Heinsberg - Tatjana Utz: Ausstellung „Showtime“ zeigt Travestiebilder

Tatjana Utz: Ausstellung „Showtime“ zeigt Travestiebilder

Von: defi
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„Showtime“ ist derzeit angesagt beim Kunstverein Region Heinsberg: Die Münchner Künstlerin Tatjana Utz zeigt Bilder aus der Welt der Travestie. Foto: defi

Heinsberg. Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte, sagt der Volksmund. Wo besser als in einer Bilderausstellung könnte diese Volksweisheit mal überprüft werden? Also auf zur Vernissage im Kunstverein Region Heinsberg. In den Unterbrucher Räumen des etablierten Kunstinstituts hat die Münchner Künstlerin Tatjana Utz ihre Ausstellung „Showtime“ aufgebaut.

Sie zeigt erstmalig ihre Werkgruppe der Travestiebilder.

Verwandlung als Thema

Die Verwandlung von Mann zu Frau ist ein Thema, das die Meisterschülerin von Professor Sean Scully an der Akademie der Bildenden Künste München bei einem Projekt mit der weltberühmten Choreographin Pina Bausch für sich entdeckte und über einen ­einen längeren Zeitraum mit zwei Münchner Travestiegruppen ausarbeitete.

Sie wollte nicht nur die Kunstfiguren der Transvestiten auf der Bühne zeigen, sondern vor allem die Verwandlung „backstage“. Die Travestiekünstler willigten ein und öffneten Tatjana Utz und ihrem „Skizzenblock“, der Kamera, ihre Garderoben.

Ein großes Gemälde in der Ausstellung zeigt einen der Künstler und sein Spiegelbild beim Schminkritual. Tatjana Utz: „Mir ist vor allem dieses Zwischenstadium der Verwandlung von Mann zu Frau besonders wichtig.“ Wenn der Lippenstift aufgetragen, der Lidstrich gezogen und die fehlenden weiblichen Rundungen nachgepolstert wurden, das war der Moment, in dem es für Tatjana Utz spannend wurde. Diese Spannung müsste also auch der Betrachter ihrer Bilder erleben können.

Dem kunstinteressierten Besucher den Weg zu diesem Erlebnis zu ebnen, hat sich der Kunstverein auf die Fahne geschrieben. Ein Instrument ist die Einführungsrede. Eine solche kann sehr inspirierend für den Zuhörer sein, gelegentlich aber an eine Schulstunde erinnern, die man lieber verschlafen hätte, nämlich dann, wenn 1000 Worte eben doch nicht mehr sagen als ein Bild.

Das Künstlergespräch, das bei der aktuellen Vernissage an die Stelle der Rede trat, gestaltete Ingrid Trantenroth-Scholz, Kuratorin und zweite Vorsitzende des Kunstvereins, mit der Künstlerin Tatjana Utz. Sicherlich hat der ein oder andere der zahlreich erschienenen Besucher seinen Nutzen daraus gezogen, wie der Applaus vermuten ließ. Die Frage sei aber erlaubt, ob 1000 Worte das eigene Erleben der Kunst noch erlauben.

Tatjana Utz hat eine Vielzahl Arbeiten gehängt: kleine und große, Zeichnungen, Linoldrucke, Aquarelle, Ölgemälde. Conchita Wurst war auch unter den Dargestellten zu entdecken. Dieser Kunstfigur, mit der Tom Neuwirth der Travestie zu neuer Beachtung verhalf, hat Tatjana Utz einen ihrer kleinen Schaukästen gewidmet.Sie zählen zu den interessantesten Kunstwerken dieser Ausstellung.

Diese Schaukästen haben etwas von ­Bastelarbeiten. Dreidimensional zeigen sie Bühnenszenen. Darin sind die Hauptdarsteller auf bemaltem Papier in den Rahmen gestellt. Manchmal sieht man die ausgeschnittene Silhouette der Zuschauer vor der Bühne.

Sehr schön ist eine buntschillernde „Frauen“-Figur, die ihren eigenen Schatten mit langen Wimpern auf den gemalten Vorhang im Hintergrund wirft. Die Figur ist mit Silberflitter bestäubt, wie man es von alten Sammelbildern aus dem Poesiealbum kennt. Es gibt einiges zu entdecken bei „Showtime“, ob nun mit oder ohne 1000 Worte.

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