Über 40 Kilo runter und dann die Halde rauf

Von: Pia Wilbrand
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Veronika Muhlmann-Groten bei ihrem täglichen Lauftraining mit Labrador Buster. Foto: Pia Wilbrand

Hückelhoven-Millich. Größe: 1,63 m, Gewicht: 67 Kilo, Markenzeichen: bunte Kopftücher, Laufpartner: Labradorrüde Buster - aufmerksamen Beobachtern wird diese Erscheinung in Millich schon öfter aufgefallen sein, denn seit anderthalb Jahren läuft Veronika Muhlmann-Groten aus Millich so jeden Tag ihre Runden. Doch das war nicht immer so.

Im Oktober 2007 wog das heutige Energiebündel noch 110 Kilo. Ans Laufen war da nicht zu denken.

„Sieht auch kacke aus, egal was man dabei an hat”, so der typisch selbstironische Kommentar von Veronika zu ihrem ehemaligen Kampfgewicht. Als sie die wenigen Fotos, die sie aus ihrer Vergangenheit von sich besitzt herausholt, glaubt man es kaum, dass die Frau, die dort zu sehen ist, die Läuferin aus der Kobbenthalerstraße sein soll. Veronika betrachtet nachdenklich das Foto und kommt dann zu dem Schluss: „Ich glaube nicht, dass ich mich damals so wahrgenommen habe. Allerdings erkenne ich mich heute auf Fotos auch oft nicht.”

Vor einigen Jahren hatte die 44-jährige Alltagsbegleiterin des Evangelischen Altenheims Hückelhoven schon einmal versucht, durch Heilfasten abzunehmen. „Aber dann hatte ich ganz schnell auch wieder 30 Kilo drauf. Das war also der totale Jojo-Effekt.” Den letztlichen Ausschlag für eine Ernährungsumstellung gab dann Veronikas Mann Christoph, als er mit dem Rauchen aufhörte und vorschlug, nun auch gemeinsam das Abnehmen anzugehen.

„Worauf ich ganz besonders und konsequent achte, ist das Trinken. Ich habe alle gesüßten Getränke wie Limo weggelassen. Ich trinke viel Tee und Wasser.” Beim Brot sei sie auf Vollkornprodukte umgestiegen, auf Schokolade verzichte sie ganz. „Alles was süß ist, vermeide ich. Klar könnte ich ein Stück Schokolade essen, aber ich fürchte einfach, wieder in alte Muster zu verfallen.”

An einen sehr schweren „Rückfall” erinnert sich Veronika noch gut. „Das war letztes Jahr um die Osterzeit. Ich war einkaufen und die Regale waren voller Süßigkeiten, die ich auch richtig mag. So Nougatzeug. Da stand ich echt davor und hätte fast gesabbert.” Sie lacht herzhaft und laut, gibt aber zu: „Chips liebe ich auch und verzichte nicht darauf. Aber dann ist das halt nicht die ganze Tüte, sondern nur ein Schälchen. Generell kauf ich auch keine Diätprodukte. Wenn ich Lust auf Salami hab, dann nehm ich mir Salami. Nur eben heute alles in Maßen.”

Aus ihren Erfahrungen mit den Verführungen des Ernährungsalltags zieht Veronika das Fazit: „Reduziere die Menge, esse mit Genuss”. Deshalb bereitet sie alle Mahlzeiten frisch zu. Und wenn das Kochen deswegen gelegentlich etwas länger dauert, sehe sie das nicht als Problem an. „Manche bezeichnen Kochen ja als was Sinnliches. Ich finde, damit sind die nicht weit weg von der Wahrheit.”

Außerdem könne das Essen so auch schnell zum Familienerlebnis werden. „Nur die Tüte für Fertigbolognese kaufen wir noch, weil wir die alle so lieben”.

Zum Vorbild habe sie sich ihren Sohn Sven genommen, der zuvor schon abgenommen und mit regelmäßigem Sport begonnen habe. „Das Laufen kam durch meine Tochter Rike ungefähr ein halbes Jahr später.” Seitdem läuft sie jeden Abend - und am liebsten bei Witterungen, die man im Allgemeinen als „schlechtes Wetter” bezeichnen würde. Ihr Hund Buster ist auch meistens dabei. „Aber wenn ich mehr als zehn Kilometer laufe, nehme ich ihn nicht mit. Das schafft der sonst nicht.”

Nachdem Veronika schon an vielen Läufen in der Region, wie dem Staffeltriathlon in Hückelhoven oder dem Haldenlauf in Millich mit bis zu 25 Prozent Steigung und 500 Stufen oder beim Unilauf in Köln teilgenommen hat, trainiert sie momentan für den Halbmarathon, der am 22. August in Hückelhoven stattfinden wird. „Wobei, man kann das eigentlich nicht so richtig als trainieren bezeichnen. Das sind immer so Hauruckaktionen, zu denen mich mein Sohn motiviert.” Zwar erlebe sie beim Laufen nicht die oft beschriebenen Glücksgefühle und denke meistens daran, was ihr alles weh tut, aber wenn sie ihre Anekdoten von den Wettläufen zum Besten gibt, weiß man, was ihr so gut daran gefällt. So seien ihre Tochter Rike, ihr Sohn Sven und ihr Mann Christoph bei allen ihren Läufen dabei gewesen und haben nicht nur sie, sondern auch andere Läufer angefeuert oder sind selber mitgelaufen. Außerdem treffe sie immer wieder nette Menschen dabei. „Und als ich dann meine zehn Kilometer in unter einer Stunde gelaufen bin, hab ich im Ziel erstmal geflennt”, berichtet sie stolz von ihrem letzten persönlichen Lauferfolg.

Für ihren Halbmarathon hat Veronika sogar schon Sponsoren gefunden. Und ihre Tochter hat zudem dem WDR von ihrer Erfolgsgeschichte berichtet, weshalb der Fernsehsender einen Bericht über sie drehen wird.
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