Kreis Heinsberg - Tödliche Unfälle zerstören nicht nur das eigene Leben

Tödliche Unfälle zerstören nicht nur das eigene Leben

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Kreis Heinsberg. Mit einem Theaterstück, das Regisseurin Friederike Felbeck mit Schülern der Jahrgänge 9 bis 13 des Heinsberger Kreisgymnasiums konzipieren soll, will die Kreispolizeibehörde der hohen Zahl von Verkehrsunfällen junger Erwachsener im Alter von 18 bis 24 Jahren entgegenwirken.

Im Rahmen einer Auftaktveranstaltung im Musiksaal der Schule stellten die Spezialisten für Verkehrsunfallprävention und Verkehrssicherheitsberatung (VUP/VSB) den Schülern das einem Bielefelder Beispiel folgende Projekt vor. „Voll der Wahnsinn” lautet sein Titel. Darüber hinaus gaben sie den Schülern Gelegenheit zur Diskussion mit weiteren Experten für diese Thematik.

Fast nirgendwo in Nordrhein-Westfalen würden so viele junge Menschen verunglücken wie im Kreis Heinsberg, erklärte Michael Okuhn, Leiter VUP/VSB bei der Kreispolizeibehörde, den Schülern. Der Kreis belege da im Vergleich aller Behörden den vorletzten Rang. Auch 2009 wurden bereits zwei junge Erwachsene getötet, 179 verletzt.

„Wir wollen erreichen, dass Ihr begreift, was es heißt, wenn junge Leute verletzt oder gar getötet werden. Ihr sollt es fühlen”, betonte Okuhn. Dieses Gefühl sollten die Schüler dann einbringen in das Theaterstück, um so viele andere junge Menschen zu erreichen.

Ganz still wurde es dann im Musiksaal, als Verkehrssicherheitsberater Peter Hissel den jungen Leuten bei einer Präsentation die letzte Sekunde im Leben eines jungen Fahrers vor Augen und Ohren führte, der nicht angeschnallt im Auto mit Tempo 80 unterwegs war und den Zusammenprall mit einem Baum nicht mehr verhindern konnte. „Deine Beine brechen am Kniegelenk”, hieß es da. „Die Lenksäule durchbohrt Deinen Brustkorb. Dein Kopf kracht gegen die Windschutzscheibe. Du hast nicht mal mehr Zeit zu schreien.”

Gesteigert wurde die Betroffenheit noch durch den Bericht von Martina Wilmes, deren Tochter im Alter von 18 Jahren tödlich mit dem Auto verunglückte, das ihr die Eltern sechs Wochen zuvor zum Geburtstag geschenkt hatten.

Auch fünfeinhalb Jahre danach habe sie den Tod ihrer Tochter noch nicht verarbeitet, erklärte sie und machte den jungen Leuten deutlich, dass ein solcher Unfall nicht nur das eigene Leben vernichte. „Es zerstört auch das Eurer Familie und das Eurer Freunde.”

An der Diskussionsrunde mit den Schülern nahmen Kreisdirektor Peter Deckers, Polizeidirektor Hans-Joseph Rademacher, Verkehrssicherheitsberater Manfred Kunst und Georg Schippers, Dienstgruppenleiter der Wache West in Heinsberg, teil. Jeder Unfall, jede Benachrichtigung, die er überbringen müsse, hinterlasse auch bei ihm eine kleine Narbe, die bleibe, berichtete er aus seiner täglichen Arbeit.

Weitere Gesprächspartner für die Schüler waren Dr. Roland Prinz, der fünf Jahre lang als Notarzt im Kreisgebiet tätig war, Staatsanwalt Bernd Drews, Pfarrer Manfred Jung, der sich als Notfallseelsorger engagiert, und Klaus Poschen, der in der Regionaldirektion der AOK für das Thema Prävention zuständig ist. Alle gemeinsam wollen die Schüler jetzt bei der Realisierung des Theaterstücks mit ihrem jeweiligen Expertenwissen unterstützen.
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