Toilettenanlage kein Geschäft der laufenden Verwaltung

Von: sev
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Dieses stille Örtchen im Waldfeuchter Rathaus geriet nach Jahrzehnten der Nutzung in Schieflage. Foto: Franz Severins

Waldfeucht. Die Toilettenanlage des angrenzenden Sitzungssaals im Rathaus Waldfeucht sorgt für Zündstoff in der Gemeinde. Für Bürgermeister Heinz-Josef Schrammen war sie schon lange ein Dorn im Auge, kurzerhand ließ er sie sanieren ohne die Zustimmung des Rates.

Nach Meinung des Bürgermeisters ist sie „menschenunwürdig”, auf der schwarzen Klobrille mussten schon Jahrzehnte lang die Menschen ihre Bedürfnisse verrichten. Was man ihr natürlich auf den ersten Blick schon angesehen habe, denn Urinstein hätte hartnäckig in der Toilette gehaftet, Schimmelflecke an der Wand seien unübersehbar gewesen und der Besucherhabe sogar nasse Füße bekommen können, denn die nicht mehr erlaubten Druckspüler trafen offenbar nicht nur das Urinal, sondern Wasserspritzer landeten auch schon mal auf dem Boden oder zierten die Hosen der Damen und Herren, Dichtungen seien zudem porös gewesen und hätten Spuren hinterlassen.

Bisweilen habe sich der Nutzer der Toilette auch schon mal neben selbiger wiedergefunden, da die eine oder andere Klobrille nicht mehr fachgerecht befestigt gewesen sei.

Damit ist jetzt Schluss, denn nach Absprache mit einigen Fachbereichsleitern ließ Schrammen kurzerhand die Toiletten für „kleines Geld” sanieren. Allerdings: Schon vor zwei Jahren war über einen Umbau des Sitzungssaals nachgedacht worden, und den Überlegungen zur Folge müsste die Toilette dann sowieso weichen. „Doch bevor diesbezüglich was geschieht, vergeht ein weiteres Jahr”, so Schrammen. Er sah dies als „Geschäft der laufenden Verwaltung” und glaubte sich im Recht, die Sanierung auch aus hygienischen Gründen zu veranlassen.

„Mit dieser Peinlichkeit konnte ich nicht mehr leben”, erinnert sich Schrammen dabei ungern an die Taiwanesische Delegation, die im Dezember Waldfeucht besucht hatte. Die Tagung im Sitzungssaal habe einige Stunden gedauert, derweil zahlreiche Gäste die Toilettenanlage besucht hätten. „Dabei habe ich immer ein unwohles Gefühl gehabt”, erklärt der Bürgermeister.

Der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Jörg van den Dolder, sieht den Sachverhalt anders, denn aus seiner Sicht hat der Bürgermeister gegen das Haushaltsrecht verstoßen. Er setzte den Bürgermeister mit einer E-Mail darüber in Kenntnis. Er solle direkt die Sanierung der Toilettenanlage stoppen. Für den Fraktionsvorsitzenden van den Dolder ist die Sanierung kein Geschäft der laufenden Verwaltung, denn es stünden keine Haushaltsmittel zur Verfügung. Unabhängig von der Person sah sich Jörg van den Dolder gezwungen einzuschreiten, denn seiner Meinung nach würden für die Sanierung Steuergelder verschwendet. Er sehe sich da als Ratsherr in die Pflicht genommen.

Für Ralf Kretschmann (CDU) ist die Sanierung auch kein Geschäft der laufenden Verwaltung. Seiner Meinung nach hätte man die Toilettenanlage bis auf weiteres schließen können. Diese Meinung vertrat auch Heinz-Theo Tholen (SPD).

Jetzt wurde entschieden, dass die Herrentoilette fertig gestellt werden soll; die Damentoilette liegt hingegen quasi auf Eis.
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