Tafel erinnert an das Ghetto

Von: hewi
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Erkelenz-Hetzerath. Am Spießhof wurde die letzte Gedenktafel der Route gegen das Vergessen im Rahmen einer Gedenkstunde eingeweiht. Was den wenigsten bekannt ist: Der Spießhof war von April 1941 bis März 1942 ein Ghetto für die Juden aus dem ehemaligen Kreis Erkelenz.

Sie mussten dort unter menschenunwürdigen Bedingungen und ohne Kontakt zur Bevölkerung leben, bis sie in die Todeslager deportiert wurden. Mit der fünften Station ist die Route gegen das Vergessen fertiggestellt.

„Die letzte Tafel bedeutet nicht das letzte Gedenken”, betonte Pfarrer Franz Josef Semrau in seiner Ansprache während der Eucharistiefeier in der Hetzerather Pfarrkirche. Es dürfe kein Mantel des Schweigens über die Ereignisse des Dritten Reiches gelegt werden. „Schweigen belastet”, betonte er und erinnerte an die Worte Jesu: „Die Wahrheit wird euch frei machen, nicht die Lüge.” Daher sei es gut, wenn Menschen die Wahrheit zur Sprache bringen. Auch, wenn es sich um unbequeme Wahrheiten handele.

Die Route gegen das Vergessen helfe, das Unfassbare fassbar zu machen und zu begreifen, was geschehen ist. Der Kirchenchor Cäcilia unter der Leitung von Jürgen Pelz trug zur musikalischen Gestaltung des Gottesdienstes bei.

Am Spießhof an der Hohenbuscher Straße wurde die Gedenktafel auf ihrem Steinsockel feierlich übergeben. Bürgermeister Peter Jansen betonte, dass „die Gedenktafel nötig seien, um greifbar zu machen, was geschehen ist”. Gleichzeitig mahnten sie zur Wachsamkeit gegenüber extremistischen Tendenzen in der Gesellschaft.

Lea Floh, die Versitzende der Jüdischen Gemeinde Mönchengladbach, betonte, dass die Erinnerung an die Shoah nie aufhöre. Sie gedachte der verschleppten Mitbürger, die nicht einmal ein Grab gefunden hatten, an dem die Hinterbliebenen trauern konnten. „Alte Wunden können nicht heilen”, erklärte sie. Doch sie forderte die Anwesenden auf, dazu beizutragen, dass sich solche Tragödien nicht wiederholen könnten. Die Erinnerung an das Geschehene könnten beitragen, „einen Fluch aus der Gesellschaft zu bannen”.

Wie vorher schon Bürgermeister Jansen warnte sie vor dem Extremismus, der sich wieder schleichend in der Gesellschaft breit mache. Ihm müsse man entschieden und mutig begegnen.

Hubert Rütten vom Route-Team erinnerte daran, dass sich in Hetzerath bereits eine Stele in Erinnerung an das Ghetto befinde. Die in einen Steinsockel eingelassene Gedenktafel am Spießhof werde jedoch helfen, das Geschehene zu vergegenwärtigen und zuzuordnen. Dann verlas er die Namen der Juden, die im März 1942 von Hetzerath aus ins polnische Izbica und nach Theresienstadt deportiert wurden. Keiner von ihnen überlebte die Kriegsjahre. Zu ihrem Gedenken wurden Kerzen angezündet.

Anschließend lud die Interessengemeinschaft Hetzerath zu einem Vortrag über den Spießhof als Ghetto und die Juden im Erkelenzer Land ein. Der Künstler Giora Eshkol, Mitglied der jüdischen Gemeinde Mönchengladbach und erst vor Kurzem aus Israel nach Deutschland gezogen, erklärte am Rande der Gedenkveranstaltung, dass die Art des Umganges der Bevölkerung mit der Geschichte ihn sehr beeindruckt habe.
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