Über die Leiter auf die Stute Sarah geklettert

Von: Petra Wolters
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Zum 25. Mal war Lambert Rebig als Sankt Martin in Aphoven unterwegs, dieses Mal auf dem Rücken von Friesen-Stute Sarah. Foto: Petra Wolters

Heinsberg-Aphoven. Viele helfende Hände und sogar eine Treppenleiter waren nötig, um Lambert Rebig aus Aphoven einen Lebenswunsch zu erfüllen: Zum 25. Mal war er zum Martinstag in Aphoven für die Kinder als Sankt Martin unterwegs.

Aber dieses und zugleich sein letztes Mal wollte er dies nicht wie schon 24 Mal zuvor einfach nur zu Fuß erledigen.Ein Pferd sollte her, und auf dem wollte er dann durch Aphoven reiten.

„Sankt Martin ritt durch Schnee und Wind, heißt es doch in dem Lied, und hier latscht der dann zu Fuß”, erklärte er sein Ziel, doch zumindest zu seinem silbernen Jubiläum den heiligen Mann wenigstens einmal ganz stilecht darzustellen. Gesagt, getan. In Myhl fand er Pferdebesitzer, die bereit waren, ihn zu unterstützen.

Sogar zu einer Reitstunde machte sich der 76-Jährige zunächst dorthin auf den Weg. „Man muss ja auch mit dem Pferd mal sprechen”, war er sich danach sicher, gut gerüstet zu sein für den Martinszug auf dem Rücken von Friesen-Stute Sarah.

Was ihn überhaupt bewogen hat, so viele Jahre als Sankt Martin durchs Dorf zu ziehen?

„Ich bin halt Vereinsmensch”, sagt er. „Kirchenchor, Trommlerkorps, Schützen, dreimal König, das ergibt sich dann eben so. Aber langsam muss ich mich ein wenig zurückziehen”, erklärt er. Das Laufen bereite ihm Schwierigkeiten, räumt er ein. Was den Martin angehe, da habe er seinen Nachfolger schon „ausgeguckt”. Einen Namen nennt er allerdings noch nicht.

Wie es für ihn in den 80er Jahren begann, daran erinnert er sich noch genau. Der Präsident der Schützenbruderschaft habe ihn damals überredet. Er übernahm das Unterkleid und den Chormantel, der vom Pfarrer zur Verfügung gestellt worden war. „Perücke und Bart habe ich mir neu gekauft. Und die Mitra habe ich selbst gemacht. Sie drückt ein bisschen, aber sie muss ja fest sitzen”, schmunzelt er. Hinzu kommt eine riesige Nickelbrille - ohne Gläser.

„Man muss einfach Spaß daran haben”, erklärt Rebig. „Als Nikolaus war ich ja auch schon unterwegs.” Und wenn die Kinder Angst haben? „Da muss man halt ganz ruhig mit ihnen sprechen oder sich ganz zurückhalten”, so seine Erfahrung. Schade findet er, dass die Kinder heute im Zug nicht mehr so kräftig singen wie früher. „Das hat sehr nachgelassen.” Einmal hat ihm ein Kind ein selbst gemaltes Bild geschenkt. „Das habe ich immer noch.”

Ausgefallen ist der Zug in den vergangenen 25 Jahren noch nie. „Geregnet hat es schon mal”, erinnert er sich. „Aber gezogen sind wir immer.” Und erkannt worden ist er auch noch nicht. „Einmal als Nikolaus, da wäre es fast passiert”, lacht er. Sein Enkel habe gemeint, seine Schuhe gesehen zu haben. „Beim nächsten Mal habe ich dann ganz alte angezogen”, erzählt er. „Mein Enkel hat gleich wieder auf die Schuhe geguckt - aber nix gesagt.”

Rebig denkt gerne an die alten Zeiten zurück, vor allem aber schon jetzt an diesen, seinen letzten Martinszug. „Die Leute haben gestaunt, dass ich auf einem Pferd saß”, erzählt er stolz. „Ich hoffe sehr, dass der Sankt Martin nächstes Jahr auch wieder durch Aphoven reitet.”
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