Tihange: Kreis probt Ernstfall und sieht sich gut aufgestellt

Von: disch
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Das belgische Atomkraftwerk Tihange: Der Kreis Heinsberg ist aktuell in vielerlei Hinsicht mit dem Problem­reaktor befasst. Landrat Stephan Pusch berichtete am Dienstagabend im Kreisausschuss. Foto: imago/Reporters

Kreis Heinsberg. In vielerlei Hinsicht ist die Heinsberger Kreisverwaltung aktuell mit dem belgischen Atomkraftwerk Tihange befasst. Es geht um die Vorverteilung von Jodtabletten, um Atemschutzmasken für Kinder, um die Einrichtung eines Bürgertelefons und um ein Seminar für den Krisenstab. Über all das berichtete Landrat Stephan Pusch (CDU) am Dienstagabend im Kreisausschuss, der unter seinem Vorsitz im Heinsberger Kreishaus tagte.

Das Krisenmanagement und die Gefahrenabwehrplanung im Kreis Heinsberg zur Bewältigung von Großeinsatzlagen und Katastrophen, wie zum Beispiel ein nuklearer Unfall am Kernkraftwerk Tihange, würden „laufend überprüft und weiter ausgebaut“, so Pusch.

Die Kreisverwaltung sei augenblicklich unter anderem mit der Einrichtung eines Bürgertelefons zur Bevölkerungs­information bei Großeinsatzlagen und Katastrophen beschäftigt. Schulungen für speziell ausgewählte kommunikationserfahrene Mitarbeiter seien bereits angelaufen. Weiterhin seien in der Vergangenheit mehrfach Übungen des Krisenstabes sowohl in der Verwaltung als auch in verschie­denen Bildungseinrichtungen durchgeführt worden.

Ende November haben der Landrat sowie Führungskräfte und Mitarbeiter der Kreisverwaltung nach Puschs Darstellung an einem Seminar an der Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz in Bad Neuenahr-Ahrweiler für den Krisenstab des Kreises Heinsberg teilgenommen. Übungsszenario war laut Landrat ein nuklearer Unfall am Kernkraftwerk Tihange mit Austritt von ­radioaktivem Material. In diesem Zusammenhang sei auch eine Teil-Evakuierung der Stadt Übach-Palenberg geübt worden, „da die Wasserversorgung der Bevölkerung in Übach-Palenberg durch radioaktives Material in Gefahr war“.

Als Erkenntnis hielt Pusch fest, dass „der Kreis Heinsberg für den Ernstfall gut aufgestellt ist“, wobei in Bezug auf das Atomkraftwerk ­Tihange nach Festlegung der weiteren Verfahrensweise in der re­gionalen Koordinierungsgruppe noch ergänzende Planungen unter Einbindung der kreisangehörigen Kommunen zu initiieren seien.

Die Stadt und die Städteregion Aachen sowie die Kreise Düren, Euskirchen und Heinsberg haben – wie Puschs Bericht im Kreisausschuss zu entnehmen war – für die Region Aachen den Entwurf eines einheitlichen und abgestimmten Gesamt- und Maßnahmenkonzepts in Bezug auf einen möglichen Nuklearunfall im belgischen Atomkraftwerk Tihange erstellt. Dabei geht es um die Verteilung von Jodtabletten – vorab und im Ernstfall – sowie um die Information der Bevölkerung. Im Kreishaus lagern – so erfuhren die Ausschussmitglieder – derzeit bereits circa 700.000 Jodtabletten, die vom Land bereitgestellt worden seien.

Das Konzept für die Vorverteilung der Jodtabletten werde nunmehr unter Berücksichtigung von Eckpunkten, die das nordrhein-westfälische Ministerium für Inneres und Kommunales vorgegeben habe, überarbeitet, erklärte der Landrat. „Derzeit wird davon ausgegangen, dass eine Vorverteilung der Jodtabletten in der Region Aachen in den ersten Monaten des Jahres 2017 erfolgen wird“, so Pusch weiter.

Darüber würden die Stadt und die Städteregion Aachen beabsichtigen, beim Land die Anschaffung von Feinstaubmasken für Kinder im Alter von sieben bis zwölf Jahren einzufordern. Sollte das Land deren Bitte nicht entsprechen, wollten Stadt und Städteregion die Kosten aus dem eigenen Haushalt tragen. „Ich beabsichtige für den Kreis Heinsberg ebenfalls beim Land entsprechende Atemschutzmasken anzufordern“, sagte Pusch.

„Sollte das Land hierzu nicht bereit sein, müsste für den Kreis Heinsberg entschieden werden, ob diese auf eigene Kosten angeschafft werden.“ Atemschutzmasken für Erwachsene seien im Handel erhältlich. Für den Kreis Heinsberg würden sich die Kosten nach einer ersten groben Einschätzung für die Altersgruppe der sieben bis zwölf Jahre alten Kinder auf circa 35.000 Euro belaufen; angesetzt sind 2,50 Euro pro Stück für circa 14.000 Kinder.

Alle beschriebenen Maßnahmen würden „einen großen materiellen, technischen und personellen Aufwand verursachen, der zur erfolgreichen Bewältigung einer Krisenlage notwendig ist“, sagte Pusch, „auch wenn alle Beteiligten der Wunsch eint, dass – unabhängig vom Atomkraftwerk Tihange – eine Großeinsatzlage niemals eintreten möge“.

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