Traditionsbanken streben eine Fusion an

Von: Rainer Herwartz
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Für Heinsberg ist es zweifellos eine kleine Sensation: Die Heinsberger Volksbank an der Hochstraße und die Raiffeisenbank Heinsberg (Foto) wollen sich zu einem neuen, größeren Geldinstitut zusammenschließen. Foto: Rainer Herwartz
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Für Heinsberg ist es zweifellos eine kleine Sensation: Die Heinsberger Volksbank an der Hochstraße (Foto) und die Raiffeisenbank Heinsberg wollen sich zu einem neuen, größeren Geldinstitut zusammenschließen. Foto: Rainer Herwartz
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Die Bankenfusion wird eine runde Sache: Davon sind Kurt Hauser, Thomas Giessing, Dirk Cormann und Klaus-Dieter Kroll (von links) überzeugt.

Heinsberg. In der Heinsberger Region sind sie wohl ebenso verwurzelt wie der Selfkantdom. Und in vielen Jahrzehnten haben sie schon manchen historischen Sturm überstanden. Heinsberger Gewerbetreibende legten 1874 den Grundstein für die heutige Heinsberger Volksbank.

Auf der Hochstraße gelegen, mitten im Zentrum des wirtschaftlichen Geschehens der Stadt, entwickelte sich die Bank zu einer modernen Universalbank mit einem breiten Angebotsspektrum. Ebenso wie die Raiffeisenbank Heinsberg, die mit 120 Jahren seit ihrer Gründung kaum weniger erlebt hat. Die Zukunft allerdings wollen beide Kreditinstitute nun gemeinsam meistern. „Vorstände und Aufsichtsräte haben gemeinsam beschlossen, Gespräche aufzunehmen mit dem Ziel einer Fusion“, sagt Raiffeisenbank-Vorstand Klaus Dieter Kroll.

Für Heinsberg ist die angestrebte Fusion der beiden Traditionshäuser zweifellos eine kleine Sensation. Dennoch kommt sie angesichts der allgemeinen Marktentwicklung der letzten Jahre nicht wirklich überraschend.

Obwohl die Vorstände beider Banken unisono betonen, dass es sich um den Zusammenschluss zweier rundum gesunder Kreditinstitute handelt, macht Thomas Giessing von der Raiffeisenbank keinen Hehl daraus, dass die anhaltende Niedrigzinsphase zur Verbilligung der Schuldenfinanzierung in Europa, die sich noch länger hinziehen werde und die zunehmende „Regulierungswut“ der Bankenaufsicht beide Banken nicht unberührt ließen.

„Die Niedrigzinsphase trifft uns natürlich, weil bei der Verlängerung von Krediten nicht mehr der gleiche Zins erzielt werden kann. Zwar gilt dies auch im Kundenanlagebereich, doch das geschieht nicht im Gleichschritt.“ Kurt Hauser, Vorstandskollege der Volksbank, nennt in Sachen „Regulierungswut“ der Bankenaufsicht als Beispiel die dramatisch gestiegenen Kosten allein im Meldewesen.

Giessing: „Wir werden hier gleichgestellt mit weltweit agierenden Instituten.“ Gerade Regionalbanken spürten diese Belastungen schneller und unmittelbarer als größere Kreditinstitute. Schließlich habe man ja die regionalen Kunden als Zielgruppe und nicht das weltweite Investmentgeschäft. Bisher hätten beide Banken diese Mehrbelastungen durch interne Anstrengungen, permanente Optimierungen in den internen Abteilungen und das „tolle Engagement der Mitarbeiter“ zum Teil dämpfen können.

In der Vergangenheit seien sogar „sehr gute Ergebnisse“ für die regionalen Anteilseigner erwirtschaftet und zudem das Eigenkapital nachhaltig gestärkt worden. Auch die Machbarkeitsstudie, die durch das Unternehmen 4P Consulting in Stuttgart durchgeführt worden sei, habe dies ergeben.

Die externen Experten hatten sich mit der Frage befasst, ob die Beibehaltung der Eigenständigkeit beider Banken sinnvoll ist, eine strategische Allianz oder eine Fusion auf Augenhöhe zu einer neuen, größeren Regionalbank. Für Letzteres fanden sich offenbar eindeutig die besseren Argumente. Beide Aufsichtsräte ließen sich davon überzeugen, denn die Entscheidung erfolgte einstimmig.

„Wir wollen jetzt agieren, statt später zu reagieren“, sagt Dirk Cormann von der Volksbank. Personalkürzungen, ein Rückzug aus der Kundenbetreuung oder ein grundlegender Wandel der Kulturen der beiden Banken stehe dabei nicht zur Diskussion. „Es soll nicht das eine über das andere Institut gestülpt werden“, so Cormann. Schließlich seien beide starke Partner auf Augenhöhe.

„Wir haben uns in der Vergangenheit verstärkt mit dem Firmenkunden- und dem gehobenen Privatkundengeschäft befasst“, erläutert Cormann. Und genau das damit verbundene Know-how soll auch in die neue Bank eingebracht werden. Die Raiffeisenbank hingegen zieht ihre Kompetenz nach eigenem Bekunden unter anderem aus ihrer Präsenz in der Fläche mit ihren 22 Filialen.

Wie die neue Bank am Ende heißen soll, wissen die Bankvorstände derzeit noch nicht. Sie stünden ja schließlich noch am Anfang der Fusionsgespräche, hieß es übereinstimmend.

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