaften und liege bis zu 16 Meter tiefer als das Gelände – ein zusätzliches „Überlaufbecken“ also. Mittlerweile sei ein 3D-Modell entstanden, in dem jede einzelne Mulde verzeichnet ist, die bei einem Überschwemmungsereignis mit Wasser volllaufen würde. Die neuen Berechnungen hat die Gemeinde Gangelt jetzt an die Bezirksregierung geschickt.

Tholen betont, „gemeinsam mit der Bezirksregierung am selben Ziel“ zu arbeiten. Denn die Ausweisung neuer Überschwemmungsgebiete sei prinzipiell eine gute Sache, sie diene dem Hochwasserschutz. Berechnungsgrundlage ist ein Hochwasserereignis, wie es statistisch einmal in 100 Jahren zu erwarten ist.

Die Bezirksregierung hat die Gebiete in einem wahren Mammut-Verfahren neu festgesetzt. Das ist im Sinne der Bevölkerung, heißt aber auch, dass in diesen Bereichen keine neuen Baugebiete ausgewiesen werden dürfen und auch einzelne Bebauungen, zum Beispiel das Schließen von Baulücken, untersagt sind.

Da die Festsetzung längst in Kraft ist, sind die Gangelter in gewisser Weise auf den guten Willen der Bezirksregierung angewiesen. Es könne, da bleibt Tholen Realist, einige Jahre dauern, die Verordnung so zu verändern, dass die Bebauung nicht mehr betroffen sei. Dies soll über zwei Maßnahmen erreicht werden. Zum einen müsse die Bezirksregierung die neuen Berechnungen akzeptieren, zum anderen will Gangelt selbst ein Hochwasserschutzkonzept umsetzen. Dazu gehört der geplante Bau eines Rückhaltebeckens ebenso wie die Ertüchtigung des Bachlaufes des Saeffelbachs. Die CDU plädiert unter anderem dafür, den Bachlauf regelmäßig zu säubern und auf seine alte Tiefe auszubaggern.

Über die Ideen aus dem Gangelter Rathaus ist auch der Kreis Heinsberg informiert. „Der Hochwasserschutz ist von großem öffentlichen Interesse“, sagt Günter Kapell, Leiter des Amtes für Umwelt und Verkehrsplanung. Aber wenn es vor Ort Veränderungen gebe, könne dem Rechnung getragen werden. „Dafür müssen wir den Verordnungsgeber, also die Bezirksregierung, ins Boot bekommen“, sagt Kapell.

Für die Kölner Behörde signalisiert deren Sprecher Oliver Moritz Gesprächsbereitschaft. Gesetzlich sei bei einer 40-jährigen Laufzeit der Verordnung eine Überprüfung alle sechs Jahre vorgesehen, teilt er auf Anfrage mit. Es könnten sich allerdings Veränderungen ergeben, die für eine frühere Neufestsetzung sprechen. „Kommt ein neuer Sachverhalt, dann werden wir das prüfen“, sagt Moritz.

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