Trotz aller Sorgen: „Landwirtschaft hat Zukunft!“

Von: disch
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Freude über heimische Obstsorten beim Erntedankfest in der Heinsberger Stadthalle: Albert Heitzer (Mitte), dem stellvertretenden Bürgermeister der Stadt Heinsberg, wurde die Erntegabe am Freitag von der Vorsitzenden der Landfrauen, Ulrike Kamp, und dem Vorsitzenden der Kreisbauernschaft, Bernhard Conzen, überreicht.
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Silberne Verbandsnadeln des Rheinischen Landwirtschafts-Verbandes wurden beim Erntedankfest der Kreisbauernschaft Heinsberg verliehen.
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Die Bläsergruppe Nimrod hat das Erntedankfest der Kreisbauernschaft Heinsberg wieder einmal musikalisch begleitet. Foto: agsb

Kreis Heinsberg. „Hierzulande fiel die Ernte bei vielen Ackerkulturen enttäuschend aus und blieb deutlich hinter den Erwartungen zurück“, stellte Bernhard Conzen, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Heinsberg und Präsident des Rheinischen Landwirtschafts-Verbandes (RLV) am Freitag fest. Aber trotz aller Sorgen und Probleme betonte er auch: „Landwirtschaft hat Zukunft!“

In diesem Jahr stehe die Ernte für viele Bäuerinnen und Bauern unter besonders schwierigen Vorzeichen – nicht nur wegen des Wetters, so Conzen, „Ich erlebe, dass die Stimmung ­vielerorts gedrückt ist, weil landwirtschaftliche Arbeit, weil das tägliche Brot in unserer Gesellschaft wenig wert zu sein scheint.“

Harte Arbeit und Erfolg im Stall und auf dem Acker müssten sich aber für die Bauernfamilien lohnen. Doch stattdessen würden Getreide- und Milchpreise eine Talfahrt mit ­historischen Ausmaßen erleben. Auch in den anderen Bereichen – wie beispielsweise in der Schweinemast oder -zucht oder bei Obst und Gemüse – sehe es nicht viel besser aus.

So beherrsche vielfach Existenzangst statt Zuversicht den Blick in die Zukunft. Mit den Erlösen seien oft nicht einmal mehr die Produktionskosten zu decken. Ohne gesellschaftliche Anerkennung und finanzielle Honorierung fehle der notwendige Anreiz, tagtäglich Leistung für beste Qualitäten zu erbringen, in Tier- und Verbraucherschutz zu investieren und Innovationen zu wagen. Die Auseinandersetzung mit Regen, Hagel, Dürre, Schnee, Frost und Sturm seien die Landwirte seit Menschengedenken gewohnt, heute hätten die Bauern aber noch mit ganz anderen Dingen zu kämpfen.

„Sie sind in der Gesellschaft zu einer Minderheit geworden, die immer wieder Anfeindungen ausgesetzt ist.“ Merkwürdig sei, dass der einzelne Bauer, sofern er persönlich bekannt sei, meist ein positives Image habe. Sobald aber die Branche Landwirtschaft insgesamt ins Blickfeld rückt, kämen die gängigen oder auch neue Vorurteile hervor. „Was wir tun, wird nicht wertgeschätzt“, beklagte Conzen.

„Wie wir es tun, wird ständig kritisch hinterfragt, und was wir als Ergebnis dafür bezahlt bekommen, ist weder kostendeckend noch anerkennend. Fehlende Anerkennung für die geleistete Arbeit – das ist für die Landwirtschaft fast noch schlimmer als eine nicht angemessene Entlohnung.“ Angesichts all dieser Schwierigkeiten und Probleme könnte mancher die Lust verlieren, weiter Landwirtschaft zu betreiben.

Der Bauernpräsident wollte aber Mut machen und zeigte sich überzeugt: „Landwirtschaft hat Zukunft!“ Und: „Wir üben einen der schönsten Berufe aus, die es in Deutschland gibt.“ Die heimliche Liebe der Mitmenschen zum Land müsse genutzt werden.

„Wir haben deshalb unsere Öffentlichkeitsarbeit intensiviert“, erwähnte der Vorsitzende die Plakataktion unter dem Motto „Wir machen…“ und die erste Heinsberger Höfetour. „Wir wollen offen und ehrlich das zeigen, was wir haben und das, was wir tun. Bauernfamilien müssen nichts verstecken.“ Die Fairness, die Landwirte von der Gesellschaft insgesamt erwarten würden, müsse natürlich auch für den Umgang innerhalb des Berufsstandes gelten, mahnte Conzen.

„Ich finde, wenn die Pachtflächen nur noch nach dem Prinzip des Höchstgebotes sozusagen versteigert werden, läuft etwas falsch. Ich persönlich stehe für eine moderne, für eine unternehmerisch geprägte Landwirtschaft, die mit modernen Methoden und ohne Scheuklappen arbeitet. Aber ich bin dagegen, dass bei den Bauern der Manchester-Kapitalismus Platz greift. Das Wertesystem der Bauern fußt nicht in erster Linie auf Geldvermögen.“

In einem Grußwort hatte der stellvertretende Heinsberger Bürgermeister Albert Heitzer gesagt, es gelte, einer Entwicklung entgegenzuwirken, welche die Landwirte zwinge, ihre Erzeugnisse zu Dumping-Preisen auf den Markt zu werfen. Vielmehr sollte es selbstverständlich sein, für landwirtschaftliche Erzeugnisse einen angemessenen Preis zu zahlen, der die Landwirte und ihre Familien in die Lage versetze, einen Lebensstandard zu führen, der ihnen wegen ihres Einsatzes für das Allgemeinwohl zustehe.

„Leider müssen wir Konsumenten zugeben, dass auch wir Schuld daran tragen, denn nach dem Motto ,Geiz ist geil‘ wird oft da eingekauft, wo es am billigsten ist.“ Heitzer sprach unter anderem auch den Rückgang an Ackerland an: „So schön es ist, mit neuen Baugebieten junge Familien an unseren ländlichen Raum zu binden, so sehr müssen wir hier auch auf ein Gleichgewicht achten.“

Während die Bläsergruppe Nimrod das Erntedankfest wieder einmal musikalisch begleitete, steuerten die Landfrauen nicht nur die Erntegabe in Form eines Obstkorbes für Vize-Bürgermeister Heitzer bei, sondern auch einen Gedichtvortrag von Hildegard Sentis: „Reife Felder“ mit Gereimtem und Ungereimten zur Lage in der Landwirtschaft. In ihrem Schlusswort verwies die Vorsitzende der Landfrauen, Ulrike Kamp, auf Verantwortung, Achtung, Respekt, Zufriedenheit, Hilfsbereitschaft, Gemeinschaft und Freude.

„Unsere Landwirtschaft ist voll mit Werten – daher so wertvoll.“ Der nordrhein-westfälische Landwirtschaftsminister Johannes Remmel habe kürzlich höhere Wertschätzung für Lebensmittel gefordert. „Ich möchte dem noch die Forderung einer höheren Wertschätzung gegenüber den Menschen, die diese guten Lebensmittel produzieren, hinzufügen.“

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