„Tag der Akteure”: Integration Aufgabe für die gesamte Gesellschaft

Von: hewi
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Kreis Heinsberg. Mit einem „Tag der Akteure” im interkulturellen Zentrum an der Martin-Luther-Straße in Hückelhoven begann die interkulturelle Woche, an der Organisationen und Institutionen aus dem gesamten Kreisgebiet teilnehmen.

Beim „Tag der Akteure” stellten einige der beteiligten Gruppen sich und ihre Arbeit vor. Sie reicht von Hilfeleistungen im Umgang mit Behörden und beim Spracherwerb über die Frühförderung und Angebote für Menschen mit Behinderung bis hin zu integrativen Freizeit- und Bildungsangeboten. Auch das kreisweite Bündnis gegen Rechts war mit einem Infostand vertreten.

Christian Ehlers leitet die Integrationsagentur für das Diakonische Werk. Er sprach angesichts der ersten Teilnahme des Kreises an der Integrativen Woche von einem Experiment, dessen Ziel auch sei, miteinander ins Gespräch zu kommen und voneinander zu lernen.

Der Superintendent des Kirchenkreises Jülich, Jens Sannig, hob das Motto der interkulturellen Woche, „Zusammenhalten - Zukunft gewinnen” hervor und setzte es auch in einen internationalen politischen Rahmen. Denn im Umgang mit der Euro-Krise zeige sich, ob Europa in die Nationalstaatlichkeit zurückfallen oder zu einer Union zusammenwachsen werde. Durch die Finanzthematik würde auch gleichzeitig die in Deutschland schwelende Ausgrenzungsdebatte angefeuert.

Integration sei keine „Formel für Gutmenschen”, sondern eine Aufgabe der gesamten Gesellschaft. Diese Aufgabe sei langfristig angelegt und nicht durch eine Aktionswoche zu schaffen. „Wir können uns keine integrationspolitischen Pingpong-Spiele leisten.” Die interkulturelle Woche sei ein Zeichen auf dem Weg in die integrative Gesellschaft. Ziel sei es, die Potenziale der Zuwanderung zu nutzen und allen eine Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen. Der Schirmherr der integrativen Woche betonte, dass Integration eine von Gott gegebene Aufgabe sei.

Landrat Stephan Pusch rief dazu auf, „zu handeln statt zu reden”. Man brauche einen breiten gesellschaftlichen Diskurs über die Zukunftsstrategien. Mit Blick auf die demografische Entwicklung sprach er von einer „Überlebensstrategie”. Rechtsextremen Tendenzen erteilte er eine Abfuhr. „Was bei der globalen Wirtschaft in die Hose geht, hat mit Integration nichts zu tun”, betonte er. Bildung sei der Schlüssel für Wohlstand, an dem alle teilhaben müssten.

Bürgermeister Bernd Jansen betonte, dass Hückelhoven die Integration schon seit vielen Jahren lebe. Denn „wir brauchen jedes Kind”, erklärte er und forderte, vor Ort gemeinsam Integration zu gestalten. „Der Baum, den du heute pflanzt, trägt in 20 Jahren Früchte”, erklärte er. Im Kreis Heinsberg sei man „auf einem guten Weg”. Und: „Der Handwerksmeister der Zukunft ist ein Türke.”

Da wollte Christian Ehlers noch einen draufsetzen und erklärte, in 20 Jahren seien der Hückelhovener Bürgermeister oder der Landrat Menschen mit Migrationshintergrund.

Die Leiterin des Pädagogischen Zentrums Aachen, Marie-Theres Aden-Ugbomah, referierte über das „Sprintprojekt”, bei dem Sprach- und Integrationsmittler ausgebildet werden, die ganz praktische sprachliche Hilfe für den Umgang mit Behörden, im Gesundheitsbereich oder bei der Krisenprävention leisten. „In einer Gesellschaft, die auf Zuwanderung angewiesen ist, nehmen Sprach- und Integrationsmittler eine wichtige Funktion ein”, betonte sie. Sie lobte das Angebot der Sprachlotsen und Dolmetscher, das die Integrationsagentur im Kreis anbietet.

Einen besonderen Beitrag leisteten Alina Gaykina (12) und Bahodir Kaynemor (15). Die beiden Hauptschüler sind noch nicht lange in Deutschland und hatten ihre Gedanken zur Integration in poetische Worte gefasst. „Ich bin ein Baum. Ich habe eine Wurzel, ein Herz und zwei Seelen”, hieß es in einem der Gedichte.


In NRW leben 4,3 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund. Das entspricht rund einem Viertel der Bevölkerung. Nur 32 Prozent der Jugendlichen mit Migrationshintergrund hatten 2008 eine Ausbildungsstelle. Bei ihren deutschen Altersgenossen waren es immerhin 68 Prozent.
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