„Tauchfahrt” zum 7000 Jahre alten Brunnen

Von: dn
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In der Nähe Der bandkeramischen Siedlung bei Kückhoven, im Lahey-Park, ist der Brunnen in Blockbauweise nachgebaut. Das Original des Kückhovener Brunnens lagert im Rheinischen Landesmuseum. Foto: Dahmen

Erkelenz. Beim Heimatverein des Erkelenzer Landes ist es Tradition, mit informativen Vorträgen die Geschichte der Heimat lebendig zu halten. Nun lud der Vorsitzende Günther Merkens im Alten Rathaus zu einer „Tauchfahrt” in die früheste Geschichte des Erkelenzer Landes ein hin zum 7000 Jahre alten bandkeramischen Holzbrunnen, der 1990 bei Kückhoven gefunden wurde.

Damals sprach die Fachwelt von einem Jahrhundertfund und sogar von einer archäologischen Weltsensation, meinte Merkens, als der vollständig erhaltene Brunnen in Blockbohlenbauweise ausgegraben wurde. Nach vielen Diskussionen in den 90er Jahren wurde der Brunnen ins Rheinische Landesmuseum gebracht. In Erkelenz geriet er nach und nach in Vergessenheit.

Merkens bedauerte, dass es 1991 nach langwierigen Diskussion hieß, in Erkelenz solle es eine Nachbildung des Fundes geben. Man wollte eine materialechte Nachbildung schaffen und diese den Bürgern zugänglich machen. Daraus wurde aber nichts, so der Vorsitzende.

Um die Geschichte neu aufleben zu lassen, hatte der Heimatverein den Archäologe Jürgen Weiner eingeladen, der die Ausgrabungen des Brunnens auf einer ungewöhnlichen topographischen Lage des Siedlungsplatzes fünf Jahre lang begleitete. Ungewöhnlich deshalb, weil bekannte bandkeramische Siedlungen immer in der Nähe von Wasser angelegt waren. Im Gegensatz dazu, erläuterte Weiner, liegt die Siedlung bei Kückhoven auf einer trockenen Lößhochfläche und die nächsten Wasserläufe einige Kilometer weiter.

Die Lage der zunächst entdeckten Siedlung gab den Fachleuten viele Rätsel auf. Im Oktober 1990 deutete sich bei der erweiterten Grabungsfläche ein erster Hinweis auf die Wasserversorgung der Siedlung ab. Beim Abschieben des Humus wurde zur Hälfte eine rundliche, dunkelgraue Verfärbung aufgedeckt, die an eine riesige Grube mit einem Durchmesser von 20 Meter erinnerte. Die Breite des dunkel gefärbten Schachtes betrug sieben Meter.

Und weil datierende Funde nicht geborgen werden konnten, blieb der Schacht ein Rätsel. Als Monate später die Oberfläche durch Abbaggern erheblich tiefer gelegt worden war, wurde die Arbeit am Fund wieder aufnehmen. Dabei kamen in sieben Meter Tiefe unterhalb der heutigen Oberfläche erste Holzstücke zum Vorschein.

Bestimmte Merkmale der Spuren ließen auf Anwendungen von Steinbeile schließen. Anfang Januar 1991 lag das Ergebnis der Radiokarbondatierung des Universitätsinstituts Heidelberg vor: Die Holzprobe besitzt ein Alter von 5200 v. Chr. Die Sensation war perfekt, als immer deutlicher wurde, dass es einen komplett erhaltenen Holzbrunnen gab.

An Hand von Fotos erklärte Weiner, dass der gesamte Brunnenkasten eine Tiefe von 13 Metern hatte und aus drei Kästen in Blockbauweise gebaut war. Die Altersbestimmung im Labor für Dendrochronologie der Universität Köln legte die verbindliche Altersangaben vor: Die Bauhölzer des größten und ältesten Brunnenkastens wurden 5090 v. Chr. gefällt und wahrscheinlich 5089 v. Chr. verbaut. Die beiden kleineren und jüngeren Kästen wurden jeweils 20 bis 30 Jahre nach der Beschädigung ihrer Vorgängerbauten errichtet.

Erwartungsgemäß lieferte die Grabung zahlreiche Funde. Neben einer großen Zahl an Fragmente unverzierter und verzierter, typischer bandkeramischer Gefäße waren es vor allem die einzigartigen Funde von Gerätschaften aus vergänglichen Materialien und Objekte unbekannter Funktionen, etwa ein baltische Bernstein mit Bohrungen, ein aus Rinde zusammengenähter Beutel als Wasserschöpfer, Schöpfbeutel, Schöpfkelle, gerissenes Förderseil, Teil eines Umlenkholzes mit intensiven Spuren der Seilförderung sowie ein großen Holzgefäß mit Stiel. Dieser Fund bei Kückhoven, so Jürgen Weiner, hat die Archäologen weltweit aufhorchen lassen, dass bandkeramische Siedlungen nicht nur in der Nähe von Wasserstellen zu finden sind.

Er bezeichnete diesen und andere Funde als jungsteinzeitliche Revolution, weil sie nachweisen, dass die Menschen sesshaft waren, Ackerbau und Viehzucht betrieben. Neben dem Brunnen galt weiteres Interesse dem neun Hektar großen Siedlungsbereich. „In unzähligen Veröffentlichungen, auch in der Schriftenreihe des Heimatvereins, und Vorträgen in aller Welt hat Jürgen Weiner die Bedeutung des Erkelenzer Brunnens immer wieder herausgestellt”, betonte Günther Merkens in seinem Dank an den Referenten.
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